Pop
John Cale auf dem Elektrotrip: Neue Musik nach mehr als zehn Jahren

Jahrelang arbeitete John Cale an den Songs für sein neues Album. Jetzt veröffentlicht er sein atmosphärisches Elektrowerk «Mercy» und zeigt, dass er auch mit 80 Jahren keine Lust auf musikalischen Stillstand hat.

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Der experimentierfreudige Waliser John Cale wird 81-jährig.

Der experimentierfreudige Waliser John Cale wird 81-jährig.

Zgh / WOZLVE

«Ja, es ist ein Liebeslied», verkündet John Cale im Musikvideo seiner aktuellen Single «Noise Of You». «Als ich diesen Song skizziert habe, ging es vor allem um die Atmosphäre.» Das war auch die Marschroute für sein neues Album – das erste seit mehr als einem Jahrzehnt mit neuen Songs des Musikpioniers. Auf «Mercy» singt der experimentierfreudige Waliser, der im März 81 Jahre alt wird, zu atmosphärischen, ambientartigen Klängen und Elektrobeats.

Der Titelsong, ein Duett mit der in Berlin lebenden US-Sängerin und Elektromusikerin Laurel Halo, ist ein siebenminütiger wunderbarer Downbeat-Klangteppich. «Days and days were spent in anger», singt Cale fast klagend. Lyrisch verarbeitet der gebürtige Waliser auf seinem 17. Studioalbum alles, was ihm in den letzten Jahren missfiel: Trump, Brexit, Covid oder Klimawandel.

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Die Stimmung ist mitunter etwas dystopisch. Der düstere Track «Marylin Monroe’s Legs», eine Kooperation mit dem britischen Elektromusiker Actress, fasziniert mit mysteriösen Echos, undefinierbaren Sounds und der Atmosphäre eines David-Lynch-Films. Die Stimmung ist unheimlich wie etwa bei «Lost Highway».

Hingegen singt Cale mit der vielseitigen Indiemusikerin Weyes Blood, die zuletzt auch auf Alben von Lana del Rey und den Killers gastierte, das eher erhebende «Story Of Blood», das nach jazzigem Pianointro zu einem kleinen Klangspektakel wird. Auch die Single «Noise Of You», die laut Cale von einem Winter in Prag inspiriert wurde, ist eher sinnlich und hat etwas Entspannendes.

Merkwürdige, überraschende und spannende Klangreise

Es ist nicht leicht, die passenden Worte für diesen faszinierenden Elektrotrip zu finden. «Mercy» ist eine unvorhersehbare, bisweilen merkwürdige, aber sehr spannende Klangreise. Bei wiederholtem Hören entdeckt das Ohr immer wieder etwas Neues. Und mit 80 Jahren gelingt es John Cale, der einst in New York als Mitgründer von The Velvet Underground die Musikwelt nachhaltig prägte, immer noch, mit seiner Musik zu überraschen. (dpa)

John Cale: Mercy.

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