Jazz

Maria Schneider – Die Fantasie des Landeis

Maria Schneider, Jazzmusikerin.

Maria Schneider, Jazzmusikerin.

Das Maria Schneider Orchestra sorgte im KKL Luzern für einen Höhepunkt im Schweizer Konzertjahr. Die 54-jährige Amerikanerin ist die First Lady des grossorchestralen Jazz. Im KKL präsentierte sie mit ihrem 18-köpfigen Orchester ihr neustes Werk.

Dirigentinnen haben es in der klassischen Musik schwer. Starstatus hat noch keine wirklich erreicht. Ganz anders im Jazz, wo Maria Schneider seit Jahren zeigt, wie es geht. Die 54-jährige mädchenhafte Amerikanerin ist so etwas wie die First Lady des Jazz und wurde deshalb auch ans nächste Lucerne Festival eingeladen, wo unter dem Titel „Primadonna“ elf Dirigentinnen präsentiert werden. Eine erste Duftnote hat Maria Schneider am Dienstagabend im KKL Luzern als Leiterin ihres 18-köpfigen Männerorchesters gegeben.

Aber eigentlich ist Maria Schneider Komponistin, Arrangeurin und Orchesterleiterin. Als solche ist sie inzwischen nicht nur Primadonna, sondern das Mass aller Dinge im grossorchestralen Jazz. Bereits fünfmal wurde sie mit einem Grammy ausgezeichnet. Als ehemalige Assistentin von Gil Evans vertritt sie die Schule des Meisterarrangeurs, hat diese aber längst weiter entwickelt und zu einem eigenen Individualstil geformt.

Im KKL präsentierte die zierliche,  fragil wirkende Maria Schneider ihr neuestes Werk „The Thompson Fields“, das in der „Schweiz am Sonntag“ schon im Juli als „Jazzalbum des Jahres“ gefeiert wurde.

Darin outet sich die in New York wohnhafte Musikerin als Landei. In Minesotta, in der Weite der Prärie des Mittleren Westens fand die deutschstämmige Familie ihre neue Heimat.

Hier liess sich die Heimkehrerin für ihre neuen Kompositionen von der Schönheit der Landschaften, der Natur und von Tieren inspirieren. „I am freak of birds“, sagt Maria Schneider in Luzern und überträgt ihre ornithologischen Studien über die Paradiesvögel auf die beiden Saxofonisten Donny McCaslin und Scott Robinson.  „Arbiters of Evolution“ ist das spektakulärste, knalligste Stück in einem eher introvertierten Programm, bei dem die warmen Aquarellfarben vorherrschen.

Neben McCaslin und Robinson sind Steve Wilson (Altsax), Rich Perry (Tenorsax) und Frank Kimbrough (Piano) die bekanntesten Musiker. Das Maria Schneider Orchestra ist keine heisse Jazzmaschine, groovt eher dezent.

Dafür setzt die Bandleaderin alle Möglichkeiten des grossen Klangkörpers ein. Schneider liebt es mit Dynamik und Dramatik zu spielen. So werden Duo-, Trio- oder Quartett-Konstellationen im orchestralen Satz harmonisch raffiniert verdichtet und fallen wieder zusammen.

Melodisch bleibt Schneider meist eingängig und singbar. Originalität und Fantasie wird ganz gross geschrieben. „Wenn keine Unterhaltung geboten wird, ist das Leben voller Fantasie“, sagte Maria Schneider einst. Es ist die Fantasie des Landeis.

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