Song Contest 2016

Aus aktuellem Anlass: die 12 besten Eurovision-Songs (aus besseren Zeiten)

Bucks Fizz, Lordi, Dschingis Khan oder Katrina & The Waves – Teilnehmer aus Zeiten, in denen noch nicht alles so Eurovision-einheitlich war am Contest.

Bucks Fizz, Lordi, Dschingis Khan oder Katrina & The Waves – Teilnehmer aus Zeiten, in denen noch nicht alles so Eurovision-einheitlich war am Contest.

Diese Woche flimmern die Halbfinals des «Eurovision Song Contest 2016» in Europas gute Stuben. Zeit für einen Rückblick auf Zeiten, in denen die Songs noch nicht so formelhaft und berechnend waren wie heute.

Denn leider zeigen sich die Beiträge von Jahr zu Jahr in einem immer einheitlicheren ESC-Kleid, wirken zunehmend formelhaft und berechnend.

Das ferne Australien etwa, das aufgrund der Scharen von ESC-Fans Down Under auch mitmischen darf, liefert heuer den eurovisionigsten Track:

Australien: Dami Im mit «Sound Of Silence»

Australien: Dami Im mit «Sound Of Silence»

So typisch ist «Sound of Silence» von Dami Im (melancholisches, dunkles Intro, gefolgt vom bombastischen Mitsing-Refrain), dass er dank seiner Windschlüpfrigkeit unbemerkt in die Vergessenheit durchsegeln könnte. 

Unvergessen aber bleiben die folgenden Knaller. Deshalb: Welcome, bienvenue, willkommen, benvenuti, bienvenido, xoş gəlmisiniz und hoş geldiniz und dergleichen – hier kommt «The Best of Eurovision»:

1. Bucks Fizz – «Making Your Mind Up»

Platz 1 für das Vereinigte Königreich, 1981.

Platz 1 für das Vereinigte Königreich, 1981.

Mit was soll man hier bloss anfangen? Bei den Frisuren der Jungs? Bei den peinlichen Füdliwackel-Dancemoves? Nein, am besten beim wichtigsten Moment der gesamten Eurovisions-Geschichte:

Eigentlich der ultimativste Eurovisions-Song aller Zeiten: Der Auftritt ist peinlich ... aber professionell. Die Outfits sind grässlich ... aber zeitgemäss. Und der Track ist oberflächlichster Mitsing-Kaugummi-Pop ... aber letztlich ein gut geschriebener Song.

2. Katrina & The Waves – «Love Shine A Light»

Platz 1 für das Vereinigte Königreich, 1997. (ab Minute 1:13)

Platz 1 für das Vereinigte Königreich, 1997. (ab Minute 1:13)

Es gibt Momente, wo man neidlos zugestehen muss: Da hat jemand alles richtig gemacht. Eurovision 1997 war so ein Moment, als das Publikum Europas nicht drumherum kam, festzustellen, dass «Love Shine a Light» ein verdammt guter Song ist. Ohne Tanz-Firlefanz und ohne blöde Kostüme, aber mit der selbstsicheren Stimme von Katrina Leskanich. Spätestens beim ersten Refrain wussten alle: Dieser Song wird gewinnen.

3. Gigliola Cinquetti – «Non ho l'età»

Platz 1 für Italien, 1964.

Platz 1 für Italien, 1964.

Zurück in eine Zeit, in der man sich der Wirkung einer gelungenen Fernseh-Inszenierung offenbar nicht so bewusst war. Klein-Gigliola, die zum Zeitpunkt 13 oder 15 oder sowas war, steht in einem schlichten Kleid auf der grossen TV-Bühne und singt ganz alleine ihren Song. Aber was für einer!

4. France Gall – «Poupée de cire, poupée de son»

Platz 1 für Luxemburg, 1965.

Platz 1 für Luxemburg, 1965.

Nicht gerade die grossartigste stimmliche Leistung aller Zeiten (und das ist gelinde ausgedrückt), aber ist dieser Serge-Gainsbourg-Track nicht einfach wunderbar? 

Aber von der grauen Vorzeit wieder zurück in die jüngere Vergangenheit:

5. Conchita Wurst – «Rise Like a Phoenix»

Platz 1 für Österreich, 2014.

Platz 1 für Österreich, 2014.

Ach, was wurde da ein Bohei um Conchitas Bart gemacht! Dabei gewann sie/er/egal nicht wegen oder trotz ihres Looks, sondern aufgrund der Tatsache, dass dies ein supercooler Bond-Song ist mit einer grandiosen Vocal-Performance obendrauf.

2014 war ohnehin ein unvergleichliches Eurovision-Jahr. Da gab es beleidigt-empörte Russen, die mit der bärtigen Conchita überfordert waren, währenddessen der Krim-Konflikt auf der ESC-Bühne seine Fortsetzung fand mit einem ukrainischen Janet-Jackson-Verschnitt, der die russischen Olsen-Zwillinge so ziemlich niedermähte.

Aber da waren auch gute Songs darunter. Der hier zum Beispiel:

6. Emma Marrone – «La mia città»

Platz 21 für Italien, 2014.

Platz 21 für Italien, 2014.

Wie alle der «Big 5» (Grossbritannien, Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien) hatte Emma 2014 ebenfalls keine europäischen Verbündeten, welche ihr Stimmen zuschanzen mochten. Was schade ist, denn der Song ist perfekter Italo-Rotzgören-Rock mit viel passione und der leisen Vermutung, dass Frau Marrone eine ist, mit der man keine Lämpen will.

And now to something completely different – und jetzt zu etwas ganz anderem:

7. Dschingis Khan – «Dschingis Khan»

Platz 4 für Deutschland, 1979. (Ab Minute 1:20)

Platz 4 für Deutschland, 1979. (Ab Minute 1:20)

Jawohl! Wir sind in der Abteilung «Was haben die sich dabei nur gedacht?» angekommen! Obwohl im Falle dieser Karneval-Tanztruppe die Antwort auf die Frage ganz klar feststeht: «Wir schreiben einen Song und kreieren gleich die passende Band dazu – und so gewinnen wir garantiert!» Das war die klare Ansage der Songwriter Ralph Siegel und Bernd Meinunger. Geklappt hats nicht, dafür aber für grossartige unfreiwillige Komik gesorgt.

8. Verka Serduchka – «Dancing Lasha Tumbai»

Platz 2 für die Ukraine, 2007.

Platz 2 für die Ukraine, 2007.

Dschingis Khan und seine Komparsen meinten es noch ernst mit ihrem Vorhaben. Nicht so Drag Queen Verka Serduchka. Was. Zum Teufel. Geht hier ab??? Keine Ahnung, aber wenn das keine Stinkefinger gegen die Eurovisions-Tradition ist, dann fress ich ein Paar silberfarbene Bermuda-Shorts.

Ach und apropos Stinkefinger:

9. Kosa Mostra feat. Agathonas Iakovidis – «Alcohol Is Free»

Platz 6 für Griechenland, 2013.

Platz 6 für Griechenland, 2013.

Da reklamierte ganz Europa über die faulen Griechen und ihre Schuldenkrise ... und die schickten eine Ska-Punk-Band in Schottenröcken zusammen mit einem Vertreter der alten Rembetiko-Banditenmusik ins Rennen, die ein Sauflied zum Besten gaben. Nimm das, Europa! Genial.

10. Lordi – «Hard Rock Hallelujah»

Platz 1 für Finnland, 2006.

Platz 1 für Finnland, 2006.

Man muss eine Band, die derart kompromisslos kostümiert in den Kampf zieht, schlicht und einfach respektieren. Ein Leadsänger mit Drachenflügel? Alle anderen haben verloren. Ende der Diskussion.

11. Il Volo – «Grande Amore»

Platz 3 für Italien 2015 (und Platz 1 im Televoting).

Platz 3 für Italien 2015 (und Platz 1 im Televoting).

Finnland hat Monster. Italien? Nun, irgendwer in der Eurovisions-Findungskommission Italiens sagte wohl: «Ich sag euch, was wir machen: Wir nehmen drei knackige italienische Jungs, mit italienischen Opern-Stimmen, stecken sie in gut sitzende italienische Anzüge und lassen sie einen richtig schönen Kracher singen, der das Wort ‹amore› beinhaltet. So machen wirs!» Korrekte Entscheidung. 

So. Und das darf halt nicht fehlen:

12. ABBA – «Waterloo»

Platz 1 für Schweden, 1974. (ab Minute 0:41)

Platz 1 für Schweden, 1974. (ab Minute 0:41)

Keine Frage, das hier ist ein Kabinettstück von ESC-Grossartigkeit: gutes Songwriting kombiniert mit den schlimmsten Modesünden der Weltgeschichte. Und, boah, Björn (oder ist es Benny?) – wie geil ist denn deine Stern-Gitarre? Nein, im Ernst: Das ist Pop-Songwriting erster Güte. Dieses Niveau wurde im Song Contest seither nie mehr erreicht.

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