«A Public Disservice Announcement», heisst das Album, das die demokratische Welt der Myspace-Musikkonsumenten mit den hierarchischen Strukturen der Plattenlabels vereinen soll. Kopf dahinter ist Tommy Lee, weltbekannt durch seine Glam-Band Mötley Crüe und seine auf Video festgehaltenen horizontalen Aktivitäten mit Pamela Anderson. Am 5. Oktober 2009 hat der Schlagzeuger die Rohversionen von 12 neuen Songs auf seiner Homepage zum Downloaden aufgeschaltet, die er auf dem zweiten Album seiner Nebenband Methods of Mayhem haben wollte. Während vier Monaten hatten Tommy-Lee-Fans dann die Möglichkeit, Melodien, Gesangparts oder neue Instrumentalspuren dazu aufzunehmen und an den Rocker zurückzuschicken. «Das Feedback war unglaublich», sagt Tommy Lee. «Ich bekam beinahe eine Million Soundfiles zugeschickt. Pro Tag hörte ich mir rund 200 Ideen zu meinen Songs aus der ganzen Welt an.» Die meisten Ideenlieferer waren aus Amerika und Kanada. «Es kamen aber auch viele Zusendungen aus Europa und sogar aus dem Iran und Pakistan.»

Schliesslich haben Tommy Lee 47 der eingesandten Soundfiles so überzeugt, dass er die Ideen übernahm und in seine Songs einbaute. Ein Vorschlag aus Frankreich zum Song «Back To Before» war sogar so überzeugend, dass der Song im Vergleich zu vorher nicht wiederzuerkennen ist. «Eigentlich habe ich den Song als Rocknummer geplant. Und dann schickt mir so ein verrückter Franzose eine geniale Dance-Version davon, in die ich mich sofort verliebte», sagt Lee. Bis jetzt wissen die glücklichen Soundtüftler, die es auf die CD geschafft haben, aber noch nichts von ihrer Ehre. Tommy Lee: «In den kommenden Wochen werde ich mit den Gewinnern in Kontakt treten. Ziel wäre es, dass sie auf meiner kommenden Welttournee mit dem Projekt, wenn wir in ihren jeweiligen Ländern spielen, ihre Parts live mit uns auf der Bühne performen.»

Und wie klingt das Album nun, an dem «die ganze Welt» mitgearbeitet hat? Es ist alles andere als stromlinienförmig. Die erste Single «Time Bomb» ist ein Rockkracher, wie wir es von Tommy Lee gewohnt sind. Andere wie «All I Wanna Do» leben von funkigen Soundscapes. «Party Instructions» wiederum klingt wie ein Techno-Track. «So ist das halt, wenn so viele Menschen an einem Album arbeiten», meint Lee dazu. «Jeder hat eine andere Vorstellung von einem Song.»

Was rein musikalisch gesehen also ein spannendes Musikprojekt ist, funktioniert für den blossen Zuhörer nur mässig. Zu unterschiedlich sind die Stile und auch die Qualitäten der Songs. Dadurch verliert das Album den inneren Zusammenhalt und macht die einzelnen Songs zu losen Schnipseln. Wer das Album von A bis Z durchhören will, verliert den Faden. «A Public Disservice Announcement» ist wohl eher etwas für die Wissenschaft, denn für die Hitparaden. Übrigens: Aus der Schweiz hat es keine Idee auf das Album geschafft, obwohl auch Soundfiles von hierzulande bei Tommy Lee in der Mailbox gelandet sind.

Methods of Mayhem «A Public Disservice Announcement». Musikvertrieb. HHIII