Literatur
Beppe Fenoglio schrieb Italiens berühmtesten Partisanen-Roman – jetzt gibts ihn endlich wieder auf Deutsch

Seine Erfahrung als Widerstandskämpfer prägten Beppe Fenoglios Texte. Das wird auch im Vorwort der Neuauflage seines berühmtesten Werks klar.

Peter Henning
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Beppe Fenoglio: Eine Privatsache.Roman. Wagenbach Verlag,Berlin. 192 Seiten.

Beppe Fenoglio: Eine Privatsache.
Roman. Wagenbach Verlag,
Berlin. 192 Seiten.

Bild: zvg

«Ich arbeite an einer Liebesgeschichte, die nicht nur vor dem Hintergrund des Partisanenkrieges spielt, sondern mitten in seinen Untiefen.» Dies schrieb der italienische Schriftsteller Beppe Fenoglio im März 1960 an seinen Verleger Livio Garzanti, nachdem er mit ­seinem Partisanenroman «Eine Privatsache» begonnen hatte. Als das Buch drei Jahre später erschien, war sein Verfasser verstorben, vierzigjährig, nach kurzer, schwerer Krankheit.

1922 im piemontesischen Alba geboren, hatte Fenoglio sich kurz schriftstellerisch hervorgetan – dann aber aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen, um als Englischkorrespondent einer Weinfirma zu arbeiten. Zum Rückzug mochten ihn die Absagen bewogen haben, die er anfangs auf seine Manuskripte hin erhielt und auf die Fenoglio ernüchtert reagierte, indem er bekannte:

«Ich bin ein drittklassiger Schriftsteller. Deswegen werde ich zwar nicht aufhören zu schreiben, doch kann ich in meinem Tun kaum mehr erkennen als die Ausübung eines Hobbys.»

Nach seinem Ersterscheinen in deutscher Übersetzung 1968 bei Benziger in Zürich – und einem zweiten erfolglosen Versuch der «Frankfurter Verlagsanstalt», 1988, Italiens wohl berühmtesten Partisanen-Roman bei uns dauerhaft zu etablieren, liegt das Buch nun, ergänzt durch aufschlussreiche Nachbemerkungen der bei uns mit ihrem Roman «Alle ausser mir» bekannt gewordenen Italienerin Francesca Melandri, wieder vor.

In seiner Heimat gilt Fenoglios Roman lange schon als Klassiker, der die Schrecken und Wirren des Krieges bis in die feinsten psychischen Verästelungen seines Antihelden hinein stellvertretend fühlbar macht.

Bedeutender Autor des literarischen Neorealismus

Fenoglio erzählt die Geschichte des jungen Partisanen Milton, hinter dessen Maske er selbst vermutet werden darf. Mit einer Gruppe befindet er sich in der Nähe jenes einsamen Landhauses, in dem er Jahre zuvor eine Liebesgeschichte mit dem Mädchen Fulvia erlebte. Als er erfährt, dass sie ihn mit seinem Freund Giorgio betrogen hat, versucht er ihn, der in Gefangenschaft geraten ist, zu befreien – um die Wahrheit zu erfahren.

Milton verliert dabei sein Leben – in den Tod getrieben von einem allerprivatesten Motiv, das hier zum Motor einer Passionsgeschichte wird, die tödlich endet, tödlich enden muss.

Fenoglios Buch ist ein Schlüsselwerk des italienischen literarischen Neorealismus, ähnlich wie sein nicht minder grossartiger Kurzroman «Eine feine Methode», in welchem er einen Kriegsheimkehrer schildert, der nicht mehr zurückfindet in die alten Verhältnisse und an der ihm fremd gewordenen Normalität zerbricht.

Beppe Fenoglio Italienischer Schriftsteller

Beppe Fenoglio
Italienischer Schriftsteller

Bild: PD

Bis heute löste Fenoglios mit den Arbeiten Albert Camus gleichrangiger Roman in seiner Mischung aus Absurdität, Sehnsucht und Trauer unter Italiens nachrückenden Lesergenerationen immer neue Begeisterung aus.

Denn der Roman, der in beeindruckend knappen Wendungen um das Schüren eines Überlebensfünkchens Hoffnung in Zeiten des Krieges kreist, gipfelt in der durch alle Zeiten hindurch berechtigten Frage: Wie viel Hoffnung braucht der Mensch?

Francesca Melandri erklärt in ihrem Nachwort: «Was an diesem Buch bis heute berührt, hat nichts mit dem zu tun, was Milton findet oder nicht findet, sondern mit seiner Suche. Genau wie Milton schleppen wir uns durch den Schlamm und den Nebel des Lebens. Doch immer sind wir auf der Suche. Vielleicht zeigt Fenoglio uns darin den verborgenen Sinn: dass wir uns gegenseitig als Menschen anerkennen, die vereint sind in der ständigen Suche.»

Beppe Fenoglio: Eine Privatsache.
Roman. Wagenbach Verlag,
Berlin. 192 Seiten.

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