Messe

Bachs Engelstrompeten verzaubern in der Martinskirche

(Symbolbild)

Der Bach-Chor und das Capriccio brachten am Wochenende die h-Moll-Messe zum Glänzen: Besonders die Trompeter vermochten zu überzeugen.

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Der Basler Bach-Chor und das Capriccio Barockorchester unter der Leitung von Joachim Krause brillierten am Wochenende in der Martinskirche mit Johann Sebastian Bach.

In seiner h-Moll-Messe von 1748 vereinte Johann Sebastian Bach Kompositionen aus über zwanzig Schaffensjahren. Dies merkt man seiner Messe für Chor, Orchester und Solostimmen aber nicht an. Der durchdachte Aufbau, die symmetrische Gliederung und das ausbalancierte Zusammenspiel der verschiedenen Klangsprachen bilden ein in sich stimmiges Ganzes – die oft gerühmte Einheit in der Vielfalt.

Man kann durchaus sagen: Bachs h-Moll-Messe stellt einen Höhepunkt seines Schaffens dar. Den damals schon veralteten «stile antico», geschult an der komplizierten Mehrstimmigkeit der Renaissance, kombinierte er meisterhaft mit dem effektvollem modernen Stil. Allein das eröffnende «Kyrie» verbindet die akkordische Satzweise des «stile moderno» mit dem alten Kontrapunkt: Mächtige Chorakkorde eröffnen die Messe, nach einem längeren Instrumentalzwischenspiel folgt eine komplexe Chorfuge. Bach vereinte in seiner h-Moll-Messe nicht nur das Beste seiner Zeit, sondern erwies sich auch als zukunftsweisend. Das Orchester spielt hier nicht mehr nur die stützende Begleitung, sondern nimmt eine eigenständige Rolle in der Klangrede ein. Wunderbar, wie mitten im abschliessenden «Dona nobis pacem» die drei Trompeten aus der vierstimmigen Chorfuge ein siebenstimmiges Schlussfeuerwerk zünden. Die Bitte um Frieden wird noch ein letztes Mal mit Engelstrompeten in den Himmel geschmettert.

Die ideale Begleitung in Basel

Am Freitag- und Samstagabend war diese Messe nun in der Martinskirche zu hören. Der Basler Bach-Chor hat sich mit dem Capriccio Barockorchester die ideale Begleitung ausgesucht.

Sowohl Orchester als auch Chor kennen sich bestens mit Bachs Repertoire aus. Die Aufführung unter Joachim Krause rief stilbildende Interpretationen der h-Moll-Messe in Erinnerung, wie zum Beispiel jene des kürzlich verstorbenen Dirigenten Nikolaus Harnoncourt. Die Tempi wurden relativ flott genommen. Sowohl Chor als auch Orchester akzentuierten präzise, wodurch der Klang auch im hallenden Schiff der Martinskirche transparent blieb. Das Capriccio musizierte sensibel ausbalanciert, dynamisch und federleicht, die Begleitakkorde schwebten wie hingetupft durch das Kirchenschiff, die Soloinstrumente legten sich hell leuchtend über den Gesamtklang. Oder schmiegten sich an die Solostimmen, wie zum Beispiel die exquisiten Traversflöten im «Domine Deus». Besonders die Trompeter vermochten aber zu überzeugen; der Bach-Chor und das Capriccio brachten die h-Moll-Messe wahrlich zum Glänzen.

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