Klassik

Am Rhein wird in die Sommerpause hineingespielt

Am Freitagabend wurden in verschiedenen historischen Räumen rund um den Rhein schöne Atmosphären erzeugt. (Archiv)

Am Freitagabend wurden in verschiedenen historischen Räumen rund um den Rhein schöne Atmosphären erzeugt. (Archiv)

Die Pianistin Anastasia Voltchok betreibt mit ihrem neuen Klassik-Festival «Stars at the Rhine» auch Nachwuchsförderung.

Es ist heiss an diesem Freitagabend. Mit Grund schliessen am Bündelitag das Theater, die Oper, die Konzertsäle — denn in den Räumen steht die Luft, die edle Konzertgarderobe ist für Publikum wie Musiker nicht immer hitzetauglich, und für Open-Air-Konzerte mit klassischer Musik sind in der Stadt die Umgebungsgeräusche oft zu laut.

Doch Sommerpause hin oder her: Es gibt genügend Klassik-Fans in Basel, findet Anastasia Voltchok. Schon lange schwebte der russischen Wahlbaslerin ein Klassik-Festival vor. Nun hat es endlich geklappt, und zum ersten Mal gab es «Stars at the Rhine» zu bestaunen.

Stars hat die Pianistin tatsächlich ans Rheinknie holen können: den britischen Geiger Charlie Siem etwa, der auch als Model arbeitet, und der an diesem heissen Freitagabend mit seinem süffig-süssen Geigenton Edvard Griegs dritte Violinsonate sehr intensiv interpretierte; gemeinsam mit der Intendantin am Klavier. Schon am Mittag waren die beiden im Einsatz, an einem Konzert mit Drei-Gänge-Menü im Hotel Krafft — auch die Kombination von Klassik und Kulinarik ist festivaltypisch.

Doch auch regionale Kräfte kamen zum Einsatz: die seit langem in Basel lebende Pianistin Stefka Perifanova etwa, oder Lisa Schatzman, Konzertmeisterin des Luzerner Sinfonieorchesters.

Dieser bunte Mix an unterschiedlichen Musikerinnen und Musikern offenbarte ganz verschiedene Spieltraditionen, und auch das Programm enthielt gänzlich Neues: So kam es in Basel zur Uraufführung der «Drei Lieder auf Gedichte von Anna Achmatowa» des russischen Komponisten Mikhail Volchok; drei dichte, bei aller Atonalität doch melodiöse Lieder, deren so fremd klingende Texte dank Übersetzungszettel dem Publikum auch die Dichterin Anna Achmatowa näher brachten.

Musik in alten Räumen

Fast ausverkauft war an diesem Freitagabend der Zunftsaal im Schmiedenhof, und auch die anderen Konzerte seien gut besucht gewesen, sagt die Intendantin nach Abschluss des viertägigen Festivals. Terminlich habe sich die Lücke zwischen Saisonende und Ferienzeit bewährt, sagt die Intendantin, und die verschiedenen historischen Räume rund um den Rhein schöne Atmosphären erzeugt.

Doch Voltchok will noch mehr: den Nachwuchs fördern. Ein kleiner Klavierwettbewerb krönte das Festivalfinale am Sonntag. Voltchok hatte junge Pianistinnen und Pianisten eingeladen, in einem Wettbewerb um Preisgeld und ein Engagement bei der Basler AMG-Reihe «Rising Stars» zu spielen. Denn gerade die Auftrittserfahrungen sind für die jungen Musiker essenziell, sagt Thomas Jung von der AMG, der den Preis stiftete.

Der 20-jährige Usbeke Nuron Mukumi, der 16-jährige Gymnasiast des Basler Leonhard-Schulhauses Nicolò Muzii und die 18-jährige Russin Anastasia Maksiuta nahmen Voltchoks Einladung an, spielten in der Martinskirche je ein Mozart-Klavierkonzert, begleitet von der Camerata Schweiz unter Howard Griffiths, der auch der Jury angehörte. Es gewann Maksiuta, die Pianistin mit der grössten Reife, der technisch besten Darbietung, aber auch mit jenem russischen, etwas schweren Klang, der sich wie ein roter Faden durch das Festival zog: ferne Spieltraditionen, die für erfrischende Hörerlebnisse sorgten.

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