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25 Jahre Lovebugs: Das sind die kuriosen Anfänge der Basler Band

Eine Kopfgeburt, ein Autounfall und ein Sprungbrett: Am Wochenende feiert die Basler Band grosses Jubiläum, mit zwei Konzerten im Sommercasino. Wir erinnern an die kuriosen Umstände, die ihre Gründung begleiteten.

Marc Krebs
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Die Band gab zwei ausverkaufte Konzerte im Sommercasino...
20 Bilder
... dort, wo Adrian Sieber 1993 den ersten Auftritt gab.
Fast seit Anfang an dabei: Schlagzeuger Simon Ramseier.
25 Jahre Lovebugs
Gitarrist Thomas Rechberger ist seit 20 Jahren festes Bandmitglied.
Stiess als letzter zum Quintett: Bassist Florian Senn, seit 2001 in der Band.
Rock'n'Roll-Verneigung vor den treuen Fans. Alexander Preobrajenski
Luftfeuchtigkeit: 70 Prozent.
Auf Anhieb aufgefallen: die Lovebugs mit Adrian Sieber (links), Simon Ramseier (vorne) und Sebastian Hausmann (rechts).
Vor 25 Jahren rief Adrian Sieber die Lovebugs ins Leben (hier im Bild mit Schlagzeugerin Julie Lagger).
Eines der ersten Konzerte mit Drummer Simon Ramseier.
Die Lovebugs Live...
...
Cool geblieben: Die Lovebugs vor dem «Viper Room» 2009.
Lovebugs 2010
Die Band 2012
Die Lovebugs auf grosser Fahrt durch den Festivalsommer.
Lovebugs im Kofmehl im Jahr 2016.
Openair Etziken 2016
Am Summerstage im Juli 2017 erhalten die Lovebugs den L'Unique Preis, Lifetime Achievement Award.

Die Band gab zwei ausverkaufte Konzerte im Sommercasino...

Alexander Preobrajenski

Am Anfang war ein Inserat: «Schlagzeuger gesucht!» stand auf einem Zettel, der im Basler Musikgeschäft «Major 7» aushing. Adrian Siebers Interesse war geweckt. Der 21-Jährige blickte auf Erfahrungen in Schülerbands zurück und suchte gleichgesinnte Leute mit Ambitionen. Noch am selben Abend griff er zum Telefon. Sebastian Hausmann, der den Anruf entgegennahm, erinnert sich: «Da war diese Stimme, die kaum einen Ton rausbrachte. Schüchtern meldete sich dieser Schlagzeuger. Einer, von dem ich noch nie gehört hatte. Und der mich dann auch noch zu fragen wagte: ‹Ja, seid ihr denn gut?› Frecher Kerl!, dachte ich mir und sagte ihm, er solle zur Probe kommen.»

Sebastian, den in Basel alle Baschi nennen, hatte als Musiker in England und den USA gelebt. Nach der Rückkehr in die Schweiz rief er mit seiner Frau Samantha, einer Sängerin, die Band The Bash ins Leben. «Adrian kam vorbei, setzte sich wortkarg ans Schlagzeug und spielte sensationell zu unseren Liedern», erzählt Baschi. «Man musste ihm nichts erklären!». Das war 1991. The Bash wuchsen in Basel zu einer festen Grösse, ihr rauher Rock wurde zum Stadtgespräch, bald füllten sie das legendäre Atlantis.

Songs, die berühren

Die Songs entstanden mehrheitlich bei Improvisationen im Proberaum. Adrian klinkte sich ein, lieferte harmonische Variationen – doch viele Ideen wurden verworfen, weil sie in dieser Konstellation nicht funktionierten. «Ich begriff, dass nur ich selber spüren konnte, wie meine Ideen umgesetzt werden mussten. Also schuf ich mir ein eigenes Gefäss», erinnert er sich.
Also startete Adrian mit einem Vierspur-Gerät der Firma Fostex ein Nebenprojekt: Er füllte leere Kassetten mit Melodien, spielte Schlagzeug, Gitarre und Keyboard-Bass. Die technische Einschränkung hatte ihre Vorteile: «Denn was auf vier Spuren nicht genügend berührte, funktionierte auch nicht als Song», sagt er.

1993 beschriftete er eine Kassette mit Lovebugs – passend zur Musik, die schön und dreckig zugleich war – und sandte sie ein: «Sprungbrett» hiess der Basler Nachwuchswettbewerb, bei dem er es auf Anhieb ins Halbfinale schaffte. Dieses würde auf der Bühne ausgefochten.

Hatten die Lovebugs nur in seinem Kopf angefangen, so musste Sieber umgehend eine Band zusammenstellen. Also fragte er die engsten Freunde an? Baschi, Vollblutmusiker, sprang als Bassist ein. Gitarre und Gesang übernahm Adrian selber. Und als Taktgeberin verpflichtete er Julie Lagger. Sie spielte zwar erst seit einem halben Jahr Schlagzeug. Aber Adrian war in sie verschossen – und das zählte mehr als jede Erfahrung.

So stolperten die Lovebugs am 8. Juni 1993 erstmals auf eine Bühne und spielten sich mit charmantem, ungelenkem Schrammelrock in die Herzen des Publikums. «Ich hatte einen Fretless-Bass und traf kaum die richtigen Töne. Aber unsere Performance berührte alle», erzählt Baschi. Sie stachen nicht nur die Punkband Döschwo aus (mit einem fussballverrückten Bassisten namens Benjamin Huggel), sie übertrumpften im Finale auch die favorisierte Soulrock-Band Daddy Long Legs. Als Preis winkte eine Woche Studioaufnahmen. Welch ein Auftakt!

Bald darauf entschied sich Adrian gegen die Hormone und für den Groove: Julie Lagger musste gehen, Simon Ramseier (18) stieg ein. Im Zürcher Dynamo präsentierte sich die neue Formation vor Publikum. Die Besucher konnte man zwar an einer Hand abzählen, doch fanden sich gleich zwei neugierige Vertreter von Plattenfirmen ein.

Auf dem Heimweg wurden die Basler nachts um vier Uhr in einen Auffahrunfall auf der Autobahn verwickelt. Samantha sprang aus dem Bus und schrie: «My baby, my baby!», Baschi beruhigte sie. Adrian und Simon schauten sich verwundert an, bis sie aufgeklärt wurden: «Wir werden Eltern!» Die Verblüffung war gross, ebenso die Erleichterung, dass alle wohlauf waren.

Nach der Geburt ihres Sohnes trat Samantha kürzer und um The Bash wurde es ruhiger. So ruhig, dass das Nebenprojekt zur Hauptsache wurde. Auch für Baschi selber: «Adrian schrieb überaus interessante Songs, die – vielleicht gerade weil er ursprünglich Schlagzeuger war – nicht einer harmonischen Logik entsprachen. Ich fand oft: Hey, diese Tonfolge geht nicht, aber ... Moment mal ... die klingt ja super!»

Keine Chance gegen Pingu

Im Januar 1994 veröffentlichten die Lovebugs ihre erste Platte: «Fluff» beinhaltete zwölf Alternative-Rock-Songs, die an Vorbilder wie die Lemonheads oder The Clash erinnerten. Tausend CDs brachten sie mit Hilfe eines kleinen Vertriebs unter die Leute. Zuvor hatten die grossen Schweizer Plattenfirmen dankend abgelehnt. Sie sahen keinen Bedarf an englischsprachiger Musik aus der Schweiz. Bruno Huber etwa, Chef von BMG Schweiz, erklärte den Lovebugs damals: «Mir händ scho en Superstar im Repertoire: de Pingu!»

DRS 3 und die Printmedien aber schlossen das Trio rasch ins Herz – «Wunderbar lethargischer Gitarrenpop», schrieb der «Tages-Anzeiger». Und die Fricktaler Zeitung schwärmte am 15. Juli 1994 auf ihrer Frontseite: «Loveburgs: Drei Musiker auf Erfolgskurs». Richtig gelesen: Loveburgs. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis der Bandname den Medien so vertraut war, dass sie ihn auch richtig schrieben.

Live-CD und zwei Konzerte

Am Freitag veröffentlichen die Lovebugs das Live-Album «At the Plaza». Ihr 25-Jahr-Jubiläum feiern sie am Wochenende auf der Bühne, dort, wo alles begann: im Basler Sommercasino. Für das erste Konzert (25.5.) sind noch Karten erhältlich.

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