Vom Ball- zum Sprachkünstler

Lothar Matthäus: Der mit dem Ball tanzte und über Worte stolperte

Lothar Matthäus versucht sich in Englisch

Lothar Matthäus versucht sich in Englisch

Lothar Matthäus, der einstige Weltfussballer und begnadete Filigrantechniker, bewegt sich nicht auf jedem Terrain so flink wie einst auf dem grünen Rasen. Der Nationaltrainer Bulgariens hat sich schon einige verbale Blutgrätschen geleistet.

Loddar ist ein ganz Grosser des Weltfussballs, mit Spielwitz und Übersicht dirigierte er die deutsche Fussballnationalmannschaft zum WM-Titel 1990. Nicht nur sein Spielwitz ist legendär, auch der matthäusche Sprachwitz hat zahlreiche Fans.

«Das Chancenplus war ausgeglichen» oder «wir sind eine gut integrierte Truppe», so zwei beliebte Zitate des (ungewollten) Rhetorik-Meisters. Obschon sich die deutschsprachige Welt über seine Aussagen lustig machte, Matthäus blieb standhaft und selbstbewusst.

Ein Lothar Mätthäus spricht Englisch

«Ein Lothar Matthäus lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal.» Und: «Ein Lothar Matthäus spricht kein Französisch.» Wenn auch kein Französisch, so versuchte er sich immer wieder in Englisch mitzuteilen.

Hier rastet Lothar Matthäus beim Interview aus

Hier rastet Lothar Matthäus beim Interview aus

Etwa bei seiner ersten Pressekonferenz in New York: «I hope, we have a little bit lucky.» Nach ersten Hämen meinte er trotzig: «Jeder, der mich kennt und der mich reden gehört hat, weiss genau, dass ich bald Englisch in sechs oder auch schon in vier Wochen so gut spreche und Interviews geben kann, die jeder Deutsche versteht.»

Gut, dass Matthäus nicht in der Vergangenheit lebt («I look not back, I look in front»). Dafür hatte er auch gute Ratschläge für Trainerkollegen. So zum Beispiel für Christoph Daum nach dessen Kokaingeständnis: «Wichtig ist, dass er jetzt eine klare Linie in sein Leben bringt.»

Während seiner Zeit als aktiver Spieler litt Matthäus auch an einigen Verletzungen, was ihm profunde Kenntnisse des menschlichen Körpers eingebracht hat: «Ja, der Rücken ist die Achillesferse des Körpers.» Und: «Ich habe gleich gemerkt, das ist ein Druckschmerz, wenn man drauf drückt.»

Loddar und die Frauen

Wer während seiner Karriere auch die kleinsten Unebenheiten auf dem Rasen spürt und das Gras wachsen hört, dem entgehen auch gesellschaftliche Veränderungen nicht: «Die Frauen haben sich entwickelt in den letzten Jahren. Sie stehen nicht mehr zufrieden am Herd, waschen Wäsche und passen aufs Kind auf.»

Frührere Aussagen von Lothar Matthäus lassen auch einige Rückschlüsse für das Schweiz-Spiel zu: «Es ist wichtig, dass man neunzig Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt.» Und sollte Bulgarien gegen die Schweiz verlieren, könnte Matthäus einen weiteren Klassiker zum Besten geben: «Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.»

Sollte es dereinst wieder einen Jobwechsel geben, hat der Meister der Rhetorik auch schon vorgesorgt: «Ein Wort gab das andere - wir hatten uns nichts zu sagen.»

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