Konzert
Barocke Klänge: La Cetra eröffnet die Saison fulminant

Das Basler Barockorchester La Cetra startete mit der Sopranistin Roberta Invernizzi in die neue Saison.

Reinmar Wagner
Merken
Drucken
Teilen
Der Serenata «Parnasso in festa» – ist auch die jüngste CD des Basler Barockorchesters gewidmet.

Der Serenata «Parnasso in festa» – ist auch die jüngste CD des Basler Barockorchesters gewidmet.

Marco Borggreve

«Disprezzata Regina»! Hin- und hergerissen ist sie, die von Nero verlassene römische Kaiserin Octavia, zwischen Rache und Verzweiflung, zwischen aufwallendem Zorn und schicksalsergebener Resignation. Monteverdi, der erste Grossmeister der Oper, zieht in «L’Incoronazione di Poppea» alle Register, um die emotionale Achterbahnfahrt dieser verschmähten Königin so suggestiv wie möglich klingen zu lassen.

Und die italienische Sopranistin Roberta Invernizzi verschenkt nichts davon, lässt die ganze Palette ihrer stimmlichen Möglichkeiten aufblühen, intoniert die Affekte Octavias mal sanft und weich, dann wieder spitz und schrill, mit vor Wut loderndem Vibrato oder fahlen Klangfarben und immer mit sprachmächtiger Ausdruckskraft.

Der ganze Emotionenkatalog

«Malinconia veneziana» heisst das Programm, das Invernizzi zusammen gestellt hat. Wobei Melancholie eher die Ausnahme ist in diesem barocken Emotionenkatalog. Vergleichsweise harmlos zur epischen Klage der Kaiserin wirken die Liebesverwirrungen, die Monteverdi in seinen «Scherzi» in Musik setzte. Aber auch hier finden sich kompositorische Finessen auf Schritt und Tritt. Nicht weniger als bei Barbara Strozzi, einer der wenigen Komponistinnen der Musikgeschichte, die als gefeierte Sängerin in Venedig auch Kompositionen für die virtuose Singstimme schrieb.

Die neun La Cetra Musiker unter der Leitung der Geigerin Eva Saladin spielten zwischen der affektgeladenen Vokalartistik mit viel Sinn für die Verzierungskunst jener Epoche Sonaten aus Monteverdis Umkreis. Musik, die nie verharrt, die mit ständigen Dur-Moll-Wechseln, Metrum-Varianten und der rhythmischen Kraft eine energiegeladene Lebendigkeit erzeugt, die stets aufs Neue das Ohr gefangen nimmt.

Händel-Bach-Caldara

Weiter geht es im Saison-Programm von La Cetra mit dem Oratorium «Der Tag des Gerichts» von Telemann und in der Adventszeit mit Händels «Messias», bei dem auch Amateure zum Mitsingen eingeladen sind. Ein weiteres Gipfelwerk des Repertoires steht mit Bachs «H-Moll-Messe» im März auf dem Programm, bevor La Cetra ihre auf CD eingespielte Oper «La concordia de’ pianeti» von Antonio Caldara im Konzert präsentieren.

Eine Messe von Tomas Luis de Victoria führt La Cetra am 20. Mai im Dom von Arlesheim auf und am 14. Juni begleiten sie Patricia Petibon in einem Programm um Mozart und Gluck. Am Basler Theater steht Händels «Alcina» auf dem Spielplan, Händel – der Serenata «Parnasso in festa» – ist auch die jüngste CD des Basler Barockorchesters gewidmet.