Musik

Max spielt sich durch die Musikgeschichte – Vom Hippie zum Ländlerkönig und Weltgitarristen

Max Lässer heute: Im Studio in Baden.

Max Lässer heute: Im Studio in Baden.

Im Dokumentarfilm «Solostunde» erleben wir die lange und kurvenreiche Karriere des Gitarristen Max Lässer. Und lernen viel.

Wir schweben über einer Bühne, neun Gitarren warten im Halbrund, warm beleuchtet. So beginnt Max Lässers «Solostunde» – live wie im Film. Er kommt auf die Bühne, lässt alle Instrumente kurz und prüfend anklingen, setzt sich, schaut ins Publikum, holt Luft: «Das isch d’Situation, wänn ich is Studio gang, mit der Absicht öppis z’tue.» Schon ist der Faden geknüpft, den er mit Geschichten zwischen den Stücken gekonnt weiterspinnt.

Im Film landen wir nun prompt im Studio, hören die atmosphärischen, die langsamen Klänge, die Melodien- und Themenbögen. Das typische Spiel von Max Lässer eben, das man nach wenigen Akkorden schon erkennt, und das bei genauem Hinhören doch so facettenreich, so unterschiedlich klingt. Viel unterschiedlicher gar, als wir zu wissen glauben. Denn Max Lässer steht seit bald 50 Jahren auf den Bühnen – mit immer wieder anderen Zeit- und Stilgenossen.

Max Lässer 1969: Hippie mit Bart, Latzhose und Gitarre.

Max Lässer 1969: Hippie mit Bart, Latzhose und Gitarre.

Hörend und spielend ist er Musiker geworden

Davon erzählt der Dokumentarfilm «Soloabend» von Heinz Winter vergnüglich und informativ. Das Konzept des Films ist so einfach wie überzeugend. Die Solotour, bei der Winter als Roadie von Lässer arbeitete und nebenbei filmte, ist das aktuelle Gerüst. Auf den Autofahrten («d’Lüüt uf em Land wänd au Kultur») und vor den Auftritten erklärt er sein Arbeitsprinzip, seine Karriere. Passend zu Ort oder Stichwort blendet der Film zurück und zu Musikerkollegen – in chronologischer Logik. «Das Konzept haben Cutterin Fee Liechti und ich beim Schnitt entwickelt», sagt Winter.

Lässers Anfang erzählt Tennis- und Musikerkollege Martin Schröder: «De Max hätt d’Lehr gmacht als Banker, ich als Zeichner, aber eigentli hämmer nomme Musigg gmacht.» Musik gehört, nachgespielt und sich so das Spiel selber beigebracht. Bei Krokodil war Lässer Roadie – und bald Gitarrist. «Ich bi schnell i Musikerchreis inecho.»

Lässer wuchs im Zürcher Seefeld auf («es Armelüüt-Quartier damals»), zog mit 19 in eine WG mit Hardy Hepp. Der kramt Fotos hervor. «Globus 1968! Lueg do hämmer gspielt, ei Woche vor em Krawall!» Max der bärtige Hippie textete englische Folk-Songs, spielte Anfang 80er-­­Jahre aber auch alte Schweizer Tänzli, lebte auf dem Land in Schurten («Mer händ Musigg gmacht und Pilz ­gsuecht»). Er war begehrter Studiomusiker, rockte und sang (umwerfend mit Tabularasa 1973), tourte mit Hardy Hepp ­sowie mit Blues Max und einem humoristischen Programm durch die Schweiz und Mitte der 80er-­Jahre mit Andreas Vollenweider & Friends durch die USA. Wunderbar, fast nostalgisch, führt das der Film mit altem Material vor.

Die Gitarren warten: Stimmungsvoller Einstieg in den Film und die Solokonzerte.

Die Gitarren warten: Stimmungsvoller Einstieg in den Film und die Solokonzerte.

Weltmusiker und Ländlerkönig

«Der schnelle Max» habe man ihm gesagt, erinnert sich Hardy Hepp. Wie kam Lässer dann zu den sphärischen, langsamen Tönen? «Ich war effizient, aber nie ein Schnellfinger», erklärt er beim Treffen in seinem Studio in Baden. «Eigentlich wollte ich so Musik machen wie Vollenweider. Der schaffte es, die leise Harfe zum Mittelpunkt zu machen. Das wollte ich mit meiner Gitarre.» Verstärkt und mit Hall brauche es nicht viele Töne, um Klang und Bögen, um Melodien und Volumen zu erzeugen.

Mit südafrikanischen Musikerinnen und Musikern entstand «Madamax», mit Büne Huber «Nations». Legendäre Aufnahmen und Konzerte waren das, musikalisches Verständnis über alle Grenzen. Für das Publikum, das Lässers Experimente aus den Achtzigern nicht kannte, wurde er dann überraschend vom Weltmusiker zum Ländlerkönig: Für die Sendung «Überland» des Schweizer Fernsehens komponierte er – inspiriert von Landschaftsbildern – die Musik.

Dreharbeiten in Max Lässers Studio in Baden.

Dreharbeiten in Max Lässers Studio in Baden.

Daraus entstand zur Expo02 das Überlandorchester, das die Traditionen der Alpenmusik in die heutige Zeit hievt. Und dann fand Max Lässer wieder einen Neuanfang: Erstmals in seiner langen Karriere mit einer Solotour. «Dafür musste ich einfach spielen. Spielerisch Altes und Neues zusammenbringen. «Da isch grossartig», sagt er. Einmal mehr. Nun wird er am Sonntag 70, kein Grund sich zur Ruhe zu setzen. Die Gitarren warten.

Soloabend (CH 2020, 52 Min.) Dok. R: Heinz Winter. Kino Sterk, Baden: Sa 26.9., 14.30 und 16 Uhr. So 27. 9., 17.30 und 19 Uhr. SRF 1: So 27. 9., 22.55 Uhr.

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