Wer kennt Anzahl und Namen der von ihm gespielten Rollen? 68 Jahre hat Lukas Ammann auf Bühnen und vor Kameras gestanden – letztmals 88-jährig als Opa Wilhelm in der Schwarzwälder TV-Familiensaga «Die Fallers». Zwischen 1941 und 1975 war er in drei Etappen während insgesamt 17 Saisons Mitglied des Zürcher Schauspielhaus-Ensembles. Dort hatte er 1948 unter der Regie des legendären Kurt Hirschfeld in der Uraufführung von Brechts «Puntila und sein Knecht Matti» den Attaché gespielt.

Das sind nur wenige der zahlreichen Stationen im Leben des am Mittwoch im Alter von 104 Jahren in München verstorbenen Schweizer Schauspielers. 1949 hatte er an der Seite von, unter anderem, Max Haufeler und Helen Vita das Cabaret Fédéral aus der Taufe gehoben; 1964 war er Hauptverantwortlicher für das Festspiel «Voici Bâle» an der Expo in Lausanne; 1988 hat er im Spielfilm «Klassezämekunft» neben Matthias Gnädinger, Anne-Marie Blanc, Stephanie Glaser, Ruedi Walter, Inigo Gallo und weiteren bekannten und beliebten Akteuren gespielt.

Der Unvergessene

Die meisten Schauspieler, die in dem Film mitgewirkt hatten, leben nicht mehr. Doch jeder einzelne ihrer Namen assoziiert spontan eine Rolle, eine Figur oder mehrere, die sie oder er besonders eindrücklich verkörpert hat. So eindeutig wie bei Lukas Ammann ist das indes längst nicht bei allen: In Windeseile hat sich in den Medien die Nachricht vom Tod des Grafen verbreitet.

Ja – als der, als Graf Yoster, ist er vor allem der Nachkriegsgeneration unvergessen. Er, der gebürtige Basler, gab sich ab 1967 im Deutschen Fernsehen neun Jahre lang als «Krimigraf» die Ehre. Er war so etwas von vornehm, sein Rolls Royce so atemberaubend nobel, die Handschuhe von Wolfgang Völz als seinem Diener waren in jeder Lage so etwas von blütenweiss – das bleibt unvergessen.

Schwarz-Weiss stand ihm

Die meisten hatten sich damals noch keinen Farbfernseher leisten können. Egal, denn Schwarz-Weiss stand dem Hobby-Detektiv eh besser, wenn er nach der Devise «noblesse oblige» seine Kriminalfälle löste. Graf Yoster war die adlige Version der Miss Marple und Ammann verkörperte ihn mit einer Grandezza fernab jeder guteidgenössischen Bodenhaftung.

Auch wenn er von auffallend schlankem Wuchs war und sein Gesicht sehr markant, so war er äusserst wandelbar – weil er ein sehr guter, enorm fleissiger und präzis arbeitender Schauspieler war. Über sein Privatleben wurde wenig geschrieben. Bekannt ist, dass er ab 1959 bis zu deren Tod 2009 in dritter Ehe mit der 20 Jahre jüngeren Operetten- und Musicalsängerin Liselotte Ebnet verheiratet war und aus einer früheren Ehe zwei in Uruguay lebende Söhne hatte.

Gestorben ist er in seiner Wohnung in München, in der er sich bis wenige Wochen vor seinem Tod noch selbst versorgt hatte. Wer Lukas Ammann persönlich getroffen hat, dem bleibt er als zurückhaltender, etwas unnahbarer Mensch in Erinnerung. Als ein Mensch eben, der sich mit Haut und Haar dem Beruf des Schauspielers verschrieben hatte.