Jazz in Church

Branford Marsalis, der Mann mit der unglaublichen Wärme im Ton

Branford Marsalis wusste die Akustik der Kirche zu nutzen.

Branford Marsalis wusste die Akustik der Kirche zu nutzen.

Die altehrwürdige Martinskirche erlebte am Donnerstag mit dem Saxofonisten Branford Marsalis eine Sternstunde der Improvisation.

Die Martinskirche gilt als die älteste Pfarrkirche Basels, und seit dem Umbau 1851 zur Konzertkirche hat sie so manches Highlight im klassischen Bereich erlebt. Mit dem Saxofonisten Branford Marsalis nun auch eine Sternstunde der Improvisation.

Aber nicht nur. Der aus einer Musikerdynastie aus New Orleans stammende Saxofonist ist ein unerhört vielseitiger Musiker, der vom Strassenjazz seiner Heimatstadt über den Hip-Hop-Crossover mit der Band Buckshot LeFonque und Pop-Hits (Sting) bis hin zur Teilnahme als Mitglied in einem europäischen Symphonieorchester so ziemlich alles ausprobiert hat, jeweils mit Anerkennung. Er hat das Diplom einer Musikakademie, und die Beschäftigung mit der klassischen sowie der Neuen Musik nimmt zunehmend Raum ein.

Spiel mit den Noten

Vor genau zwei Jahren gab er in der Grace Cathedral von San Francisco – wo schon Duke Ellington 1965 aufgetreten war – ein Solo-Konzert, das auch als CD veröffentlicht wurde. Die Aufnahmen von «In My Solitude» lassen im Vergleich zum Basler Konzert das unerhörte improvisatorische Können dieses Musikers erst so richtig erkennen. Auch in der Martinskirche begann Marsalis mit «Who Needs It», einer Komposition des grandiosen Sopransaxofonisten Steve Lacy.

Die Melodie war erkennbar, die Ausführung völlig verändert, wie so anders auch der klangliche Raum der altehrwürdigen Kirche auf dem Münsterhügel im Vergleich zu einer amerikanischen Kathedrale ist. Es folgte «Stardust», einer der meist gespielten Standards, nicht zuletzt dank Interpretationen von Bing Crosby und Louis Armstrong im Jahr 1931, eine Solo- Meditation auf dem Tenorsax über eine Melodie, die sonst vorwiegend bei Bigbands beliebt war. Ein erster Höhepunkt.

Auf eine erste Improvisation am Sopransax folgte ein Satz aus der Oboensonate von C. P. E. Bach, nun wieder auf dem Tenorsax, kurz vor der Pause dann am Sopransax eine virtuose Sarabande aus der 2. Cello Suite von J. S. Bach. Mit Neuer Musik aus der Feder des japanischen Virtuosen Ryo Noda, «MAI, Op. 7» eröffnete Marsalis das zweite Set und gab noch dem Sopransax den Vorzug, bevor er dann vorwiegend das Tenorsax einbrachte und erneut eine Steigerung erzeugte.

Akustik voll ausgenutzt

Es war ein Solo-Konzert, aber der Mann mit der unglaublichen Wärme im Ton und der nie zum Selbstzweck verkommenden Technik dialogierte in zwei Richtungen gleichzeitig. In seinem Spiel zerlegte er Kompositionen, deren Melodien er ebenso variierte, wie er in seinen Improvisationen mit Motiven jonglierte, während er die einzigartige Akustik des Kirchenraums voll ausnutzte. Damit machte er seinen Auftritt zu einem unwiederbringlichen Moment von hoher Kunst, der das Publikum verzauberte.

Back to the Roots mit der Eigenkomposition «Blues For One» und – mit einem maliziösen Spiel mit Pausen und Widerhall – im Standard «Body and Soul» sowie in der ersten Zugabe: «When The Saints Go Marching In» ist ein Spiritual, aber auch das Wiegenlied des New Orleans Jazz. Marsalis spielt es, als hätte er es gerade frisch erfunden. Wären die Heiligen-Statuen nicht in der Reformation entfernt worden, sie hätten wohl innerlich mitvibriert und wie das Publikum unweigerlich den Takt mit den Füssen geschlagen.

Es war nicht der erste und nicht der letzte Moment, in dem der Swing, diese Urkraft des Jazz, eine Rolle spielte: Marsalis verabschiedete sich mit «The More I See You, The More I Want You», ein warmes und inspiriertes Dankeschön an den sakralen Raum und das begeisterte Publikum.

offbeat Konzerte Es war das erste Konzert der diesjährigen offbeat Konzerte, vor über 700 Zuhörern und restlos ausverkauft. Die nächsten Konzerte finden am 23. Februar im Volkshaus mit der Al Di Meola Group und am 3. März im Stadtcasino mit den beiden Duos Hiromi-Stanley Clarke und Lisette Spinnler-Christoph Stiefel statt. Am 20. April erfolgt dann der Start zum 26. Festival.

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