Rock

Jubiläum der Aarauer Rockband Ricky Harsh mit neuem Album

Ricky Harsh sind jetzt ein Quartett: Elias Knoblauch, Dave Knoblauch, Alessandro Fierz und Chris Derendinger.

Ricky Harsh sind jetzt ein Quartett: Elias Knoblauch, Dave Knoblauch, Alessandro Fierz und Chris Derendinger.

Ricky Harsh veröffentlichen ihr zweites Album und feiern an der Albumtaufe im KIFF ihr zehnjähriges Bestehen.

Wenn sich Schulfreunde zusammentun und eine Band gründen ist das meist ein ebenso grosser wie kurzer Spass. Vielen Bands gelingt es nicht, ihr Bestehen über den Schulabschluss und über private und musikalische Veränderungen hinauszutragen. Ganz anders ist das bei der ­Aarauer Rockband Ricky Harsh. Schon seit zehn Jahren gibt es das Trio mit Chris Derendinger (Sänger, Keyboards, und Gitarre) Alessandro Fierz (Gitarre) und Elias Knoblauch (Schlagzeug), das kürzlich mit Dave Knoblauch (Bass) zum Quartett gewachsen ist. Mit der Taufe ihres zweiten Albums, «diX», am 27.12.2019 im KIFF feiern sie ihren runden Geburtstag.

Auf die Frage, was das Geheimnis für eine solch lange Partnerschaft sei, weiss Chris Derendinger, Bassist und Sänger der Band, selbst keine genaue Antwort. Schnell wird aber klar, dass es hier um Freundschaft geht. Und darum, sich gegenseitig als musikalische Individuen zu respektieren. «Wir haben in den letzten zehn Jahren gelernt, aufeinander musikalisch Rücksicht zu nehmen und ohne Einschränkung von Stilrichtungen Musik zu machen», sagt Derendinger. So habe es Zeit gebraucht, zu erkennen, dass alle Instrumentalisten im Grunde einen unterschiedlichen Musikbackground haben.

Aufnahmen entstanden in Eigenregie in Sardinien

«Wir lassen uns in keine Ecke mehr drücken, wir wollen keinem musikalischen Bild anderer entsprechen», erzählt Derendinger weiter. Dass man als junge Band ständig mit anderer, bereits existierender Musik verglichen wird, ist ein Phänomen, unter dem viele junge Musiker leiden. In der digitalisierten Welt von heute wird dieses Phänomen sogar noch verstärkt. Wer keine schnelle und eindeutige Aussage hat, wird in der Spotify-Playlist geskippt (übersprungen). Ricky Harshs neue Musik auf «diX» ist vielschichtig. Dass die Band sich und ihren «Space-Harsh-Rock» stilistisch geöffnet hat, wird auf ihrem neuen Album sofort klar.

Im Vergleich zum Vorgänger «II» von 2016 folgt der neue Longplayer keiner reinen Rock-’n’-Roll-Attitüde und offenbart eine erwähnenswerte Vielfalt stilistisch unterschiedlicher Einflüsse. Diese Offenheit ist ein selbst erarbeiteter Glücksfall für die Band. Während der Opener «Golden Fast Lane» musikalisch einen hörbaren Bezug zum älteren Album herstellt, zeigt sich spätestens mit dem dritten Stück, «Nightingale», dass Ricky Harsh neue Wege gehen. Da spielt ein souliges E-Piano, da gibt es Taktwechsel, da winden sich chromatische Melodielinien bis hoch zu einem Saxofonsolo von Gastsolist Christoph Huber, das dem Free Jazz der 70er-Jahre entstammen könnte.

Aufgenommen hat das Quartett sein neues Album mithilfe des Toningenieurs Hans Peter Gutjahr in Eigenregie auf Sardinien. «Die Aufnahmen entstanden nicht mit dem Gefühl, im Studio zu sitzen, es war eher ein Grillieren mit Freunden», meint Derendinger dazu. Der Do-it-Yourself-Charakter passt zur Band und ihrer Geschichte, die Musik klingt roh und ungeschliffen. An manchen Stellen hätte ein Produzent mit Ambitionen auf einen Mainstream-Charterfolg wahrscheinlich geschnitten und poliert, dieser unverfremdete Aufnahmeprozess verhilft «diX» aber zu seinem persönlichen Charakter.

Songs, die Lust auf Livekonzert machen

Genauso wie Songs, die mit Strophen und Refrains nach einem eher traditionelleren Rockprinzip funktionieren, sind auch Stücke auf «diX» zu finden, die ganz anders gearbeitet sind. «Robot Love/Mechanical Romance» lässt den Gesang ganz weg und bleibt instrumental, der knarrende Bass und sphärische Flächen nehmen die Hörer auf lange Spannungsbögen mit.

Ähnlich unkonventionell ist mit «The Ruler» auch der letzte Song des Albums. Das fast neunminütige Stück, das zwar an einen Jam erinnert, aber dabei nie ziellos mäandriert, sondern immer nach vorne treibt, macht Lust, die Band live zu erleben. Das kann man tun. Am Freitag, 27. Dezember, taufen Ricky Harsh ihr Album im KIFF.

Noch gerade rechtzeitig zum Jahresende feiert das Quartett an der «Äquatortaufe», wie die Band inspiriert durch das Albumcover ihre Party nennt, auch sein zehnjähriges Bestehen. Die neue Dekade von Ricky Harsh einläuten werden an diesem Abend eine Liste von Special Guests, darunter finden sich Namen wie Los Promillos, Batbait oder Juan Lemon. Man darf gespannt sein, wie die nächsten zehn Jahre von Ricky Harsh aussehen werden.

Ricky Harsh – diX, Releaseparty am 27.12.2019, KIFF Aarau

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