Bühne

Lo & Leducs Spoken-Word-Programm: Ein Panther, geboren aus Worten

Ich sehe was, was du nicht siehst – Häberli und Oggier machen Comedy über die Macht der Worte.

Ich sehe was, was du nicht siehst – Häberli und Oggier machen Comedy über die Macht der Worte.

Das Schweizer Rapduo Lo & Leduc präsentiert als Häberli und Oggier ein abendfüllendes Spoken-Word-Programm: «Wörter wie wir».

Es geht um einen Panther. Also eigentlich geht es nicht um einen Panther. Weil es gibt ihn ja gar nicht. Und selbst wenn es ihn gegeben hätte, würde es nicht um einen Panther gehen. Und trotzdem: Der Panther, um den es hier nun erstmals geht, wanderte 2012 angeblich durch den Kanton Solothurn.

Die Panther-Sichtung wucherte medial aus. Experten wurden gesucht, gefunden, befragt. Jedes noch so kleine bisschen Panther wurde ausgeschlachtet in der Hoffnung Leser, Klicks und Aufmerksamkeit zu finden. Nur den Panther, den fand man nie. Jetzt ist er Thema im ersten Bühnenprogramm von Häberli und Oggier alias Lo & Leduc.

Der erste Teil von «Wörter wie wir» ist denn auch eine recht genaue Mediensezierung. Häberli und Oggier zeigen, wie ein mutmassliches Ereignis eine Wortlawine lostreten kann. Es wurden unfassbar viele Worte über diesen Panther geschrieben und Videos mit Augenzeugen gedreht. Am Ende wohl alles heisse Luft. Witzig, wie Häberli und Oggier auf kleinste Details wie eine streunende Katze in den mittlerweile fast schon absurd-ernst wirkenden Videobeiträgen hinweisen.

Ab der Hälfte wird es moralisch

Mit der Zeit laufen die vielen Worte ab der Bühne aber Gefahr, geschwätzig zu werden. Und gerade, als einen die Wortklaubereien in einen bequemen Comedy-Modus geschunkelt haben, werden die Wörter plötzlich toxisch. Da wird der Saal im Kaufleuten ruhig. Das Lachen, das vorher rausgurgelte, bleibt nun im Hals stecken. Es braucht nicht viel, um Wörter zu vergiften. Es braucht nur einen anderen Blickwinkel.

Häberli und Oggier sind Wortprofis. Auch als Rapduo Lo & Leduc. Da texten sie etwa Hits wie «079», diesen fluffig-federnden Sommerhit. Auch da sind viele Worte mehrdeutig, oder mehrschichtig. Wer hinhören will, hört bei «079» eigentlich eine Liebesgeschichte und hinter «Pluto» versteckt sich eine Geschichte über Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Lorenz Häberli und Luc Oggier zwingen als Lo & Leduc den Zuhörern den Sinn aber nicht auf, das tun sie jetzt als Häberli und Oggier.

Der zweite Teil des Abends wird dann moralisch statt geschwätzig. Zwar wortspielern sie immer noch fleissig, aber die Worte mit all ihren Doppeldeutigkeiten und Doppelbödigkeiten sind kein Schutz mehr, um davon abzulenken, dass man gewisse Dinge nicht explizit ansprechen will, sondern sie sind Verstärker.

Es ist harte Kost, es geht um Pässe. Alpenpässe, Schweizer Pässe. Pässe, die mal verbinden, mal ausgrenzen. Es geht um Worte. Um solche, die man nicht mehr sagen darf, und solche, die man nicht mehr sagen sollte. Es geht um Worte, von denen manche Leute sagen, «das wird man wohl noch sagen dürfen». «Argumentieren ist Krieg», sagt Oggier und plädiert dabei für eine verbale Abrüstung.

Und natürlich geht es immer wieder um den Panther. Aus der witzigen Medienschelte von vorher wird nun eine böse Medienkritik. Statt auf streunende Katze, machen sie nun auf Suggestivfragen der Reporter aufmerksam. «Haben Sie nun auch Angst um Ihre Kinder?», fragt die Reporterin den Augenzeugen. Dass man ganz grundsätzlich auch einfach keine Angst haben könnte, ist sowieso ausgeschlossen.

Die Umkehrung geht noch weiter: Man merkt jetzt, dass die vermeintlich etwas dümmlichen Augenzeugen stets beschwichtigt haben. Zur Bedrohung wurde der Panther erst durch das stete Betonen, dass er eine Bedrohung sei. Kleider machen Leute, Worte machen Monster.

Schlicht mit vielen Details

Und dieser Panther, den es ja nicht gibt, wird in «Wörter wie wir» nach und nach zum Symbol für alles Fremde. Vor dem wir wortgewaltig gewarnt werden. Vor dem sich viele Menschen fürchten, weil man ja gewarnt wird. So wie vor dem Panther in Solothurn, dessen grösste Gefahr eine für die Glaubwürdigkeit der Medien darstellte.

Häberli und Oggier sind auf der Bühne ein eingespieltes Duo. Ihr Timing ist ähnlich gut wie bei ihren Auftritten als Lo & Leduc, sie variieren locker Tempo und Intensität, und sie können Pausen setzen. Alles ist sehr schlicht gehalten. Laptop, Beamer, Tisch, Tablets. Noch wirkt vieles etwas abgelesen, was aber angesichts der Rasanz wohl kaum anders geht. Selbst im Schlichten setzen Häberli und Oggier aber liebevolle Details, und sei es nur in der Wahl der Kleidung, die auch etwas mit Panther zu tun hat.

Da und dort müssen sie noch aufpassen, dass es nicht zu belehrend wird. Es ist auch so schon offensichtlich, was sie sagen wollen. Es sei nicht ihre Geschichte, die sie da erzählen, sagt Häberli am Anfang. Am Schluss ist es doch irgendwie ihre Geschichte geworden. Oder unsere. Aber sicher nicht eine über Panther.

Schweizweite Auftritte. Infos unter: www.atelieer.ch/kultur/www.

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