Es hätte so klar sein können: Er hätte weiterhin seine Slam-Texte zusammenbinden und mit seinen Erlebnissen als junger Lehrer die Lacher abholen, die Säle füllen können. So wie in seinem bisherigen Abendprogramm, «Plötz- lich zmitzt drin». Darin hat Dominik Muheim vom Erwachsenwerden eines 22-Jährigen erzählt, davon, dass er «Spongebob Schwammkopf» schaue, es lustig finde und dann aber sage: «So en Seich». Die Pointen des unterhaltsamen Lehrers, sie funktionierten gut. Sehr gut sogar.

«Anfänglich dachten wir, dass wir das Programm fünf Mal aufführen würden», erzählt Muheim. Daraus wurden schliesslich 70 Auftritte, bis zur Derniere im vergangenen November.

Und jetzt, jetzt steht er auf einer Probebühne in Liestal, dem Baselbieter Stedtli, in dem er auch lebt, und ist mit dem Feinschliff seines zweiten Abendprogramms beschäftigt. An seiner Seite: Sanjiv Channa, sein Partner im Reim. Und vor allem im Rhythmus.

Der Perkussionist ist ein Freund fürs Leben. Die beiden kennen sich seit der Spielgruppe im beschaulichen Reigoldswil, haben zusammen denselben Ausbildungsweg zurückgelegt, die pädagogische Hochschule absolviert und, kaum hatten sie den Abschluss im Sack, so gute Aussichten auf Auftritte, dass sie ihren Alltagsjob als Primarlehrer gleich wieder an den Nagel ge- hängt haben.

Aufstieg eines Slam-Poeten

«Ich merkte schon ein Jahr zuvor, dass ich immer mehr machen konnte, Slam-Workshops an Schulen, Radiogeschichten und Bühnenauftritte. So reduzierte ich die Lehrertätigkeit zunächst auf zwei Tage die Woche, ehe ich sie nun ganz aufgab», sagt Muheim. «Wenn man weiss, dass man eine solide Ausbildung in der Tasche hat, nimmt das mega viel Druck weg.»

Sanjiv Channa, ebenfalls 26-jährig, spielt noch in zwei Bands, die ebenfalls freie Zeit absorbieren. Und Muheim ist seit einem knappen Jahr der Junge im Team der Morgengeschichten von Radio SRF 1, was ihm ein zusätzliches Einkommen beschert. Dass er dort reinkam, war für ihn die Erfüllung eines Traums. «Pedro Lenz oder Linard Bardill, das sind grosse Namen. Ich dachte immer: So was würde ich auch gerne machen, wenn ich mal älter bin. Als dann eine SRF-Redaktorin anrief und fragte, ob ich einsteigen wolle, sagte ich: Was? Ja, klar!»

Damit reiht sich Muheim ein in die zunehmend längere Liste von Poetry Slammern, die sich ihre Sporen beim Dichterwettstreit um eine Flasche Whisky abverdient haben und mittlerweile von ihren Texten, ihren Programmen leben können.

Seine Vorbilder? Gabriel Vetter war schon früh ein ganz grosses Idol, erzählt er. «Aber auch Franz Hohlers Kurzgeschichten oder die Texte von Tom Waits inspirieren mich sehr.»

Daher führte ihn sein Weg auch nicht einfach ins reine Comedyfach. «Ich sah mich nie als Stand-up-Comedian, habe aber grossen Respekt vor allen, die das machen. Ich möchte Geschichten erzählen, die auch funktionieren, wenn gar niemand lacht.»

So hat er sich gegen eine Pointenquote entschieden. Und auch dagegen, einfach auf der Lehrerschiene weiterzufahren. «Marketingmässig natürlich ein Desaster», sagt sein Regisseur Philipp Galizia in einer Probepause. «Auf dieser Schiene hätte Dominik noch jahrelang weitermachen können. Lehrerkonvente und dergleichen, das hätte immer funktioniert.»

Schneller Schlagabtausch

Aber Muheim wollte nicht schon so jung als «der mit den Lehrerwitzen» festgenagelt werden. «Das hätte mir nicht entsprochen, denn mir geht es nicht um die Witze, sondern ums Erzählen.» Daher nun der nächste Schritt: ein Stück.

Dieses abendfüllende Stück mit dem Titel «Chunt scho guet» handelt davon, dass ein gescheiterter Lebenskünstler und ein erfolgloser Barkeeper aufeinandertreffen und über Schicksal, neue Medien und Lebenspläne sinnieren.

Theater? Nah dran. Es sind deutlich mehr Dialoge drin als früher. Eine Weiterentwicklung, aber kein Neuland. Denn schon als Poetry Slammer hat Muheim den schnellen Schlagabtausch einstudiert. Zusammen mit Sven Hirsbrunner gewann er unter dem Namen «Das helvetische Dreieck» drei Jahre in Folge den Teamwettbewerb an den Schweizer Slam-Meisterschaften.

Jetzt bettet er dieses Talent ein in eine grosse Geschichte, greift dabei auch mal zur Gitarre. Die Musik kommt stärker zum Tragen. Und die Rhythmik im Duo ebenfalls. So begleitet ihn sein Bühnenpartner Sanjiv Channa nicht nur an der Perkussion mit Grooves, sondern auch mit dem Mund. Da steckt also noch immer Wortwitz drin, wechseln sich Erzählpassagen mit verbalem Pingpong ab. «Mich reizt es, in eine Rolle zu steigen, allerdings muss die mir nahe sein», sagt Muheim.

Philipp Galizia, selber bühnenerprobter Kleinkunstprofi, hilft wie beim ersten Programm mit seinen Anweisungen, die Bühnenshow in die richtigen Bahnen zu lenken. So viel sei nach unserem Einblick in die Probe schon mal verraten: Der Titel ist Programm: Das kommt gut.

Chunt scho guet: Premiere: 17. Januar, Palazzo Liestal. Weitere Aufführungen bis 26. 1. in Liestal, danach u. a. 25. 2. Casino Theater Winterthur, 9. 3. Sternensaal Wohlen, 15./16. 3. Theaterstudio Olten.