Filmfestival Berlinale

Luna Wedlers kometenhafter Aufstieg

Luna Wedler an der 68. Berlinale

Luna Wedler an der 68. Berlinale

Die Schweizer Schauspielerin Luna Wedler (18) wird an der Berlinale als European Shooting Star 2018 ausgezeichnet. Mit diesem Preis haben einst Stars wie Daniel Craig ihre Karriere lanciert

Es wird gedrückt, gezerrt und geknipst. Dutzende Fotografen, Filmer und Journalisten haben sich direkt neben dem Berlinale-Palast in einem kleinen, zweistöckigen Glasgebäude eingefunden, um einen Blick in die Zukunft zu erhaschen.

Vor ihren Linsen und Mikrofonen stehen die zehn Leinwandtalente, die als European Shooting Stars ausgezeichnet werden. Diesen begehrten Preis vergibt seit zwanzig Jahren eine internationale Jury im Rahmen der Berlinale an zehn vielversprechende Schauspielerinnen und Schauspieler aus ganz Europa.

Die European Shooting Stars 2018: Luna Wedler, Matteo Simoni, Michaela Coel, Frant Rogowski, Jonas Smulders, Irakli Kvirikadze, Matilda De Angelis, Reka Tenki, Eili Harboe und Alba August.

Die European Shooting Stars 2018: Luna Wedler, Matteo Simoni, Michaela Coel, Frant Rogowski, Jonas Smulders, Irakli Kvirikadze, Matilda De Angelis, Reka Tenki, Eili Harboe und Alba August.

Es ist die Geburtsstunde der Kinostars von morgen – und niemand will sie verpassen. «Wegen all dieser Kameras kommt schon ein bisschen Filmstar-Feeling hoch», sagt Luna Wedler im Gespräch mit der «Nordwestschweiz».

Die 18-jährige Schauspielerin aus Zürich ist die jüngste unter den diesjährigen Shooting Stars und wirkt inmitten des grossen Rummels ein wenig nervös.

Kein Wunder: Die Kinopremiere von «Blue My Mind», Wedlers erste grosse Hauptrolle, liegt erst ein paar Monate zurück. Doch der Film hat seither schon mehrere wichtige Festivalpreise sowie sieben Nominierungen für den Schweizer Filmpreis geholt – und seine junge Hauptdarstellerin in Rekordzeit ins internationale Rampenlicht katapultiert.

Wenn Luna Wedler vor der Kamera steht, ist sie ein Vulkan, eine Naturgewalt. Sie fällt sofort auf und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Meist spielt sie Teenager, die austeilen, streiten, rumschreien und die eigenen Eltern in den Wahnsinn treiben.

Der Trailer zu «Blue My Mind»

Der Trailer zu «Blue My Mind»

«Als ich den Anruf über meine Auszeichnung als European Shooting Star erhielt, war mein erstes Gefühl Angst», sagt Wedler und lacht. «Oder besser gesagt: Ein inneres Beben. Mir ist klar, dass dieser Preis eine einmalige Chance ist. Und zwar eine, die man nutzen muss.»

Speed-Dating mit Castingagenten

Am Filmfestival in der deutschen Hauptstadt erhalten die Shooting Stars eine Plattform, um sich zu präsentieren, um mit wichtigen Leuten aus der Filmbranche Kontakte zu knüpfen. «Wir können an diesem grossen Treffen teilnehmen. Das ist wie Speed-Dating, einfach mit Castingagenten und Regisseuren.»

Ein paar Namen habe sie sich im Voraus gemerkt, erzählt Wedler, mehr Vorbereitung sei nicht nötig gewesen. «Ich finde es wichtig, dass man sich bei diesem Treffen nicht verstellt, dass man nichts aufsetzt.»

Als European Shooting Star tritt Luna Wedler in grosse Fussstapfen. Heutige Filmstars wie der Deutsche Daniel Brühl, James-Bond-Darsteller Daniel Craig und Oscar-Gewinnerin Alicia Vikander haben mit diesem Preis einst ihre internationalen Schauspielkarrieren lanciert.

Wie geht die junge Schweizerin mit diesem Erfolgsdruck um? «Es gibt schon Momente, wo dieser Druck eine Krise bei mir auslöst», gibt Wedler zu. «Dann muss ich mich beruhigen – indem ich mir sage, dass ich aus einem bestimmten Grund an diesem Punkt bin, dass ich dafür etwas erreicht haben muss.»

Steckt Wedler ihre schauspielerischen Ziele nun höher? Allzu weit möchte sie nicht vorausblicken. «Grundsätzlich lebe ich im Jetzt. Ich will einfach machen, machen, machen.»

Aber sie hoffe natürlich schon, dass sich jetzt ein paar Türen öffnen.

Nur die Zuschauer fehlen

Einen Dämpfer gilt es für Wedler allerdings zu verarbeiten: Trotz der grossen Anerkennung und den vielen Preisen hat «Blue My Mind», der von einem 15-jährigen Mädchen in der Pubertätskrise erzählt, an den Schweizer Kinokassen nur wenige Tickets verkauft – etwas mehr als 3000.

«Das ist schade», kommentiert Wedler und mutmasst: «Ich glaube, dass gute Arthouse-Filme heute vielen Kinogängern zu anstrengend sind. Sie schauen dann lieber einen Blockbuster.»

Die 18-Jährige kann und will aber nicht nur Nischenfilme ­machen. Zurzeit steht sie in ­Berlin für «Das schönste Mädchen der Welt» vor der Kamera, eine romantische Liebesgeschichte.

Auszeichnungen wie der European Shooting Star könnten das fehlende Publikum zwar nicht aufwiegen, sagt die Darstellerin, aber sie würden Mut machen. So schnell wirft sie nichts aus der Bahn.

Luna Wedler hat den Mond schon immer im Namen getragen – nun reitet sie auf einer Sternschnuppe.

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