Eventbranche
Nach in Aussicht gestellten Lockerungen: Kultur- und Sportveranstalter fordern eine vollständige Öffnung ab September

Wenn alle Impfwilligen geimpft sind, gebe es keinen Grund mehr für Einschränkungen und Schutzmassnahmen, argumentiert die IG Perspektive.

Stefan Künzli
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Heitere Openair: Die Vollversion wird es in diesem Jahr nicht geben. Vielleicht aber eine spezielle, alternative Form.

Heitere Openair: Die Vollversion wird es in diesem Jahr nicht geben. Vielleicht aber eine spezielle, alternative Form.

Dominik Wunderli

Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen sind seit Ende Februar 2020 verboten. Nur im Oktober 2020 waren sie kurz erlaubt. Geht es nach dem Bundesrat, könnten sie ab Juli 2021 wieder möglich werden. «Wir sind froh, dass es endlich eine Roadmap gibt. Wir haben sie seit langem gefordert, und sie geht in die richtige Richtung», sagt Andreas Hugi von der privaten Initiative IG Perspektive, in der über siebzig führende Institutionen und Veranstalter von Live-Events aus dem Bereich Sport, Kultur und Unterhaltung vertreten sind. Für viele Veranstalter sei die Roadmap ein dringend nötiger Lichtblick. «Merci», sagt auch der Präsident der SMPA, dem Verband der grossen Veranstalter, Christoph Bill, «der Bundesrat hat die Herausforderungen für Veranstaltungen erkannt und aufgezeigt, wie er sich die nächsten Schritte vorstellen könnte».

«Die Rahmenbedingungen müssen rasch konkretisiert werden.»

Noch nicht ganz zufrieden ist aber André Béchir. Für den legendären Schweizer Konzertveranstalter, der sich heute ebenfalls in der IG Perspektive engagiert, fehlen noch wichtige Vorgaben, um die vollständige Planungssicherheit zu erlangen. «Die Rahmenbedingungen müssen rasch konkretisiert werden. Wie steht es mit dem Abstand? Mit der Maske? Wie wird getestet?», fragt er. Der Bundesrat hat diese Vorgaben erst für die zweite Juni-Hälfte in Aussicht gestellt.

Auch für Christoph Bill gibt es noch viele offene Fragen: «Was resultiert aus der Vernehmlassung? Erhalten wir die kantonale Bewilligung und die Zusage für den Schutzschirm? Welche Bedingungen stellt der Bundesrat auf?» Eigentlich seien dies alles «Parameter, die vor der Konzeption und Planung einer Veranstaltung klar sein müssten».

Für die IG Perspektive gehen die Lockerungen nicht weit genug. Ab September fordert sie deshalb eine vollständige Öffnung aller Veranstaltungen. «Wenn alle Impfwilligen geimpft sind, gibt es keinen Grund mehr für Einschränkungen und Schutzmassnahmen», sagt Hugi. Die epidemiologische Situation bleibt der grosse Unsicherheitsfaktor. Umso wichtiger ist der in Aussicht gestellte Schutzschirm und der Anspruch auf Entschädigung. Bedingung für eine Entschädigung ist, dass der Kanton den betroffenen Publikumsanlass bewilligt und ihn zusätzlich dem Schutzschirm unterstellt. Doch bei einigen Kantonen harzt es noch. Die IG fordert die Kantone deshalb auf, den in Gang gesetzten Prozess positiv und so schnell wie möglich zu begleiten und die eingereichten Gesuche zu bewilligen.

Für die grossen Open Airs und Festivals im Juli und August dürfte es mit diesen Vorgaben schwierig werden. Das Heitere Open Air in Zofingen wird die Vollversion am angestammten Datum nicht durchführen. Denkbar sei aber die Umsetzung einer speziellen Heitere-Ausgabe in diesem Jahr.

Klassikfestivals und das Theater Spektakel sind optimistisch

Für mittelgrosse und klassische Festivals sind die Vorgaben machbar. «Wir planen für das Menuhin Festival Gstaad mit 1200 Zuschauern für die Konzerte im Festivalzelt, Platz hat es für 1800 Leute. Diese Auslastung ist gebaut auf das Prinzip Hoffnung, doch die Lockerungsschritte verfolgend, die steigende Durchimpfung betrachtend, sollte es eigentlich klappen», sagt der künstlerische Direktor Christoph Müller.

«Wir sind voll Covid-kompatibel! Bereit, alle Hürden und Hindernisse zu überwinden», meldet Martin Eng­stroem, Intendant Verbier Festival. «Sofern wir nicht schriftlich gebeten werden, das Festival zu schliessen, werden wir weitermachen.» Nur das Lucerne Festival gibt sich noch bedeckt. Aber es ist davon auszugehen, dass man im 1800 Personen fassenden KKL ähnlich wie Gstaad und Verbier plant, also mit etwa 1000 Leuten.

Optimistisch ist auch das Zürcher Theater Spektakel. Man rechnet damit, dass Vorstellungen vor Publikum durchgeführt werden können.