Dazu kamen während der drei Tage Hunderte "Zaungäste", welche die 50 Gratis-Kurzlesungen auf der Aussenbühne verfolgten. Zeitweise gab es kein Durchkommen mehr am Landhausquai, weil sich dichte Menschentrauben um das Podium scharten.

Die Kilbi-Atmosphäre wurde dieses Jahr noch verstärkt dadurch, dass die Organisatoren zur Feier des 40-Jahr-Jubiläums die Abendlesungen durch ein literarisches Flanierangebot ersetzten mit Konzerten, Spoken-Word-Performances und literarischen Spielereien draussen sowie in Restaurants und Bars. Am Samstag gab es zusätzlich eine Geburtstagsparty, bei der Autoren und zugewandte Kreise Musik auflegten. Dem Vernehmen nach wurde bis in die Morgenstunden getanzt.

Was hat sich in den 40 Jahren seit der Gründung der Literaturtage verändert? Das wurde tagsüber in mehreren Dialogen zwischen Literaturtage-Gründern und Newcomern reflektiert. Am schönsten brachte es am Sonntag Peter Bichsel auf den Punkt: "Noch nie war das, was in der Schweiz von jungen Autoren - und vor allem Autorinnen! - geschrieben wurde, von so hoher Qualität."

Auf Bewährtes setzen

Die diesjährige Ausgabe wird nicht als eine der Experimente in die Annalen eingehen. Man hielt sich an bewährte Formate wie Dichterlesung, Poesiesalon und Übersetzeratelier. Bei den klassischen Lesungen galt: je bekannter der Autor, die Autorin, desto grösser das Publikumsaufkommen. Magnete waren erwartungsgemäss Pedro Lenz, Peter Stamm, Hansjörg Schneider, Arno Camenisch und Franz Hohler. Aber auch DebütantInnen - heuer nicht weniger als zwölf - fanden ihr Publikum.

Pedro Lenz war mit fünf Veranstaltungen einer der meistbeschäftigten Autoren dieses Jahr. Unter anderem gab es ein Übersetzeratelier mit Raphael Urweider, der Lenz' Werke ins Hochdeutsche übersetzt. Müsste eigentlich einfach sein, denkt man, deutsch ist deutsch. Aber weit gefehlt. Das Lexikalische - ist ein "Stürmicheib" dasselbe wie ein "Schwafler"? - ist nur ein Problem. Ein anderes: dass es im Berndeutschen nur zwei Tempora gibt, Perfekt und Präsens.

Mut zur Reduktion

Die Solothurner Literaturtage programmierten heuer deutlich weniger Veranstaltungen im grossen Landhaussaal. Dadurch fielen die langwierigen Staus, die in den vergangenen Jahren jeweils beim Rein- und Rausschleusen des Publikums entstanden, weg. Für das Stammpublikum, dessen Durchschnittsalter bei 50 Jahren liegen dürfte, eine ungeheure Erleichterung.