Klassikfestival
Im musikverliebten Städtchen Kaiserstuhl fliegt der Schwan gänzlich ohne Lärm

Kunterbunt startet das Festival der Stille in Kaiserstuhl: mit Folklore, Improvisation, Barockmusik und den wilden 20er-Jahren in New York. Wir haben mit der Co-Leiterin Daria Zappa gesprochen.

Sibylle Ehrismann
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Intendanten-Duo Daria Zappa und Massimiliano Matesic.

Intendanten-Duo Daria Zappa und Massimiliano Matesic.

pd

Das Programm widerspiegelt das Temperament der künstlerischen Co-Leiterin Daria Zappa, die als klassische Geigerin gerne auch zum Blues und zur Improvisation wechselt. Als Tochter des bekannten Tessiner Liedermachers Marco Zappa hat sie schon mit fünf Jahren auf der Bühne gestanden, mit acht kam die erste CD heraus, bei der sie mitspielte. «Das Wichtigste, das mir mein Vater beigebracht hat», sagt die Geigerin zurückblickend, «ist wohl das Improvisieren, das ist für mich auch nach meiner klassischen Ausbildung am Konservatorium zentral geblieben.»

Eine solche Vielseitigkeit braucht Ruhe und Konzentration. Für die «Stille» im Namen des Festivals hätten sie sich entschieden, so Zappa weiter, weil jegliche Musik aus der Stille entstehe. «Gerade hier in Kaiserstuhl, diesem idyllischen Städtchen am Rhein, wird der Verkehr zunehmend zum Problem, so etwa mit der Flugschneise direkt über uns. An unserem Festival soll man zur Ruhe kommen.» Ihr Festival-Logo ist ein fliegender Schwan – der fliege, ohne Lärm zu machen.

Im kleinen Städtchen helfen alle mit am Festival

Daria Zappa ist mit dem Musiker Massimiliano Matesic verheiratet, sie leiten das Festival gemeinsam. Die Familie lebt schon seit 17 Jahren in Kaiserstuhl, und noch heute schwärmt die Geigerin von der Schönheit dieses Ortes direkt am Rhein. Man muss nur über die Brücke gehen, und schon ist man in Deutschland. Wie färbt sich diese Grenzlage auf das Festival ab? Man kenne es mittlerweile auch in Deutschland, erzählt Zappa, es kämen viele Besucherinnen und Besucher von drüben, aber auch von Bad Zurzach, Zürich und Basel.

So klein Kaiserstuhl mit seinen 400 Einwohnern auch ist, kulturell ist es vielfältig und lebendig, meint Zappa weiter. Weitherum bekannt ist die Kaiserbühne mit ihrem originellen Theater-Programm, mit der das Festival der Stille eine Kooperation pflegt. Der jazzig angehauchte, literarisch-musikalische Abend «The Roaring Twenties» (Sa, 21. August) wird dort gespielt.

Was in einem kleinen Städtchen besonders wichtig ist: Alle helfen mit. Der Frauenverein etwa dekoriert den Kirchplatz und stellt den Apéro bereit, ein Caterer vor Ort liefert ein kulinarisches Highlight. Dieses Jahr wird am kubanischen Open Air «Son con Ron» (Fr, 27. August) auch ein Spanferkel angeboten. Und der Verein Pro Kaiserstuhl hilft bei der Infrastruktur.

Auf die Geigerin Franziska Pietsch freut sich Zappa besonders

So wird aus dem hochkarätig besetzten Festival ein Stadtfest, das auch die zahlreichen Feriengäste aus der näheren Umgebung schätzen. Die Festivalkonzerte finden nicht nur in der Kirche Kaiserstuhl statt, sondern auch im Innenhof der Propstei Wislikofen und im Patio der Mehrzweckhalle Blölebode.

Worauf freut sich Zappa dieses Jahr am meisten? «Ich bin stolz darauf, dass die Geigerin Franziska Pietsch in unserem ersten Konzert mit ihrem Klaviertrio Mystère auftritt», sagt Zappa spontan. «Sie wurde in der ehemaligen DDR stark gefördert, bis ihr Vater im Westen blieb. Da wurde sie zur Persona non grata. Sie ist eine grossartige Geigerin.» Für dieses Trio Mystère hat übrigens der Komponist und Pianist Massimiliano Matesic, der mit Daria Zappa das Festival leitet, sein neues Stück «Poeme» geschrieben, das am raffiniert mysteriösen Eröffnungskonzert (Fr, 20. August) uraufgeführt wird.

Festival der Stille: Freitag bis Sonntag, 20.8. bis 22.8.; 27.8. 29.8.; Samstag, 11.9.

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