Härz – bereits der Name der Gesangsgruppe verweist auf den Inhalt ihrer Lieder: Hier geht es um ganz grosse Gefühle. Von der Suche nach der Liebe, von schmerzhaften Momenten und von Träumen. Allerdings handelt es sich bei der Gruppe nicht um Mädchen mit rosa Plüschtieren und Bettbezügen, sondern um sechs Frauen zwischen 32 und 46 Jahren. Sozusagen eine Mami-Gruppe. Mit ihrem geradlinigen und ehrlichen Mundartpop singen sie sich zurzeit in die Herzen ihrer Zuhörer.

Ihr Debütalbum «Härz» ist seit Anfang Juni offiziell erhältlich und stieg auf Anhieb in die Top drei der Schweizer Charts.

Die gebürtige Aargauerin Cathryn Lehmann ist eine der besagten sechs Härz-Frauen und kann ihren Erfolg nicht ganz fassen: «Es ist überwältigend. Hätte mir das jemand vor einem Jahr gesagt, dann hätte ich geantwortet: Ja ja, schon gut.»

Das offizielle Musikvideo zu «Aifachi Liabi»

Lehmann wuchs in Staufen auf und ist seit sechzehn Jahren in Ennetbaden wohnhaft. Sie begeisterte sich früh für Musik, sang in der Kanti in verschiedenen Bands und machte zunächst eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Doch die Musik habe sie mit aller Macht zu sich gezogen.

Zur Jahrtausendwende zog Lehmann deshalb für ein halbes Jahr nach Los Angeles, um Gesangsunterricht am «Musicians Institute» zu nehmen. Als sie in die Schweiz zurückkehrte, war sie in ihrem Wunsch bestärkt, alles auf die Musik zu setzen.

Sie schlug sich als Backgroundsängerin, unter anderem für Seven, durch und veröffentlichte schliesslich zwei Solo-Alben. Eines Tages erhielt sie ein E-Mail von einem gewissen Georg. Ihm gefiel ein Mundart-Song von Lehmann, und er wollte sich mit ihr wegen eines Projektes treffen. «Ich habe das Mail beinahe gelöscht, weil ich es für Werbung hielt», so Lehmann. Gut, dass sie das E-Mail schliesslich doch gelesen hat.

Sechs Frauen, sechs Dialekte

Georg heisst mit vollem Namen Georg Schlunegger und ist Komponist und Produzent bei der Musikproduktionsfirma Hitmill. Nachdem er zuletzt mit dem Männerchor «Heimweh» Erfolge feierte, fasste er nun ein neues Projekt ins Auge. «Georg suchte nach Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, Beruf und Familie haben. Als er mir das Projekt erklärte, fand ich: Das bin ich! Da gehöre ich dazu», erinnert sich Lehmann.

Für die elf Songs des Albums «Härz» hat sich Schlunegger ausgiebig mit Cathryn, Nyna, Ai-Yen, Isabelle, Tabea und Deborah unterhalten. Darüber, was die Frauen berührt und sie in ihrem Leben beschäftigt. Auf die Nachfrage antwortet Cathryn Lehmann lachend: «Es sind Themen, die einen halt beschäftigen, wenn man nicht mehr ganz zwanzig ist.»

Musikalisch handelt es sich bei den Songs hauptsächlich um Balladen, die mehrstimmig gesungen werden. Gleichzeitig hat Schlunegger für jede der sechs Frauen Lieder auf den Leib geschneidert, in dem sie den Leadpart übernehmen. In Cathryns Fall ist es das Lied «Lah di los».

Als sich die sechs Frauen trafen, um sich über ihren Alltag auszutauschen, stellten sich ziemlich viele Gemeinsamkeiten heraus. So seien einige unter ihren Kindern gerade am Zahnen gewesen, und die Eltern hatten dadurch schlaflose Nächte. Solche Augenblicke hatte Cathryn bereits hinter sich, ihre Kinder sind 11 und 13 Jahre alt. «Bei mir ging es mehr darum, dass ich meinen Kindern Flügel schenken und sie ein wenig loslassen muss», erzählt Lehmann.

Das offizielle Musikvideo zu «Bliib bescheidu derbii»

Dies habe Schlunegger in den Text zu «Lah di los» eingearbeitet. Das Lied umfasst das Leben eines Kindes aus dem Blickwinkel der Mutter, angefangen vom Kindergarten über die erste eigene Wohnung bis zur Hochzeit. «Als ich den Song das erste Mal hörte, hat er mich so berührt, dass die Tränen flossen», erzählt Lehmann mit einem Lächeln.

Das Rezept von Härz scheint aufzugehen. Obwohl ihr Erstlingswerk zunächst nur über ihre Website erhältlich war, konnten die sechs Sängerinnen bis Ende Mai über 10 000 Stück verkaufen und eine Gold-Auszeichnung einheimsen. Allein die Hälfte davon verkauften sie an dem Wochenende, nach dem sie in der SRF-Sendung «Happy Day» aufgetreten waren.

Was ist die geheime Zutat bei Härz? «Jede von uns ist mit ganzem Herzen dabei, und ich glaube, das spürt man. Die Themen sind aus unserem Leben gegriffen, und viele Leute können sich mit ihnen identifizieren.» Ein weiterer Grund für den Erfolg dürfte die sprachliche Vielfalt des Albums sein. Mit den verschiedenen Dialekten aus dem Aargau, Bündnerland, aus Bern, Luzern, Zürich und dem Wallis komme auf dem Album die Farbigkeit der Schweiz zum Ausdruck, so Lehmann.

Seit sich die sechs Frauen letztes Jahr zum ersten Mal getroffen haben, verbindet sie nun viel mehr als die Leidenschaft zur Musik. Härz habe sie zu einer regelrechten Einheit zusammengeschweisst, beteuert Lehmann: «Die Chemie hat von Anfang an gestimmt.

Mittlerweile sind die fünf Frauen zu wichtigen Menschen in meinem Leben geworden.» Zurzeit sind die Sängerinnen mit Proben für ihre nächsten Auftritte «Donnschtig-Jass» (16. 8.) sowie «Das Zelt» in Luzern (17. 11.) beschäftigt. Der Rummel um Härz sei verkraftbar, so Lehmann, «doch wir sind manchmal immer noch ein wenig sprachlos und gespannt, was da auf uns zukommt.»