Wer in den letzten Jahren die SRF-Plattform für die Schweizer Vorausscheidung des Eurovision Song Contest durchstöberte, hat immer wieder positive Überraschungen erlebt. Die Einführung des Publikumsvotings vor drei Jahren hat zu einer Aufbruchsstimmung geführt und viele Schweizer Bands und Sänger motiviert, sich und ihren Song zu präsentieren.

221 Songs haben sich 2012 für das Schweizer Finale beworben, jetzt sind es nur noch 158  – und davon ist fast die Hälfte ausländischer Herkunft. Nur noch 86 Schweizer Sänger und Musiker haben in diesem Jahr mit ihren Songs kandidiert.

Bekannte Popsänger? Fehlanzeige! Schlagersänger Leonard, die virtuose Alphornspielerin Eliana Burki, das Alphornküken Lisa Stoll sowie Salvo waren unter den Kandidierenden noch die Prominentesten. Die meisten anderen Schweizer Sängerinnen und Sänger scheuen ganz offensichtlich den grössten europäischen Song-Wettbewerb.

2014: Ein schlechter Jahrgang

Von der damaligen Eurovisions-Euphorie ist schon jetzt nicht mehr viel zu spüren. Der Schweizer Eurovisions-Jahrgang 2014 ist denn auch sehr durchschnittlich bis schlecht, und zwar in qualitativer wie quantitativer Hinsicht.

So sind denn auch die meisten der achtzehn Kandidaten (siehe Liste rechts), die sich am 30. November mit ihren Songs einer Experten-Jury live präsentieren dürfen, nicht viel mehr als braves Mittelmass.

Zu Recht wurde kein Song der prominenten Kandidaten berücksichtigt. Zu schlecht waren sie oder passten stilistisch nicht ins Format.

Ein Trio von «The Voice»

Am bekanntesten sind die drei Interpreten des Songs «Together Forever». Hinter dem Bandnamen 3 For All verbergen sich Ricardo Sanz, Iris Moné und Gisele de Marcos, die in der ersten Staffel von «The Voice of Switzerland» aufgetreten sind.

Der Song beginnt vielversprechend mit Akkordeon und einem mitreissenden Beat, verliert sich dann aber musikalisch und textlich in austauschbarer Eurovisions-Seeligkeit. Immerhin sind die drei Kandidaten live-erprobt und können singen.

3 for All - Together Forever

Auch die beiden ausgewählten ausländischen Beiträge können den Eurovisions-Jahrgang nicht herausreissen. Dann noch lieber biederes, helvetisches Mittelmass.

Immerhin finden wir auf der Liste einige ansprechende Sängerinnen und Sänger: die Lausannerin Lola Sparkes zum Beispiel, die in der Schweiz lebende Spanierin Paula Marengo oder der erfahrene Nino Colonna, der vor zehn Jahren mit «ll meglio di me» einen kleinen Hit hatte und sogar in der Schweizer Hitparade platziert war. Doch genügen die Songs, um die Schweiz aus der Eurovisions-Depression zu reissen? Wohl kaum.

Unser Favorit: «Alpha»

Mit Abstand der interessanteste Song ist «Alpha» der Band One Day Remains. Ein moderner Rocksong mit elektronischen Elementen und einer besonderen Gesangslinie. Es ist alles andere als ein typischer Eurovisions-Song und ragt gerade deswegen aus dem Einerlei der biederen Songliste heraus.

Dazu verfügt der Luzerner Sänger Pedro Rodrigues (24) über eine markante, nicht alltägliche, dunkle Baritonstimme, die in den tiefen Lagen an den finnischen Sänger Ville Valo erinnert. Gitarrist Claudio Rodriguez (26, mit dem Sänger nicht verwandt) ist sich bewusst, dass sich das Trio auf etwas fremdem Terrain bewegt, rechnet sich aber gerade deswegen auch Chancen für das Finale der besten sechs aus.

Dabei gestaltete sich schon der Weg auf die Eurovisions-Plattform hindernisreich. Die Band aus Wohlen lud zunächst das Video für die Single «High Stakes» auf die Plattform. Doch weil der Song schon veröffentlicht war, nahm ihn das Schweizer Fernsehen aus dem Wettbewerb.

One Day Remains - High Stakes

SRF ermutigte die Band aber, mit einem anderen Song anzutreten. «Wir nehmen den Wettbewerb sehr ernst und geben Gas. Als junge Band brauchen wir Publizität», sagt Rodriguez, der wie Schlagzeuger Samuel Berger (22) Profimusiker ist. Zu verlieren haben sie gar nichts.

Den Link zum Song «Alpha» von One Day Remains finden Sie hier.