Die Aufstellung für das Konzert vom kommenden Sonntag besteht aus einem persischen Wunderknaben am Cello, einem Schweizer Dirigenten von Weltrang sowie dem wohlvertrauten Aargauer Orchester. Die Musik liefert ein Konglomerat europäischer Komponisten, namentlich Schumann, César Franck und Antonín Dvořák. Letzterer hat einen Bezug zu Amerika, wo er sich nicht nur als meisterlicher Tonsetzer, sondern auch als Visionär hervortat. «Ich bin jetzt überzeugt», prophezeite er 1893, «dass die zukünftige Musik dieses Landes auf der Grundlage der Lieder aufgebaut werden muss, die Negermelodien genannt werden». Wie wahr. Von ihm werden wir die Konzertouvertüre «In der Natur» hören. Das Werk eignet sich vorzüglich zur Temperierung der Seele auf einen genüsslichen Konzertabend hin. Mit seinem locker fliessenden Grundcharakter sorgt es für innere Ruhe.

Persischer Jung-Star am Cello

Im Cellokonzert a-Moll, Opus 129 von Robert Schumann führt Kian Soltani den Bogen. Der junge Cellist, 1992 in Bregenz in eine persische Musikerfamilie geboren, hat bereits einen unglaublichen Palmarès vorzuweisen und gilt als einer der aufregendsten Musiker seiner Generation. Das schürt natürlich die Vorfreude auf ein Œuvre, welches dem Komponisten selber gar nie zu Ohren gekommen ist. Irgendetwas daran war wohl nicht so recht nach dem Gusto seiner Zeitgenossen. Die Orchestrierung? Die Art, wie er fürs Cello schrieb? Was immer es auch war, aus heutiger Sicht auf jeden Fall ist es völlig unverständlich. Denn das wehmütige Werk ist einfach nur wunderschön.

Die Entwicklung des Menschen, insbesondere jene des Geistes, hält bekanntlich ein Leben lang an. César Franck zum Beispiel hatte sich erst im Alter von 64 Jahren dazu berufen gefühlt, eine Symphonie zu schreiben. (Seine einzige.) Diese teilt ein wenig das Schicksal obengenannter Komposition von Schumann, insofern sie nicht die ungeteilte Wertschätzung der Kollegen erfuhr, kam aber immerhin doch zu Lebzeiten Francks zur Uraufführung (1889).

Gastdirigent Matthias Bamert

Am Sonntag im Kultur- und Kongresshaus Aarau wird es Aufgabe des Dirigenten sein, das vermeintlich ziellose Herummodulieren in der Harmonik, wie es den konservativeren Kräften jener Zeit erschien, zu einem musischen Amalgam erster Güte zu verschmelzen. Dafür hat sich das Argovia Philharmonic mit Matthias Bamert einen renommierten Künstler geholt, dessen Werdegang so klingende Namen wie Pierre Boulez oder Leopold Stokowski prägen. Mittlerweile hat er als Gastdirigent weltweit viele der grossen Symphonieorchester geleitet und gilt als einer, der gleichermassen auf dem Terrain der klassisch-romantischen wie auch modernen Musik zu Hause ist. Genau der Richtige also für ein Programm, dessen Komponisten sich nicht um konventionelle Formzwänge scherten.

4. Abo-Konzert «Leben – Liebe – Natur», So., 18. 3., 17 Uhr, Aarau, Kultur- und Kongresshaus, Saal 1. Konzerteinführung «Hinter den Kulissen» 45 Minuten vor Konzertbeginn. Weitere Daten auf www.argoviaphil.ch