Facebook

«Jüngere Kinder sollen keinen unbegleiteten Zugang zu Facebook erhalten»

20 Prozent der Primarschüler in der Schweiz sind auf Facebook. Dies obwohl man offiziell 13-Jahre alt sein muss. Nun sucht Facebook nach Wegen, sich auch für jüngere zu öffnen. Der Medien-Experte Olivier Steiner hält das für unverantwortlich.

Was halten Sie davon, dass Facebook offenbar bald unter 13-Jährige offiziell auf dem sozialen Netzwerk zulassen will?

Olivier Steiner: Facebook begibt sich damit rechtlich auf dünnes Eis. Ich halte es für eine unverantwortliche Unternehmensstrategie, eine noch in hohem Grad unmündige Zielgruppe anzustreben, da bei Online-Communities Gefahren wie Grooming (Sexualisierte Ansprache von Kindern) oder Cyberbullying (Mobben im Internet) drohen.

In den USA verfügen über die Hälfte der 12-Jährigen über einen Facebook-Account. In der Schweiz sind es rund 20 Prozent der Primarschüler. Ist es da nicht sinnvoll, das Portal auch offiziell für Kinder zu öffnen?

Meine ich eben nicht. Es geht darum, klare Signale zu setzen.

Was sollte Facebook denn tun?

Facebook sollte hier proaktiv eine klare Grenze ziehen und die Anstrengungen verstärken, dass jüngere Kinder keinen unbeaufsichtigten Zugang zum Netzwerk erhalten. Facebook könnte die Eltern mit Kampagnen über die Wichtigkeit der Begleitung ihrer Kinder im Internet und in Online-Communities aufmerksam machen.

Ab welchem Alter sollen Eltern ihren Kindern den Zugang zu Facebook erlauben?

Man kann keine exakte Altersempfehlung geben. Der Trend geht dahin, dass immer jüngere Kinder bereits Online-Communities nutzen. Dann kann der Druck entstehen, dass der 12-Jährige sagt: «Aber alle anderen in meiner Klasse sind auch dabei.»

Was raten Sie den Eltern in dieser Situation?

Für die Eltern gilt es zwischen einem möglichen sozialen Ausschluss und dem Schutz vor einem zu frühen Einstieg abzuwägen. Jüngere Kinder sollten bei einem Beitritt eng begleitet werden und auch in der Folge nicht unbeaufsichtigt kommunizieren können. Wichtig sind auch Gespräche mit den Kindern über die Risiken. Bei unter 13-Jährigen sollten die Eltern den Zugang zum Profil haben und gemeinsam mit dem Kind die ersten Schritte machen.

Facebook will eine neue Funktion einführen, sodass Eltern entscheiden können, mit wem sich ihre Kinder auf dem Portal «befreunden» dürfen und welche Anwendungen sie nutzen können. Ist das ein sinnvoller Schutz?

Ja, sofern die Eltern überhaupt wissen, dass die Kinder ein Profil besitzen. Hier ist es wichtig, das die Eltern ihre Verantwortung in der Medienerziehung wahrnehmen. Unsere Studie «Medienkompetenz und medienerzieherisches Handeln von Eltern» zeigt, dass viele Eltern zwar über die Internetnutzung ihrer Kinder besorgt sind, aber dennoch über 60% der Eltern nicht kontrollieren, ob ihr Kind ein Profil in einer Online-Community wie Facebook hat.

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