Geschäftiges Treiben in der Hafenkneipe in Zürich. Techniker bereiten die Bühne für ein «SRF 3 Showcase» vor. Für Bastian Baker ist es ein besonderer Ort. Hier, im November 2011, spielte der Romand sein allererstes Konzert in der Deutschschweiz. Rund sieben Jahre später kehrte er hierher zurück, um im kleinen, intimen Rahmen sein neues Album «Bastian Baker» vorzustellen und mit der «Schweiz am Wochenende» ein Interview zu führen. Sein neues, selbst betiteltes Album ist das vierte für die Schweiz, aber das erste für Amerika. Pünktlich erreicht er die Hafenkneipe, begrüsst jeden freundlich und mit Handschlag. Er weiss, was sich gehört. Schliesslich ist er immer noch ein Star zum Anfassen.

Bastian Baker, Sie waren in diesem Jahr mit dem Country-Star Shania Twain auf Welttournee. Wie war das Echo auf den «Swiss Boy»?

Bastian Baker: Das Feedback des Publikums war phänomenal. Viel grösser, als alle erwartet hatten. Mich kannte ja niemand. Das Risiko war beträchtlich, der Druck vor dem ers- ten Konzert in Tacoma, an der Nordwestküste der USA, war enorm. Ich spielte jeweils eine halbe Stunde, nur ich und meine akustische Gitarre. Doch nach drei Stücken hatte ich das Publikum gepackt, bei «Hallelujah» sangen sie mit. Ich war erlöst.

Bastian Baker mit Shania Twain auf Welttournee: Der Schweizer Sänger sang am Schluss der Konzerte jeweils ein Duett mit dem Country-Superstar. Hier bei einem Auftritt in Pittsburgh Pennsylvania. «Shania war die perfekte Türöffnerin», sagt Baker. «Dank ihr kennt man mich jetzt in der Szene.»

Bastian Baker mit Shania Twain auf Welttournee: Der Schweizer Sänger sang am Schluss der Konzerte jeweils ein Duett mit dem Country-Superstar. Hier bei einem Auftritt in Pittsburgh Pennsylvania. «Shania war die perfekte Türöffnerin», sagt Baker. «Dank ihr kennt man mich jetzt in der Szene.»

Wie ging es weiter?

Es wurde immer verrückter und verrückter. Wir spielten in riesigen Hallen mit über zehntausend Zuschauern. Am Schluss kamen jeweils bis zu 400 Leute, die CDs, T-Shirts und Poster von mir kaufen wollten. Die Leute drehten völlig durch. In Amerika kam es zu Baker-Mania.

Baker-Mania?

Ich weiss, es klingt unglaublich, aber ich kann es beweisen. Das Westschweizer Fernsehen RTS hat in Nebraska festgehalten, was abging. Wir haben an den Merchandise-Ständen viel mehr verkauft als erwartet.

Wie waren die Kritiken?

Durchweg gut bis euphorisch. Geholfen hat natürlich auch, dass ich jeweils am Schluss der Konzerte mit Shania noch ein Duett singen durfte. Das hat mir enorme Publizität verschafft. «Billboard», «Vogue», «Young Hollywood», alle waren happy mit dem Swiss Boy. Die Tour hat alle Erwartungen von mir übertroffen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis?

Es gab viele, aber das schönste war schon in Nashville, weil dahinter eine schöne Geschichte steht. Ich war einige Wochen in dieser Musikstadt und wohnte beim Schweizer Eishockeystar Roman Josi, dem Captain der Nashville Predators. Er hat mir die Stadt gezeigt, und natürlich habe ich auch Hockey-Matches mit Josi in der Bridgestone Arena besucht. Ich war beeindruckt und sagte zu ihm: «Mann, wäre das geil, wenn ich als ehemaliger Hockey-Spieler hier in dieser Hockey-Hochburg ein Konzert geben könnte». Und tatsächlich wurde dieser Traum nur wenige Monate später Wirklichkeit, als ich dort mit Shania Twain auftreten durfte. Schade war nur, dass Roman verhindert war und nicht dabei sein konnte. Dafür habe ich ein T-Shirt der Predators mit der Aufschrift «Baker» und der Nummer 66 geschenkt gekriegt und habe es beim letzten Song angezogen. Ich war ebenso begeistert wie die 17'000 Leute im Stadion. Es war krass.

Sie hatten ja einen Profi-Vertrag des HC Fribourg-Gottéron im Sack, haben sich dann aber für die unsichere Musikkarriere entschieden. Kannten Sie Roman Josi damals schon?

Wir haben noch gegeneinander gespielt. Er bei Bern, ich bei Lausanne. Ich kannte ihn schon, aber er mich wohl nicht. Vor ungefähr vier Jahren habe ich ihn bei einem Charity-Spiel in Bern kennen gelernt. Danach sind wir zusammen in den Ausgang, tranken ein paar Biere und hatten eine gute Zeit. Roman ist wirklich ein toller Typ. Wir verstanden uns prächtig, und er lud mich nach Nashville ein. Es könne ja nicht sein, meinte er, dass ein Musiker wie ich noch nie in Nashville war. Inzwischen bin ich schon mehr als ein dutzend Mal bei ihm gewesen und wir haben viel Zeit miteinander verbracht.

Wann war das?

Das war alles noch vor der Tour mit Shania. Gleichzeitig habe ich am neuen Album gearbeitet. Der Prozess dauerte fast drei Jahre. Ich habe rund 60 neue Lieder komponiert und habe sie an vier verschiedenen Orten in Kanada und den USA aufgenommen. In Nashville war ich über den Zeitraum von drei Jahren sicher am längsten, fast ein ganzes Jahr. Dort habe ich mit dem bekannten Produzenten und Grammy-Gewinner Jacquire King gearbeitet. Ein Starproduzent von «Kings of Leon», Norah Jones, Tom Waits und Shania Twain.

Und wie lief das ab?

Shania hat mich vermittelt. Im August 2017 hatten wir ein erstes Meeting mit ihm, und ich spielte einige der Lieder vor. Sie gefielen ihm sehr, worauf ich ihm meine 60 Lieder geschickt habe. Er hat drei davon ausgewählt und produziert. «Love On Fire», «Time» und «Down». Ich finde, dass sie grossartig geworden sind. «Down» ist eines meiner Lieblingslieder.

Eine neue Erfahrung?

Ja, absolut. Bisher habe ich alles selber geschrieben, aufgenommen und produziert. Jetzt habe ich gemerkt, wie inspirierend es sein kann, wenn man mit anderen Songschreibern zusammenarbeitet und sich inspirieren lässt.

Ihr Sound hat sich verändert. Er ist poppiger, moderner und weniger folkig. War das ein bewusster Entscheid oder hat sich das einfach so ergeben?

Nach der letzten Tour 2015 wollte ich etwas ändern. Erstmals seit sechs Jahren hatte ich wieder etwas Zeit und wollte sie nutzen, um einen neuen Sound zu entwickeln. Ich sammelte Kontakte zu Songschreibern und begann zu komponieren. Ich reiste viel, und in diesen anderthalb Jahren sind die 60 Songs entstanden. Darunter hat es viele, die ähnlich klingen wie früher. Ich habe aber bewusst jene ausgesucht, die eben etwas anders sind und die man nicht von mir erwartet hätte.

Seit 2012 erlebten Sie einen steilen Aufstieg. Nicht nur in der Schweiz schafften Sie den Durchbruch, mit Ihrem zweiten Album auch in Frankreich und Belgien. Ihr drittes Album war nicht mehr ganz so erfolgreich, im Ausland blieben die Charterfolge aus. War das der Auslöser für eine Richtungsänderung?

Nein. Ich spürte, dass ein Kapitel in meiner Karriere abgeschlossen war und ich ein neues beginnen muss. Ich will mich weiterentwickeln, deshalb die Zusammenarbeit mit Songschreibern, deshalb das Amerika-Abenteuer. Sie müssen sich vorstellen: Mein neues Album wird mein Debüt in den USA.

Wollen Sie sich mit Ihrem neuen Sound auch ein neues Publikum erschliessen?

Ich bin glücklich mit meinen Fans. Es sind wirklich liebe Leute und ich hatte nie Probleme. Sie sind mit mir auch erwachsener geworden und entwickeln sich auch weiter. Gleichzeitig entwickelt sich auch die Musik, und ich möchte aktuell bleiben. Ich suche also kein neues oder anderes Publikum, aber es würde mich freuen, wenn meine Fans auch meinen neuen Sound cool finden würden.

Und wie war das jetzt mit Belgien und Frankreich?

Es stimmt, dass wir in Frankreich und Belgien mit dem dritten Album weniger Erfolg hatten. Aber das hatte damit zu tun, dass ich damals in Asien und Nordafrika gespielt habe, bereits über den Grossen Teich schielte und dabei Belgien und Frankreich vernachlässigte. Rückblickend betrachtet war das ein Fehler. Aber unsere Strategie war schon immer global.

Deshalb die Tour mit Shania Twain?

Genau, Shania hat mich auf ein ganz neues Level gebracht. Aus diesem Grund bin ich vor der Veröffentlichung des Albums so gespannt und nervös wie schon lange nicht mehr. Ich weiss ja wirklich nicht, wie es aufgenommen wird. Shania war die perfekte Türöffnerin. Dank ihr kennt man mich jetzt in der Szene und ich kenne Produzenten, Agenten. Aber die Tür ist erst offen. Ich muss selber hindurchgehen und mich beweisen.

Das heisst, der Fokus liegt jetzt auf Amerika. Sie wollen Amerika erobern. Wie gehen Sie vor?

Am 5. November gehe ich zurück in die Staaten und besuche den Country Music Award in Nashville, wo ich singe und eine Reportage mit einem PopMagazin mache. Wir haben ein Treffen mit einer grossen Konzertagentur und versuchen im nächsten Jahr eine eigene Tour in den USA und Kanada auf die Beine zu stellen. Ziel ist es, grössere Produzenten und grössere Labels zu finden.

Wieso gibt es kein Duett mit Shania Twain auf dem Album?

Unter meinen Songs hatte es kein Duett und wir kamen einfach nicht dazu, eines zu komponieren. Es muss schliesslich passen. Aber ich hoffe schon, dass es noch dazukommt.

Müssten Sie nicht in den USA leben, um dort wirklich den Durchbruch zu schaffen?

Nein, das glaube ich nicht. Man muss einfach bereit sein, weiter zu reisen. Ich bin gern in den Staaten, aber ich liebe die Schweiz und möchte eigentlich hierbleiben.

Bei unserem ersten Interview vor sechs Jahren wohnten Sie noch in einer WG. Wo wohnen Sie jetzt?

Bei Freunden, meiner Grossmutter oder meinen Eltern in Lausanne. Ich habe keinen festen Wohnsitz, bin immer unterwegs. Ich bin ein Gipsy und liebe es.

Haben Sie nicht Angst, dass Sie neben Amerika den Rest vernachlässigen?

Nein. (Bastian Baker macht eine Pause, Anm. der Red.) Klar, Amerika ist jetzt eine besondere Herausforderung. Aber wir wollen flexibel sein und alle Karten ausspielen. Jetzt gehts zuerst noch mit Shania nach Australien und Neuseeland. Im Januar sind Skandinavien und Deutschland dran. Im Februar gehts dann wieder in die Staaten. Dann kommt Frankreich, wo wir ein neues Label haben und wieder Gas geben wollen. Die ersten Reaktionen sind vielversprechend. In Belgien ist «Stay» bereits ein Hit. Und dann folgen im März die ersten Konzerte in der Schweiz. Eine grössere Tour folgt im Herbst 2019.

Ein Monster-Programm. Die Schweiz ist das Stichwort. Shania Twain hat jetzt auf der ganzen Welt rund 80 Konzerte gegeben. Aber in der Schweiz, wo sie seit Jahren lebt, kein einziges. Kommt das noch?

Ich hoffe es.

Ich hätte da eine Idee. Claude Nobs, der verstorbene Gründer des Montreux Festivals, hat Sie entdeckt und gefördert. Er brachte Sie mit Shania Twain zusammen. Da wäre es doch nur schön, wenn Sie in Montreux ein Doppelkonzert geben würden. Zu Ehren von Claude Nobs.

Oh ja, das wäre tatsächlich ein Traum. Ich würde das gern machen.

Oder ist es schon abgemacht und Sie dürfen es mir nicht bestätigen?

Könnte sein.

Jetzt kommen wir noch zu den wirklich brisanten Themen. Ich habe ja gehört, dass Sie Aargauer Frauen besonders mögen. Was haben Aargauerinnen, was andere nicht haben?

(schmunzelt) Ich weiss nicht, was Sie meinen. Meine Songs handeln nicht von Aargauer Frauen und über Privates gebe ich keine Auskunft.

Manuela Frey, das Model und die Moderatorin der neuen Castingshow «Switzerland’s Next Topmodel» aus Brugg, hat es ja eigentlich zugegeben, dass Sie ein Paar sind.

Sorry, ich bin Musiker und gebe gern darüber Auskunft. Ich liebe Interviews, aber es ist mein Recht, mein Privatleben zu schützen. Haben Sie noch eine andere Frage?