Klassik-Festival
Erste Lenzburgiade nach Corona: «Jedes Konzert war ein intensives Erlebnis»

Das Intendantenpaar Fränzi Frick und Oliver Schnyder hat mutig geplant - und wurde belohnt: Viele ausverkaufte Konzerte und spannende Entdeckungen.

Anna Raymann
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Es war eines der ersten Festivals in dieser ersten Saison nach der pandemisch bedingten Zwangspause. Die Lenzburgiade plante mutig – und wurde belohnt: Die Lockerungen für Veranstaltungen kamen rechtzeitig. Bis zu 300 Personen besuchten die Konzerte auf dem Schlossplatz und dem Metzgplatz. Vom Kulturhunger des Publikums sprechen viele Veranstalter, spricht man mit dem Intendantenpaar Fränzi Frick und Oliver Schnyder, spürt man aber vor allem den Kulturhunger der Künstler.

Frick und Schnyder sind beide international auftretende Musiker und als solche hat die Stille des letzten Jahres auch sie getroffen. Allein für den weltweit gefeierten Pianist Schnyder fielen in den letzten Monaten über 90 Auftritte aus. Ihre zweite (durchgeführte) Ausgabe der Lenzburgiade programmierten sie nun mit spürbarer Empathie für ihre Kolleginnen und Kollegen. «Viele Künstler, denen wir 2020 absagen mussten, konnten wir in das aktuelle Programm retten», sagt Fränzi Frick.

Von Oper bis Hackbrett

Die Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis eröffnete das Festival getreu dem Motto «Klassik und Folk». Als Grande Finale des Festivals begeisterte Pepe Lienhard das Publikum, der mit seiner Big Band weder «Folk» noch «Klassik», höchstens wohl Klassiker ist. Dazwischen wurde zu Flamenco und Irish Folk getanzt, Kinder musizierten neben bekannte Grössen. «Wir möchten mit unserem Programm nicht nur alle erreichen, sondern auch alle abbilden», sagt Fränzi Frick. Auch internationale Gäste wie das Trio Insingizi aus Simbabwe oder die junge Saxophonistin Sofia Tyurina aus Russland waren in dieser Ausgabe zu hören.

Sofia – auf der Lenzburgiade ist man per Du – liess sich mit Hackbrett-Spieler Nicolas Senn und dem Wunderkind an der Balalaika Anastasia Tyurina von Arovia Philharmonic begleiten. Im Aufeinandertreffen der Genres hört man den gemeinsamen Ursprung und auch die Volksmusik findet ihren Weg von der Schweiz nach Russland: Nach wenigen Umrundungen wird Senns «Frau Stirnimaa» zu Anastasias «Kalinka».

«Die Konzerte sind massgeschneidert für die Lenzburgiade, kein Künstler spielt bei uns ‘Dienst nach Vorschrift’», sagt Schnyder und Frick fährt fort, «man hört Dinge, die man so noch nie gehört hat: Ein Cello-Quartett mit Sitar oder eben Argovia Philharmonic mit einer zehnjährigen Balalaika-Virtuosin.»

Corona macht alles komplizierter

Diese «Match-Makings», für die Intendanten Frick und Schnyder bekannt sind, bedeuteten 2021 aufwändige Organisationsarbeit. Kurzfristige Absagen wegen Reisebeschränkungen verursachten Mehrkosten – unter den aktuellen Bedingungen lässt sich kein Festival rentabel führen. Aber: «Durch den steten Austausch mit den diversen Bundesämtern und dem Kanton lernt man die Schweizer Kulturlandschaft wirklich kennen. Für Künstler gab es in den letzten Monaten keinen besseren Ort als die Schweiz, die Politik hat viel Verständnis für unsere Situation», so Frick.

Von organisatorischen Seiltänzen war an den Abenden auf Schloss- und Metzgplatz nichts mehr zu spüren. Die neu überdachten Bühnen hätten die Durchführung auch bei durchwachsenem Wetter garantiert. Für die Konzertbesucher schien also alles wieder fast normal, vielleicht bleiben sie eher sitzen, wo sie sonst tanzen würde, die Maske bleibt auch Open-Air über der Nase. «Wir haben das Publikum als extrem aufmerksam und konzentriert erlebt. Jedes Konzert war ein intensives Erlebnis», sagt Oliver Schnyder.

Ausblick auf einen Festival-Sommer

Mit der Lenzburgiade als Auftakt kann die Aargauer Open-Air-Saison weitergehen. Der Boswiler Sommer macht sich bereit für seinen Auftakt am 23. Juni, im August lässt «Wilhelmina – Fest der Künste» das Schloss Hallwyl erklingen. So dicht der Veranstaltungskalender nun auch scheint, mussten sich dennoch Veranstalter von dem Virus geschlagen geben. Die Kyburgiade in Winterthur, von denselben Gründern initiiert wie die Lenzburgiade, seit 2018 aber organisatorisch getrennt, findet wie auch schon 2020 nicht statt.

Die Lenzburgide indes schaut bereits auf die nächste Ausgabe. Musiker, die auch in diesem Jahr nicht in die Schweiz reisen konnten, werden für 2022 gebucht.

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