Am letzten Samstag sind Sie in Sempach zu Ihrer Advents-Tournee gestartet. Wie wars?

Adrian Stern: Es war in einem kleinen, stimmungsvollen Gewölbekeller mit sehr aufmerksamen Leuten. Ich war sehr nervös, vielleicht auch, weil ich fünf neue Songs vorgestellt habe.

Und wie kamen sie an?

Sehr gut. Es war auch aufschlussreich: Beim einen oder anderen Song werde ich aufgrund der Erfahrung den Ablauf ändern oder den Text verändern. Das war auch die Absicht. Ich kann die Songs testen und die richtigen Schlüsse ziehen, bevor ich sie aufnehme und damit in Stein meissle.

Vor drei Jahren haben Sie schon einmal eine Solo-Tour gemacht?

Ja, die Solo-Konzerte sind für mich sehr faszinierend, weil ich auf ganz andere Idee komme. Manchmal spiele ich die alten Lieder in ganz neuen Versionen, manchmal sogar ganz spontan. Das ist der Reiz der Solo-Konzerte. Ich kann einfach ein Solo einbauen, kann unterbrechen oder sogar abbrechen, um etwas zu erzählen. Mit einer Band geht das nicht.

Gibt es die Jukebox wieder?

Ja, die gehört dazu. Das heisst: Die Zuschauer können irgendwelche Songs auf Zettel schreiben, und ich suche in der Pause einen Song aus, den ich dann interpretierte.

Welchen Song haben Sie in Sempach gesungen?

Eine Zuschauerin meinte, wenn sie den Robbie Williams bei «Benissimo» schon nicht schauen könne, dann soll ich doch wenigsten einen Song von ihm spielen. Ich wählte «Angels».

Wann erscheint Ihr neues Album?

Nach den Sommerferien. Es ist noch nichts aufgenommen. Ich bin immer noch im Suchmodus und feile an Texten und Akkorden. Erst wenn der Song steht, will ich mich ums Arrangement kümmern. Es ist noch vieles offen und möglich.

Haben Sie noch keine konkrete Soundvorstellung?

Doch. Der akustische Sound des Liedermachers soll weiter im Mittelpunkt stehen. Aber mit einer flexibleren Band. Es muss nicht immer die traditionelle Band mit Schlagzeug, Keyboard und Bass sein. Ein Rhythmus kann auch mal aus einer Kesselpauke und Shaker bestehen. Es kann aber auch elektronische Loops und Sounds haben. Eine Mix aus Handgemachtem und Elektronischem. Ich versuche, einen organischen Sound für das Jahr 2013 zu kreieren.

Sie müssen Ihr Erfolgsalbum «Herz» bestätigen. Fühlen Sie sich stärker unter Druck als sonst?

Zuerst hat mich das schon etwas blockiert. Dazu war ich noch allein in Nashville und habe bei all den grossartigen Singersongwritern Inspiration gesucht. Aber erst als ich mich wieder auf meine eigenen Stärken besonnen habe, ging es vorwärts.

Auf «Herz» standen Liebesbeziehungen im Mittelpunkt. Im Sommer sind Sie Vater geworden. Hat das Ihre Inhalte verändert?

Seit ich Vater bin, beschäftige ich mich mehr mit meiner Herkunft. Meine Lebensstationen könnten den Rahmen für das neue Album bilden.

Wie hat sich Ihr Musiker-Leben verändert, seit Sie Vater sind?

Ich bin mehr zu Hause und arbeite dort. Deshalb will ich mich auch nicht monatelang in einem grossen Studio aufhalten. Ich suche die schnelle, flexible Lösung. Das ist ohnehin die Tendenz, die Technologie hat das ermöglicht. Diese Entwicklung ist wunderbar mit meiner privaten Situation vereinbar.

In der Stanzerei Baden haben Sie zusammen mit Hendrix Ackle den «Song Circle» ins Leben gerufen? Wie waren die Reaktionen?

Überwältigend. Wir scheinen da wirklich ein Bedürfnis geweckt zu haben. Die Leute mögen diese intime Situation, diese lockere Form des Musizierens und die spontane Plauderei von Musikern. Es hiess zum Beispiel: «Song Circle macht süchtig» oder «grossartig, dass es so etwas in Baden gibt». Die Leute haben uns ermuntert, den Song Circle unbedingt weiterzuführen. Jetzt gibt es den «Song Circle» 2013 mindestens noch dreimal. Dann schauen wir weiter.

Quelle: youtube/Clive Hupf

Songcircle Adrian Stern - Hendrix Ackle

Im Mai sind Sie auf der Rock & Blues Cruise.

Ja, ich freue mich riesig auf die Begegnungen mit anderen Musikern und hoffe, dass ich viel zum Jammen komme und meine Blues- und Jazzorientierung ausleben kann. Es sind ja auch einige jamfreudige Aargauer wie Hendrix Ackle, Sandra Rippstein und Levi Bo an Bord. Da wird sich sicher das eine oder andere spontane «Ding» ergeben.