Die 40er-Jahre waren das Jahrzehnts des Saxofons: der sogenannten «Honker» und «Screamer». 1942 spielte der damals 19-jährige Illinois Jacquet (1922 – 2004) als Mitglied der Bigband von Lionel Hampton ein berühmtes Solo im Song «Flying Home». Mit neuen Blastechniken stiess er in die höchsten Höhen seines Instruments vor und liess sein Horn in tiefsten Registern röhren. Jacquet spielte hart, mit mächtigem Ton, bluesverwurzelt und rhythmisch direkt. «Flying Home» gilt als ein Vorläufer des Rock’n’Roll und der Mann aus Louisiana prägte mit seinem Spiel Legionen von Saxofonisten in Jazz, Rhythm and Blues, Rock und Pop - bis heute.

Zu den Honkern dieser ersten blühenden Generation gehörten zum Beispiel Eddie «Lockjaw» Davis (1922 – 1986), Buddy Tate (1915 – 2010), Arnett Cobb (1918 – 1989), die auch in Arthur Elgorts Film «Texas Tenor: The Illinois Jacquet Story» (1992) verewigt wurden. Eher dem Rhythm and Blues, der damaligen Popmusik der Schwarzen, zugerechnet wurden Louis Jordan (1908 - 1975), Earl Bostic (1913 - 1965) und: Big Jay McNeely.

Der 1929 in Los Angeles geborene Big Jay McNeely hatte 1949 seinen ersten Hit «The Deacon’s Hop» und war an der Entwicklung des Rock’n’Roll massgeblich beteiligt. Vor allem war er aber der verrückteste, expressivste und exaltierteste aller extrovertrierten Honker. Begleitet von pyrotechnischen Showeinlagen blies er sich während halbstündigen Soli in Ekstase, warf sich auf den Boden und spielte auf dem Rücken liegend endlos weiter. Bis zuletzt war das Bühnentier aktiv - bis zum bitteren Ende. Im September und verstarb er 91-jährig einem Krebsleiden. Ihm widmen wir diese Playlist.

Big Jay McNeely war der Letzte der grossen Honker und Screamer. Der Überlebende einer Ära, einer Generation von Saxofonisten, deren Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ohne die ekstatische Show und Intensität der Honker hätte es keinen James Brown, keinen Jimi Hendrix gegeben. Und ohne die markigen Horn-Riffs im Rhythm and Blues keine Rock-Riffs auf der elektrischen Gitarre. Die Honker und Screamer hatten aber auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion: Sie haben damals eine ganz eigene, schwarze Stimme entwickelt und definiert. Das schreiende Saxofon artikulierte noch vor der elektrischen Gitarre den Schrei nach Freiheit.

Texas Tenor – The Illinois Jacquet Story (1992)

Lionel Hampton feat. Illinois Jacquet: Flying Home (1942)

Lionel Hampton feat. Arnett Cobb: Flying Home No. 2 (1942).

Illinois Jacquet: Jacquet Mood (1945).

Illinois Jacquet: Port Of Rico (1952).

Count Basie feat. Eddie «Lockjaw» Davis: Cherokee (1965)

Louis Jordan: Caldonia (1945)

Earl Bostic: Flamingo (1951)

Big Jay McNeely: The Deacon’s Hop (1949).

Big Jay McNeely: There Is Something On Your Mind (1949)

Big Jay McNeely: Deacon Rides Again (1951)

Dokfilm über Big Jay McNeely