Das Jubiläums-Album «Ballast der Republik», das ab Freitag im Plattenregal steht, war eine Zangengeburt. «Die Platte war ein Kampf», sagt Bassist Andreas Meurer im Gespräch. «Wir haben mit jedem einzelnen Stück gerungen.»

Normalerweise schaffen es bei den Toten Hosen immer ein bis zwei Lieder der Demo-Sessions im Proberaum auf das nächste Album. «Dieses Mal hat es kein einziges Lied davon auf die Platte gschafft», sagt der Bassist. Man habe alles Dagewesene verworfen und nochmals bei null angefangen.

Eine Single tanzt aus der Reihe

Den anstrengenden Entstehungsprozess hört man «Ballast der Republik» nicht an. Die Lieder treiben in typischer Manier nach vorne, leben von den hymnischen Refrains und krachenden Gitarren. Nur die erste Single «Tage wie diese» tänzelt irgendwie ungezogen aus der Reihe. Wenn Campino singt «Ich wart seit Wochen auf diesen Tag und tanz vor Freude über den Asphalt. Als wär’s ein Rhythmus, als gäb’s ein Lied, das mich immer weiter durch die Strassen zieht», klingt das nach Ich & Ich, ein wenig nach Silbermond und sogar ein wenig nach Schlager.

Anstatt im Jubiläumsjahr zurück zu den Wurzeln zu gehen, biedern sich die Toten Hosen damit komischerweise beim modernen Mainstream an. Hoppla, das hätten die Herren doch gar nicht nötig. Ist das vielleicht eine Konsequenz des Erfolgs? Dass längst nicht mehr die neuen Lieder für volle Konzerthallen sorgen, sondern die Marke «Die Toten Hosen»? Für Andreas Meurer sind solche Überlegungen völliger Quatsch: «Bei uns hört man eher genauer hin, weil man von unserem Namen auch eine gewisse Qualität erwartet.»

«Mainstream ist kein Qualitätsmerkmal»

Der Begriff «Mainstream» ist für ihn ein Unwort. Wer viele Zuhörer habe, sei halt einfach interessanter als andere. Das sei jedoch kein Qualitätsmerkmal. «Musik ist entweder gut oder schlecht», sagt Meurer. «Und nur weil viele Leute gute Musik hören, wird diese dadurch doch nicht schlecht.»

Und ein Album, bei dem die Band nicht 100 Prozent dahinterstehen kann, kommt den deutschen Punkern sowieso nicht in die Tüte. «Wir wollen jedes Mal unser Bestmögliches abliefern», sagt Andreas Meurer. «An ‹Ballast der Republik› haben wir zwei Jahre lang gearbeitet.»

CD mit Cover-Songs veröffentlicht

Nun ist die Arbeit getan und das Feiern kann beginnen. Im Vorfeld der Veröffentlichung haben die Hosen einige ihrer legendären Wohnzimmerkonzerte gespielt. Dabei spielen sie jeweils im Dachstock oder eben im Wohnzimmer eines Fans – Konzerte vor 100 bis 200 Leuten. Nun folgen die ganz grossen Bühnen. Bevor die Düsseldorfer Band am St.Galler Open Air in der Schweiz spielt, wurden sie unter anderem auch für die beiden Monsterkonzerte Rock Am Ring und Rock im Park gebucht.

Und damit auch diejenigen Fans, die in diesem Jahr kein Hosen-Konzert besuchen können, genügend Spass im Jubiläumsjahr haben, veröffentlicht die Band zusätzlich zum neuen Album eine Limited-Edition-CD mit Coversongs. Unter dem Titel «Die Geister, die wir riefen» versammeln sich Lieder, welche die Toten Hosen geprägt haben. Von Kraftwerks «Das Model» über «Rock Me Amadeus» bis hin zu «Keine Macht für Niemand» von den legendären Ton, Steine, Scherben. Und auch mit den ehemaligen Rivalen Die Ärzte hat man sich anscheinend versöhnt. «Alles total entspannt», bestätigt Andreas Meurer. «Darum haben wir ‹Schrei nach Liebe› gecovert und schicken den Song mit einem lieben Gruss nach Berlin.»