«Das wird ein Zirkus», sagt Manillio und lacht. Der Solothurner Rapper denkt an die erste Probe seiner neuen Band: 13 mehr oder weniger gestandene Musiker und Sänger, von Steff la Cheffe über Greis, Bubi Rufener, Hendrix Ackle und Anna Rossinelli bis zu den eher unbekannten Tilla Künzli und Debrah Scarlett. Gemeinsam bringen The Rumours, wie sich die Ad-hoc-Band etwas beliebig nennt, nun ihr erstes Album heraus – bevor sich überhaupt alle kennen gelernt haben.

Wie das geht? Nun, das ist dem Basler Gitarristen Benjamin Noti zu verdanken. Er hatte die Idee zu diesem Projekt, auch wenn er jetzt sagt: «Das war gar keine Idee.» Am Anfang seien nur einige Demos gestanden, Skizzen, die er im letzten halben Jahr entwickelt hatte. Er begann, sie an befreundete Musiker zu schicken, forderte sie auf, das Rohmaterial zu bearbeiten. Der Aufruf stiess auf reges Interesse.

Kein Konzept, keine Vision

Benjamin Noti schickte die erhaltenen Fragmente hin und her, brachte verschiedene Musiker zusammen, behielt die Fäden aber immer in den Händen – auch wenn er sich nun beim Interviewtermin vornehm zurückhält. «Du hast immer gewirkt, wie wenn du eine Vision hättest», sagt Steff la Cheffe zu ihm. «Aber ich hatte am Anfang kein Konzept, das hat sich erst in den letzten Wochen entwickelt», entgegnet er.

Vor drei Monaten begann die Zusammenarbeit. Nun ist das Album mit 13 Songs bereits da. Ein buntes und rockiges Überraschungsei, versetzt mit viel Rap und etwas Soul. Zum Beispiel das Stück «Rüggewind», eine Zusammenarbeit der beiden «Glückskinder» Steff la Cheffe und Manillio, in der sie eine Art Rückschau auf ihre jungen Karrieren halten. Ein typisches Rap-Stück, ein typisches Rap-Thema, wären da nicht die rockigen Gitarren, die sich durchs ganze Album ziehen. Das ist die Handschrift von Benjamin Noti.

(Quelle: youtube/The Rumours)

The Rumours - Album Trailer

Noch ungewohnter «Scheriff», in dem Steff la Cheffe gegen die Überreglementierung in der Schweiz anrappt – und Bubi Rufener den rauchig-roh-rockigen Refrain beisteuert. Das ist richtig aufregend – und man entdeckt, dass Steff la Cheffe ja singen kann.

Es gibt auch sanftere Töne, zum Beispiel das unter die Haut gehende «Stars» der norwegisch-schweizerischen Sängerin Debrah Scarlett oder «Misunderstanding», eine filigrane Zusammenarbeit von Anna Rossinelli und Greis. Selten haben Englisch und Französisch so gut harmoniert wie in diesem Stück.

Drei intensive Monate

«Niemand hatte Berührungsängste, in einem neuen Genre Musik zu machen», sagt Benjamin Noti. «Es war wie ein Ausbrechen», ergänzt Manillio, «ich konnte grössere Risiken eingehen und musikalisch offener sein.» Auch Steff la Cheffe schätzt es, dass sie bei «The Rumours» experimentierfreudig sein konnte. Schliesslich entschieden die Musiker selbst, welche Stücke sie zum Weiterentwickeln reizten. «Wenn ich mir jetzt das ganze Album anhöre, gibt es auch Songs, die aus Skizzen entstanden, die mal auf meinem Küchentisch lagen – und nun klingen sie ganz anders», sagt Manillio.

Es waren drei intensive Monate, die nun mit einer Tour mit vorerst zehn Konzerten abgeschlossen werden. Was danach folgt, ist offen. «Ich erhoffe mir schon, dass es in irgendeiner Form weitergeht», sagt Benjamin Noti, der das Album zusammen mit Lovebugs-Gitarrist Thomas Rechberger produziert hat. Es komme auch drauf an, was sich bei den Konzertproben entwickle. Doch erst müssen sich alle Bandmitglieder persönlich kennen lernen.

(Quelle: youtube/The Rumours)

The Rumours - Manitou (ft. Anna Rossinelli, Greis & Manillio)

Album: The Rumours: »The Rumours». Soundservice.

Live: 31. Oktober, Olten, Kulturzentrum Schützi; 6. November, Solothurn, Kulturfabrik Kofmehl; 7. November, Zürich, Plaza; 13. November, Bern, Bierhübeli; 15. November, Brugg, Salzhaus; 19. November, Kuppel, Basel; 20. November, Schaffhausen, Kammgarn.