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Die Soul-Diva Gladys Knight wird bei ihrem Konzert im Theater 11 in Zürich/Oerlikon gefeiert.

Die Soul-Diva Gladys Knight wird bei ihrem Konzert im Theater 11 in Zürich/Oerlikon gefeiert.

Die Soul-Legende Gladys Knight predigt bei ihrem Konzert in Zürich Hoffnung, Zuversicht und vor allem Liebe. Die 75-jährige Sängerin ist in blendender Verfassung.

Standing Ovation zum Konzert-Start! Vor dem ersten Ton! Die gerührte Gladys Knight kann es im Theater 11 in Zürich kaum fassen. Wer mit solchen Vorschusslorbeeren empfangen wird, muss schon etwas Besonderes geleistet haben. In der Regel wird sie nur lebenden Legenden gewährt.

Die lebende Sängerin mit der längsten Karriere

Tatsächlich kann die 75-jährige Gladys Knight auf eine schier unglaubliche Karriere zurückblicken. Schon im Alter von vier Jahren, also 1948, hat die hochtalentierte Gladys in der Moriah Babtist Church in ihrem Geburtsort Atlanta, Giorgia Gospel gesungen und schon ab 1952 ging sie als Leadsängerin mit der Familienband The Pips auf Tour. Damit vermuten wir, dass Gladys Knight diejenige lebende Sängerin ist, die auf die längste Karriere zurückblicken kann. 71 Jahre sind es aktuell. Das ist jedenfalls länger als die gleichaltrige Diana Ross, länger auch als die 80-jährige Mavis Staples.

Gladys Knight erlebte aber auch die negativen Seiten des Pop-Business. Der bedeutende US-Produzent Clive Davis zum Beispiel ist der Meinung, dass ihr gerade Motown nie den Respekt und die Unterstützung zukommen liess, die sie angesichts ihrer Klasse verdient hätte. Ihre Konkurrentin Diana Ross wurde immer bevorteilt, obwohl sie Gladys Knight stimmlich nie das Wasser reichen konnte.

Botschaften aus einer anderen Zeit

Einen weiteren Affront leistete sich Motown mit Gladys Knights grösstem Hit „I Heard It Through The Grapevine“ von 1967. 2 Millionen Mal wurde er verkauft.

Doch kaum ein Jahr danach veröffentlichte das Label den Song zum zweiten Mal. Diesmal in einer Version von Marvin Gaye, die noch erfolgreicher wurde. „Sie stahlen uns unsere Hit-Identität“, sagte Knight nicht ganz zu Unrecht und verliess das Label im Streit.

Tempi passati! In Zürich zeigt sie sich von ihrer versöhnlichen Seite und predigt Liebe und nichts als die Liebe. Die tief religiöse Sängerin ist überzeugt von der ungeheuren Kraft der Liebe. „L.O.V.E must be the most powerful four-letter word“, sagt sie. Was für ein Kontrast zur jungen, zornigen neuen Generation von Sängerinnen und Rapperinnen wie Janelle Monáe oder Lizzo, die in der letzten Woche in Montreux für Aufsehen sorgten. Es ist die Botschaft eines anderen Amerika. Die Botschaft aus einer anderen Zeit. Auch die Soulgrössen der ersten Generation hatten damals ihre Rechte in der amerikanischen Gesellschaft eingefordert. Gleichzeitig haben sie sich aber auch auf diese amerikanische Gesellschaft eingelassen und zubewegt. Von Gladys Knight ist deshalb auch keine Anklage oder Klage zu vernehmen, keine politischen oder feministischen Forderungen, kein Wort gegen Trump. Nur Hoffnung, Zuversicht und Liebe. Die 75-jährige Sängerin, die als Kind noch die Rassentrennung in Georgia erlebte, hat mit sich und dem Leben längst Frieden geschlossen und zeigt sich in Zürich nur noch dankbar.

In Würde gealtert und stark bei Stimme

Das Leben meint es gut mit Gladys Knight. Sie ist würdevoll gealtert, körperlich fit und ihre Alt-Stimme ist immer noch bemerkenswert stark. In Zürich besingt sie die Liebe souverän wie eh und je. Glänzt mit ihren grössten Hits wie „That’s What Friends Are For“ (damals mit Elton John) und „Midnight Train To Georgia“ und brilliert in einer Hommage an ihre Vorbilder in Klassikern wie „Stormy Weather“ (Billie Holiday), „The Man I Love“, „Someone To Watch Over Me“ (Ella Fitgerald), „Natural Woman“ (Aretha Franklin), und einem Prince-Medley zum Abschluss.

Was für ein Kontrast zur 61-jährigen Anita Baker, die bei ihrem Abschiedskonzert in Montreux letzte Woche nur noch müde und abgekämpft wirkte. Gladys Knight dagegen sprüht vor Lebenslust, geniesst die Bühne und den Kontakt zum Publikum. Wer sie in Zürich gesehen hat, kann sich nicht vorstellen, dass sie bald den Abschied von der Bühne geben wird. So endet das Konzert wie es begonnen hatte: Mit einer lang anhaltenden Standing Ovation.

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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