Es ist nass und es ist kalt. Das sind keine guten Bedingungen für ein Open-Air-Konzert. Aber bereits mit den ersten Takten fegen die Foo Fighters jegliche Bedenken weg. Dave Grohl und seine Mannen drücken das schlechte Wetter aus dem Wankdorf. Die Gitarre powert, das Schlagzeug hämmert und der Bass findet seinen Weg.

«Run», 2017 bei den Grammys zum besten Rocksong gewählt, ebnet den Weg für einen hochgetakteten Konzertabend. Die Amerikaner behalten in den über zweieinhalb Stunden den Fuss immer auf dem Gaspedal. Nicht immer voll durchgedrückt, aber stets so, dass die Maschine keine Geschwindigkeit verliert. Besonders Taylor Hawkins am Schlagzeug haut jede Note so kräftig in seine Felle, als gäbe es kein Morgen. So entfesseln die Foo Fighters eine Wucht, der man sich kaum entziehen kann.

Eine Wucht, die sich auch dank guter Abmischung nicht im weiten Wankorf-Rund verliert. Grohl kratzt jedes noch so dreckige Riff aus seiner Gitarre und Hawkins treibt die Band unerbittlich an. Das ist laut, das ist kräftig, das ist satt. Und das ist erfreulich auf die Essenz eingedampft. Selbst die Lichtshow: Die Foo Fighters sind eine Rockband. Den Schnickschnack sollen die anderen haben.

Es muss knallen

Natürlich: Das ist alles ziemlich eindimensional. Der Rock der Foo Fighters ist gerade, direkt und auch auf maximale Energie ausgelegt. Das ist die musikalische Autobahn: Schnell, breit und entschlossen. Zwischentöne werden da entschieden weggerockt.

Dieses Prinzip verfolgen andere Bands auch, aber hier wirkt es nicht platt. Wenn Grohl in den Abend schreit, dann wirkt das echt. Und selbst wenn er zum x-ten Mal fragt, ob man «ready for rock ’n’ roll» sei, dann johlt das Publikum noch immer überzeugt und freudig.

Und so ackern sich die Amerikaner durch ihr Repertoire. Sie starten mit den Hits wie «All My Life» und «Learn To Fly», halten kurz inne mit «Wheels» und einer Cover-Version von «Under Pressure» mit Taylor Hawkins am Leadgesang, um dann mit «Best of You» und als letztem Song «Everlong» noch einmal voll durchzufedern.

Es ist eine äusserst ehrliche Musik, die die Foo Fighters machen. Es ist gerader, direkter, energiegeladener Rock. Das mag für einige schrecklich unmodern sein, aber es ist Musik, die auf Wirkung setzt und die Wirkung nicht verfehlt. Es muss knallen. Es muss fetzen. Es muss rocken. Es ist Testosteron-getränkter Rock. Brachial wird einfach alles überfahren, was sich ihm in den Weg stellt.

Das ist vielleicht auch das Einzige, das man dem Wankdorf-Konzert vorwerfen kann: Es hat kaum ruhige Momente. Unter 120 Stundenkilometern macht es die Band nicht. Sie dreht im roten Bereich und kennt keine Geschwindigkeitsbegrenzungen. Auch bei ruhigen Nummern braust die Musik rasch wieder im sechsten Gang weiter. Der Druck der Musik lebt von diesem hochgetakteten Motor, der ganz sicher kein umweltschonendes, sauberes Elektromobil, sondern eher ein verschwenderischer, dreckiger Diesel ist.

Rock röchelt, ist aber nicht tot

«Ihr habt viel zu lange warten müssen», sagt Grohl über den letzten Konzertausfall in St. Gallen (er brach sich kurz vorher das Bein). Und der Sound treibt weiter. Grohl schüttelt seine imposant langen Haare, fletscht die Zähne und grinst in den Nachthimmel. Soeben hat er in Hamburg seine Fans noch für den nächsten Tag in eine Weinhandlung um die Ecke eingeladen. Das macht er in Bern nicht. Muss er aber auch nicht. Den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt er mit Musik – das können nicht viele andere Musiker dieser Tage von sich behaupten.

Die Foo Fighters vom Mittwochabend im Wankdorf, das mit 35 000 Besuchern ansprechend gefüllt war, würde man jedenfalls sehr gerne wiedersehen. Sie sind auch der Beweis dafür, dass der Rock zwar langsam am Röcheln, aber deswegen noch lange nicht tot ist.