Musik
Jan Delay bringt neue Groove-Platte – sie ist eine Einladung auf die Tanzfläche

Wenn die Clubs wieder öffnen, ist der Hamburger Style-König bereit mit neuen wummernden Bässen.

Michael Graber
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Jan Delay präsentiert mit «Earth, Wind & Feiern» eine anspruchsvolle neue Platte.

Jan Delay präsentiert mit «Earth, Wind & Feiern» eine anspruchsvolle neue Platte.

Bild: Thomas Leidig

Jan Delay sitzt in Hamburg auf einem Balkon und blinzelt hinter der Sonnenbrille in die Sonne. Promo in Zeiten von Corona. Facetime statt Face-to-Face. «Earth, Wind & Feiern» erscheint in diesen Tagen, und selbst ein nahender Release scheint Delay nicht aus seiner ansteckenden Grundentspannung zu bringen. Er sagt:

«Es musste jetzt einfach raus.»

Das Album wurde wegen Corona schon einmal in die Warteschlaufe gehängt. «Pandemie ist unberechenbar. Als wir uns entschieden haben, das Album zu veröffentlichen, sah es besser aus. Aber nun denn», so Delay. Natürlich sei es «Scheisse», dass man über Ausgangssperren statt Ausgang diskutiere, aber die Lust der Menschen auf Musik sei ungebremst.

Nach einer Rockplatte und einem Rap-Album mit den Beginnern ist «Earth, Wind & Feiern» wieder eine Groove-Platte. Disco, Soul, Funk. Es sind Grossformations-Bretter gegen Kleingeist-Denkmuster. «Ist schon alles ziemlich trist/ Wenn man besorgter Bürger ist/ Denn ob Champagner oder Ganja oder Traumstrand/ Fast alle schönen Dinge kommen aus dem Ausland», singt Delay. Eine Einladung auf die Tanz­fläche. Eine mit Inhalt.

Das Video zu «Spass» von Jan Delay feat. Denyo

youtube

20 Jahre nach seinem grossartigen und radikalen Album «Searching for the Jan Soul Rebels» ist der 45-Jährige mittlerweile fast ein bisschen altersmild geworden. Während er damals noch ein trotziges «Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt» sang, um gegen die falsche Vereinnahmung und angeblich unpassende Zuhörer zu protestieren, ist heute vieles glatter. Aber noch immer ist Delay deutlich politisch verortet. Er äussert sich kritisch über aufkeimenden Nationalismus und ist auch kein Freund der Globalisierung mit all ihren technischen Fortschritten.

Musikalisch stehen zu bleiben, ist dagegen keine Option für Jan Delay. Auch wenn er in seinem Sound das musikalische Gestern oft zitiert, will er im Heute bleiben. «Nichts ist so kalt wie der heisse Scheiss von gestern», singt Delay in «Gestern», «sie wollen Vintage, sie wollen Retro/ Aber das finde ich eher so geht so.»

Auch wenn die Platte an die bekannten Alben anknüpft, will er doch nach vorn. Es hat sogar (ein bisschen) Autotune. Delay lacht:

«Ich war mir bewusst, dass dies sehr viele Leute hassen werden.»

Das sei aber kein Grund, darauf zu verzichten.

«Die Leute haben Angst vor musikalischer Veränderung. Sie wollen immer das hören, was sie mit 20 gehört haben.» Irgendwann verliere man die Zeit, um sich mit der aktuellen Musik zu beschäftigen, und «dann stehen die Klänge von damals für ein unbeschwertes Leben», sagt Delay. Er gibt zu, dass es auch für ihn anstrengend sei, stets zu versuchen, sich mit all der zeitgenössischen Musik zu beschäftigen, «aber eigentlich ist das als Künstler unumgänglich».

Man könne über Autotune fluchen, «aber wenn man hört, wie lustvoll und verspielt das mittlerweile eingesetzt wird, bekommt man einen anderen Zugang.» Es würde sich «wahnsinnig langweilen, wenn ich einfach das Gleiche wie vorher machen würde».

Der Sound ist wie gemacht für volle Clubs

Aus dem Revoluzzer ist ein Evoluzzer geworden. Die Veränderung passiert schleichend. Die Soundwelt von Jan Delay groovt sich weiter. Vielleicht auch einmal um die eigene Achse, aber sie geht voran. Immer alles mit einer gehörigen Portion Wucht: Es klingt alles satt und dicht, die Bässe sind knackig, die Gitarren auch. Es klingt nach vollen Clubs. Nach durchtanzten Nächten. «Wenn du jetzt ständig sagst, was wegen Corona alles nicht möglich ist, dann nervt es mich», sagt er bestimmt. Delay:

«Wir sollten eher darüber sprechen, was möglich ist.»
Jan DelayDeutscher Hip-Hopper

Jan Delay
Deutscher Hip-Hopper

Bild: Keystone

Er habe die Lockdown-Zeit auch nicht als sonderlich kreativ empfunden, wie das andere Künstler zuweilen sagen. «Es war Stillstand, ich hatte viel Zeit für andere Dinge. Das war auch schön.» Auf der Platte heisst es «der allerbeste Treibstoff ist die Energie der Nacht». Und diese Tankstellen waren geschlossen. Sind es immer noch. Und danach: «Ab auf die Bühne, feiern.» Auftanken.

Jan Delay: Earth, Wind & Feiern (Universal, ab 21. 5.)

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