«Biohackers»

Luna Wedler in Netflix-Thriller: Die Schweizer Schauspielerin ist nicht zu jung für schwere Rollen

Luna Wedler in «Biohackers».

Luna Wedler in «Biohackers».

Die Zürcherin Luna Wedler (20) packt ihre nächste grosse Chance als Schauspielerin. Jetzt im Netflix-Thriller «Biohackers». Wieviel internationale Präsenz bringt er ihr?

Es war einmal eine Meerjungfrau, die lebte nicht im Meer sondern in Zürich. So beginnt die Geschichte des steilen Aufstiegs von Luna Wedler. Vor drei Jahren spielte sie in «Blue My Mind» Mia, das neue Mädchen in der Klasse, dem erst Schwimmhäute zwischen den Zehen, dann Schuppen und Flossen an den Beinen wuchsen. Eine Welle von Preisen schwappte über die junge Schauspielerin – darunter der Schweizer Filmpreis und der «European Shooting Star» an der Berlinale. Es folgten Hauptrollen in deutschen Filmen: «Das schönste Mädchen der Welt», «Dem Horizont so nah».

Luna Wedler 2018 bei der Preisfeier in Berlin.

Luna Wedler 2018 bei der Preisfeier in Berlin.

Jetzt sitzt die gefragte 20jährige in ihrer WG-Küche in Zürich und denkt via Zoom laut über ihren nächsten Karriere-Meilenstein nach, über die Hauptrolle in der deutschen Netflix-Serie «Biohackers»: «Klar, wenn ich zu sehr darüber nachdenke, spüre ich den Erfolgsdruck schon. Zum Selbstschutz versuche ich das aber alles nicht so nah an mich heran zu lassen.» Die Familie und Freunde in Zürich helfen ihr dabei.

Sie wirkt cool, privat wie als Schauspielerin. Luna Wedler bei der Präsentation des Schweizer Filmes «Blue My Mind» im Liberty Kino Weinfelden.

Sie wirkt cool, privat wie als Schauspielerin. Luna Wedler bei der Präsentation des Schweizer Filmes «Blue My Mind» im Liberty Kino Weinfelden.

Ein Profi. Im Film wie im Auftritt

Sie ist jedoch nicht naiv. Sie weiss, dass deutsche Netflix-Serien wie «Dark» und «Unorthodox» auch in Amerika eingeschlagen haben. Aber die USA sind nicht ihr Ziel. Sicher sage sie nicht nein, wenn ein Angebot käme, aber sie würde lieber nach England oder Frankreich. «Natürlich ist es eine Riesen-Chance, durch diese Serie internationale Aufmerksamkeit zu gewinnen. Jetzt schauen wir einfach mal, was passiert.»

Luna Wedler verkörpert in «Biohackers» wieder eine Mia und wieder ist sie die Neue auf dem Pausenhof. Diese Mia hat die Transformation vom Teenager zur jungen Frau aber bereits überstanden und studiert Medizin an der Uni Freiburg. Sie ist selbstbewusst und clever und angelt so einen begehrten Assistenten-Job bei der visionären Professorin Tanja Lorenz (Jessica Schwarz). Mia denkt dabei jedoch nicht an ihre Karriere. Sie hat es aus einem ganz privaten Grund auf die Forschung der Professorin abgesehen... Einblick gibt der Trailer:

«Biohackers» ist ein spannender Thriller, und Luna Wedler trägt den Sechsteiler mit Leichtigkeit. Unbeschwert und authentisch wirkt sie auch im Gespräch und ihre professionell durchdachten Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen. Ganz so locker war der Dreh jedoch nicht: «Es ist meine erste Serie. 65 Drehtage sind eine sehr lange Drehzeit, denn ich war jeden Tag dabei. Das war schon hart und intensiv.» Darüber hinaus wurde sie noch fast seekrank: «Die Anfangsszene im Zug wurde zwar im Studio vor einer LED-Wand gedreht. Aber die Fahrt war so echt, dass Reisetabletten verteilt werden mussten», sagt sie lachend.

Die Schauspielerei sieht sie als Rettung

Immerhin konnte sie zu Hause nachfragen, wenn sie ein Problem mit dem Medizin-Jargon hatte. Ihr deutscher Vater ist Chirurg, die Schweizer Mutter Lehrerin. Eine Affinität für die Naturwissenschaften hat sie aber nicht geerbt: «Bio und Chemie sind überhaupt nicht mein Ding. Ich war besser in Sprachen und Sport.» Was sie mit diesen Talenten anfangen sollte, war ihr jedoch nicht klar. Erst als sie aus einer Laune heraus ans Casting zu «Amateur Teens» ging und engagiert wurde, stellten sich die Weichen. «Die Schauspielerei war meine Rettung, denn ich wusste nicht, was aus mir werden sollte», so die Absolventin der European Film Actor School in Zürich. «Es war ein Geschenk, dass ich diese Leidenschaft gefunden habe und es jetzt auch so gut läuft.» Ihr persönliches Highlight bisher: Letztes Jahr mit Léa Seydoux «The Story of My Wife» zu drehen.

Doch auch Shooting-Stars werden vom Coronavirus ausgebremst: Eigentlich sollte Luna Wedler jetzt vor der Kamera in der Autobiografie-Verfilmung «Der Passfälscher» des Judenretters, Kriegsflüchtlings und Wahlschweizers Cioma Schönhaus (1922-2015) stehen. Aber vor 2021 wird da keine Klappe fallen. Und «Biohackers» hätte bereits im April aufgeschaltet werden sollen. Aber weil ein paar Szenen «verstörend wirken könnten», wie es bei Netflix hiess , wurde der Start verschoben. Luna Wedler steht hinter diesem Entscheid, auch wenn «Biohackers» mehr mit Bio-Technologie und Genmanipulation als mit Viren zu tun hat. Man habe ja nicht gewusst, was da alles auf einen zukomme.

Luna Wedler will helfen

Sie selber hat den Lockdown mit viel Kochen und Filme schauen in ihrer Zürcher Dreier-WG verbracht: «Ich habe gemerkt, wie mir der Austausch, die Umarmungen und die Nähe zu anderen Menschen fehlen», so Wedler. Schön fand sie, dass Menschen zusammen halten und einander helfen. Helfen möchte sie auch in Zukunft und ihren Vater vermehrt begleiten, vielleicht sogar selber etwas auf die Beine stellen. «Mein Vater geht dreimal jährlich nach Burkina Faso oder Mali, um Operationen durchzuführen», sagt sie. «Ich war auch schon dabei. Anderen zu helfen ist wichtig. Auch um zu sehen, wie privilegiert wir sind. Dann schätzt man wieder, was wir haben.»

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