Kunst

Kunst man verkuppeln – oder warum nebeneinander besser ist als übereinander

Wie bei einem Pingpong haben René Fahrni und Tom Fellner ihre Ausstellung im Zimmermannhaus Brugg konzipiert. Anregend.

Attrappe, Probeexemplar: So definiert der Duden einen Dummy, Namensgeber der neusten Ausstellung im Zimmermannhaus Brugg. «Dummies» wurde am Freitag eröffnet und zeigt die Werke von René Fahrni und Tom Fellner. Doch was kann man von einer Ausstellung mit diesem Titel erwarten? Versuchsobjekte, unvollendete Kunst?

Anders als bei sonstigen Ausstellungen jedoch finden sich nicht die Werke des einen Künstlers im oberen und die des anderen im unteren Stockwerk – bei «Dummies» gesellt sich zu einem Bild von Fellner eine Skulptur von Fahrni und umgekehrt. Unvollendet ist hier aber nichts, die Kombinationen sind sogar bis ins Detail durchgedacht. Namensgeber der Ausstellung ist ein Werk von Fahrni, ein Kartonobjekt, das in seiner Form an Mickey Mouse erinnert.

Fahrni erzählt, dass sie auf einer fiktiven Geschichte beruht: «Ich stelle mir einen Kunstsammler vor, der versucht, im Garten seines Anwesens einen geeigneten Platz für ein opulentes, schweres Kunstwerk zu finden. Er baut eine leichte Attrappe, die er so lange an unterschiedlichen Orten aufstellen kann, bis er sich für einen Standort entscheidet.»

Von Hasen, Dackeln und Kraken

Zu Fahrnis «Dummy» gehört «Evil Bunny», ein Aquarell Fellners. Der Kinderspielzeug-Hase ist eines der wenigen Bilder der Ausstellung, die Fellner auf Papier gemalt hat. Sonst nutzt er andere Bildträger: Tapeten, Samt, Stoffresten, eine geklaute Serviette oder auch eine Zeichnung seiner Kinder. Auf diesen malt Fellner gerne Porzellan-Figuren.

«Diese Figuren, die gewisse Menschen gerne aufstellen und ich niemals in meinem eigenen Zuhause haben möchte, faszinieren mich», sagt er. In Kombination mit den verschiedenen Untergründen interpretiert er diese neu, so beispielsweise ein Dackel, eine siamesische Katze oder eine um Hilfe rufende Krake.

Dialoge zwischen den Werken

Tom Fellners Krake haben die beiden Künstler mit René Fahrnis Skulptur eines Segelschiffs aus Gips kombiniert. Im Kopf des Besuchers beginnen sich Assoziationen zu bilden. Dafür gibt es unterschiedliche Auslöser.

Das können die Titel sein, wie bei «No Distance Too Far» und «Chasing Butterflies». Oder formale Verwandtschaften, etwa die schwungvolle «Blinds Bar» Fahrnis und der Hintergrund von Fellners Dackel. Oder Inhalte wie bei den Figuren «Jack and Jill» und einer Lampe, die an «Alice in Wonderland» erinnert.

Die Paare schaffen es so, miteinander zu funktionieren, im Dialog zueinander zu stehen und sich gegenseitig zu ergänzen. Dank dieser Verwandtschaften schafft auch die Betrachterin automatisch Zusammenhänge und kann die Geschichte selber weiterspinnen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1