Pop-Musik
Kopf hoch Laura! Tanz dich aus der Krise!

Nach dem Karriere-Tiefschlag begeistert die englische Sängerin Laura Mvula mit dem fulminanten Comeback-Album «Pink Noise».

Steffen Rüth
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Laura Mvula ist geprägt vom prallen 80er-Pop.

Laura Mvula ist geprägt vom prallen 80er-Pop.

Warner Music /
Aargauer Zeitung

«Pink Noise» ist keine Begriffserfindung von Laura Mvula selbst, sondern eine physikalische Erscheinung, die es tatsächlich gibt. Beim Rosa Rauschen dominieren die tiefen Frequenzen, das menschliche Ohr nimmt alle Töne etwa gleich laut wahr. Nun ist Muvla keine Physikerin, sondern sie fand den Terminus als solchen einfach hinreissend. «Dieses pinke Rauschen klingt ungefähr so wie ein intensiver Regenguss», sagt die Sängerin und Songschreiberin. Und:

«Jede Hörerin und jeder Hörer wird sich unter ‹Pink Noise› irgendwas anderes vorstellen können, der Begriff macht einfach was mit dir.»

Für die heute 35-jährige Laura Mvula selbst ist die Assoziation: 80er-Pop. Volle Möhre. Sie selbst ist Jahrgang 1986. Das Jahrzehnt hat sie naturgemäss nur bedingt in Echtzeit kennen gelernt. «Aber sobald ich mit dem prallen Pop der Dekade in Berührung kam, habe ich ihn geliebt», sagt sie.

Der Song «Got Me» von Laura Mvula.

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Eltern stammen aus der karibischen Oberschicht

Als Tochter einer von der Karibik-Insel Saint Kitts stammenden Professorin für Völkerkunde und eines Beauftragten für den Jugendrechtsschutz aus Jamaika ist sie in Birmingham geboren und in einem kulturell-bildungsbürgerlich stimulierenden Umfeld aufgewachsen. Schon als Kind hat sie Piano und Violine gespielt und das sogar wirklich gerne.

Man hört die 80er-Prägung ihrem dritten Album auf grandiose Weise an. Im Uptempo-Song «Church Girl» rekapituliert Laura ihre Jugend als scheue, aber auch ehrgeizige Dirigentin des Kirchenchors und Mitglied in der A-cappella-Gruppe «Black Voices». Sie vermittelt damit ein ähnlich erbauendes Gefühl wie einst die grossen Hits von Janet Jackson. «Got Me», in dessen Video Mvula in wechselnden Neon-Outfits durch eine Waschanlage turnt, hat was von Billy Oceans «When The Going Gets Tough». «Magical» hat den Schwung einer alten Nummer von Earth, Wind & Fire, «Safe Passage» einen ähnlichen Beat wie «In The Air Tonight» von Phil Collins.

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Und wo wir schon bei Genesis sind: Das soft-melancholische Duett mit Simon Neil von Biffy Clyro, «What Matters», lässt Erinnerungen an «Don’t Give Up» von Kate Bush und Peter Gabriel aufleben – ein Klassiker, der so alt ist wie Laura selbst. Über all den Songs schweben jede Menge analoger Synthesizer sowie die tolle Stimme der Künstlerin. Mvula sagt:

«Ich habe ziemlich lang nach einem Sound gesucht, bei dem ich mich richtig wohlfühle und zu dem ich tanzen will. Mein eigener Bewegungsdrang war ein entscheidender Aspekt bei dem Album.»

Laura Mvula, um im Bild zu bleiben, steckte nämlich zwischenzeitlich ganz schön fest. Zwar begeisterte sie mit ihren ersten beiden, stilistisch noch näher an Soul und Jazz angelehnten Alben «Sing To The Moon» (2013) und «The Dreaming Room» (2016) ein durchaus grosses Publikum, verzückte die Musikkritik weltweit, erhielt für beide Alben eine Nominierung zum renommierten «Mercury Music Price» und für «The Dreaming Room» den prestigeträchtigen «Ivor Novello Award». Doch für ihr damaliges Label war das offenbar nicht genug. Laura Mvula wurde gefeuert und mit einem schnöden E-Mail von dem Rauswurf in Kenntnis gesetzt.

Nach der Erschütterung scheint sie heller und pinker

Es dauerte, ehe sich die 35-Jährige, ohnehin mit einer fragilen Psyche und dem Hang zu Panikattacken ausgestattet, von der schweren Ego-Erschütterung erholte. Doch nun strahlt Laura Mvula nicht nur heller als je zuvor, sondern auch: Pretty in Pink.

Laura Mvula: Pink Noise (Warner). Erscheint am 2. Juli.