Pilatus

Beethoven im höchstgelegenen Konzertsaal der Welt

Zu Hause in Baden, zu Gast auf den Konzertbühnen der Welt, und nun auch auf dem Pilatus zu erleben: Der Pianist Oliver Schnyder.

Zu Hause in Baden, zu Gast auf den Konzertbühnen der Welt, und nun auch auf dem Pilatus zu erleben: Der Pianist Oliver Schnyder.

Oliver Schnyder und Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters spielen Beethoven auf dem Pilatus.

Die Basler Orchester gehen gezwungenermassen neue Wege: Die Renovation des Musiksaals im Stadtcasino Basel zwingt sie, neue Konzertorte zu erobern. Das Luzerner Sinfonieorchester geht diesen Weg freiwillig: Obschon sie mit dem KKL einen der besten Konzertsäle der Welt bespielen dürfen, erproben sie mutig neue Räume. «Raus aus den Klassiktempeln, hin zu den Leuten», könnte das Motto heissen.

Ihre jüngste Entdeckung ist der Pilatus. Dieses Ausflugsziel auf 2132 Metern zum Konzertort umzufunktionieren, ist nicht leicht – doch die Luzerner scheuen keinen Aufwand. Haben ein Arrangement mit dem Hotel Pilatus-Kulm geschlossen, das den Gästen ermöglicht, beim Nachtessen mit den Musikern zu plaudern und nach dem Konzert auf dem Berg zu Übernachten. Haben für alle anderen Abendgäste eine Extra- Zahnradbahn ins Tal organisiert; weit nach Dienstschluss. Und sie haben sogar einen Konzertflügel per Helikopter auf den Berg fliegen lassen.

Am Donnerstag ist der teure Flügel auf den Pilatus transportier worden – dort muss er sich zuerst akklimatisieren.

Der teure Flügel fliegt auf den Pilatus – dort musste er sich zuerst akklimatisieren.

(12.10.2016)

Dennoch: Vom Matineekonzert am Sonntagmorgen wissen nur Insider. Auf der Aussichtsplattform selbst weist nichts auf das – ohnehin fast ausverkaufte – Konzert im schönen Hotelsaal hin. Die, die da sind, kommen gezielt. Sie wissen, dass mit Oliver Schnyder einer der besten Schweizer Pianisten auf dem Podium steht und dass hier die ersten beiden Klavierkonzerte von Beethoven in der seltenen kammermusikalischen Besetzung aufgeführt werden: Ein Streichquintett um Konzertmeisterin Lisa Schatzmann ersetzte
das Orchester.

Gleichwertige Partner

Und das tönt ausserordentlich gut: Die kleine Besetzung macht viele Strukturen und Details hörbar – besonders, weil hier die Klangbalance hervorragend austariert ist. Die Streicher trotzen der etwas trockenen Akustik mit schwungvoll pointierten Bogenstrichen und gezielt eingesetztem Vibrato, kreieren einen warmen, sehr melodiös gestalteten Streicherklang. Das Ensemble ist vor dem Flügel positioniert und so auch optisch als gleichwertiger Kammermusikpartner erkennbar. Oliver Schnyder agiert von hinten gleichwohl solistisch, als «primus inter pares». Erstaunlich, wie er die Töne gleichzeitig schlank und klar, aber stets mit Tiefe anschlägt, welche dynamische Bandbreite er dem Instrument entlockt und wie er in den raschen, historisch belegten Tempi auch den schnellsten Lauf noch fein zu gestalten weiss.

Dazwischen spricht er zum Publikum, erklärt das Werkstattkonzept, das die Vorbereitung der geplanten Gesamtaufnahme aller Beethoven-Konzerte mit dem Luzerner Sinfonieorchester darstellt. Und nicht zuletzt darin zeigt sich der Charme dieses neuen Formats: Der Raum ist so klein, dass man alles versteht – und den Musikern ganz genau auf die Finger schauen kann, wie sie diese virtuosen Stücke meistern.

Weitere Beethoven-Konzerte auf
dem Pilatus am 22./23. 10. und am 29./30.10. www.sinfonieorchester.ch

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