Nur noch drei Tage warten, dann ist es endlich so weit. Dann leuchten auf der dunklen Kinoleinwand wieder jene blauen Buchstaben auf, die uns in eine «weit, weit entfernte Galaxis» entführen.

Kein anderer Kinofilm wird so heiss erwartet wie «Star Wars: The Force Awakens», Teil sieben der epischen Weltraumsaga. Die Vorfreude unter den Zigmillionen Anhängern weltweit ist ins Unermessliche gestiegen. Der Online-Ticketvorverkauf brach in den USA bereits am ersten Tag innert weniger Stunden zusammen, so enorm war der Andrang.

Eigentlich ist das Kinojahr 2015 jetzt schon eines der erfolgreichsten aller Zeiten. Mit «Jurassic World», «Avengers: Age of Ultron», «Fast & Furious 7» und «Minions» haben sich nicht weniger als vier Filme aus diesem Jahr, gemessen an ihren weltweiten Einspielergebnissen, unter die Allzeit-Top-Ten gehievt. Verrückt. Noch verrückter aber: Der neue «Star Wars» wird sie alle toppen.

Die gigantischen Produktionskosten des Films von rund 200 Millionen Dollar werden laut Expertenschätzungen bereits am Startwochenende wieder reingeholt – und zwar um das Dreifache. Sogar die Bestmarke von «Avatar» (2,8 Milliarden Dollar Gesamteinnahmen) könnte ins Wanken geraten. Wie lässt sich dieses enorme Potenzial, diese unvergleichliche Popularität erklären?

Der offzielle trailer zu «Star Wars: The Force Awakens»

Der offzielle trailer zu «Star Wars: The Force Awakens»

Spektakel und Mythologie

Nun, die Macht war – sozusagen – schon immer mit «Star Wars». Als der erste Film im Mai 1977 anlief, bildeten sich vor den Kinos Schlangen, die um ganze Häuserblocks herumreichten. Geboren war die Bezeichnung «Blockbuster», die heute für jeden Spektakelfilm aus Hollywood verwendet wird. «Star Wars»-Schöpfer George Lucas führte damals eine neue Dimension des Spektakels ein und revolutionierte mit bahnbrechenden Spezialeffekten das Kino.

Aber «Star Wars» faszinierte nicht bloss mit Spektakel. Was die Fantasie der Fans langfristig beflügelte, waren die mythologischen Umrisse des Films. George Lucas erschuf ikonische Figuren wie Darth Vader, Obi-Wan Kenobi und Yoda, deren Dialoge abseits der Leinwand eine riesige Galaxie voller Geheimnisse erahnen liess: Sie sprachen von einer mythischen Macht, die alles Leben zusammenhält, und von einer zivilisierten Vergangenheit, als inzwischen ausgerottete Jedi-Ritter für Recht und Ordnung sorgten.

«Star Wars» erzählt eine klassische Geschichte von Gut gegen Böse und wirft zahllose Fragen auf, die Fans aller Generationen jahrelang zum Spekulieren und Träumen einluden. Auch nach dem fulminanten Kinofinale mit «Die Rückkehr der Jedi-Ritter» (1983) blieb die Welt von «Star Wars» noch lange im öffentlichen Bewusstsein haften, dank einer endlosen Merchandisingflut, und dank Magazinen, Videospielen und Büchern, in denen die Saga weiterlebte.

«Meine Kindheit vergewaltigt»

Doch dann wurde alles anders. George Lucas erzählte mit einer zweiten «Star Wars»-Trilogie (1999–2005) die Vorgeschichte seiner Saga. In den sogenannten Prequels (Episoden 1 bis 3) mutierte der unschuldige Anakin Skywalker zum bösen Darth Vader. Auch damals war die Vorfreude unter den Fans enorm, genau wie kurz darauf der finanzielle Erfolg der Filme.

Doch für viele Fans war «Star Wars» für immer zerstört. Lucas’ Inszenierungstalent ging in einem hohlen Spektakel an Computereffekten unter. Seine neuen Filme waren gespickt mit leblosen Digitalerzeugnissen wie dem tollpatschigen Alien Jar-Jar Binks, der von den Fans gehasst wird. Vom Charme der Originaltrilogie war keine Spur. «George Lucas hat meine Kindheit vergewaltigt», lautete einer der Leitsätze in besonders enttäuschten Anhängerkreisen.

Optimistisch dank Rückbesinnung

Heute sind die Fans wieder optimistisch, und das hat einen Grund: George Lucas verkaufte 2012 die «Star Wars»-Rechte an Disney, mit «The Force Awakens» hatte er nichts mehr am Hut. Den Regieposten hat mit J. J. Abrams ein Mann übernommen, der bereits mit den neueren «Star Trek»-Filmen eine verstaubte Science-Fiction-Serie erfolgreich herausgeputzt hat. Noch besser: Abrams ist selbst ein lebenslanger «Star Wars»-Fan und weiss, was die Magie der Saga ausmacht.

So bekräftigt der 49-jährige US-Amerikaner in jedem Interview, dass er beim Dreh wieder auf das Wesentliche fokussiert hat: auf praktische Effekte, auf echte Kulissen und Charaktere. Auf ein fühl- und erlebbares «Star Wars»-Universum. Denn Abrams weiss: So riesig die Vorfreude gerade sein mag, sein Film muss den Zauber von einst wieder zum Leben erwecken. Sonst wird «Star Wars» ein zweites Mal zerstört. Das kann Abrams den Fans nicht zumuten – am allerwenigsten sich selbst.

Star Wars: The Force Awakens
Ab Donnerstag, 17. Dezember, im Kino.