Kultur

Jazzlegenden in Zürich: So schön klingt Altersmilde

Charles Lloyd in der Gessnerallee Zürich.

Charles Lloyd in der Gessnerallee Zürich.

Die Jazzlegenden Charles Lloyd und John McLaughlin haben das Festival Jazznojazz in Zürich eröffnet. Trotz ihres Alters sind sie noch beneidenswert kreativ und voller Schaffenskraft. Charles Lloyd kam sogar mit neuer Band.

Noch einmal die Grösse erleben, noch einmal die Aura spüren, noch einmal eintauchen in die Hochblüte des Jazz. Der Kreis der lebenden Legenden wird immer exklusiver. Oft enden diese Konzerte der einstigen Helden aber eher traurig, weil sie die hohen Erwartungen aus Altersgründen nicht mehr erfüllen können.

Nicht so Charles Lloyd. Der 81-jährige amerikanische Saxofonist und Flötist ist trotz seines hohen Alters noch beneidenswert kreativ und voller Schaffenskraft. Zur Eröffnung des Festivals Jazznojazz in der vollgepackten Gessnerallee in Zürich präsentierte das einstige Idol der Hippies seine neuste Band, die er um seinen bewährten Schlagzeuger Eric Harland geschart hat.

Die neue Formation ist gut. Auch Lloyd zeigte seine Freude und tanzte selbstvergessen zu den Soli der jüngeren Kollegen. Der Saxofonist mit Wollmütze und der dunklen, runden Brille blieb in Zürich aber Dreh- und Angelpunkt des Konzerts. Natürlich ist sein Ton nicht mehr so mächtig. Vor allem im oberen Register hat er an Strahlkraft eingebüsst. Doch der Meister kompensiert dieses Nachlassen mit einem butterweichen Ansatz. Wie von allein sprudeln die Legato-Trauben aus seinem Horn und verströmen eine friedliche Stimmung, Ruhe und Gelassenheit. Es ist eine Musik frei von Aggressionen. Die Gesetze von Raum und Zeit scheinen ausser Kraft gesetzt. Da steht einer, der den Frieden mit sich und der Welt gefunden hat. Noch nie klang Altersmilde so schön.

Hochleistungs-Jazz mit John McLaughlin

Nur vier Jahre jünger ist John McLaughlin, einer der bedeutendsten Gitarristen des Jazz. Auch der Engländer ist noch voll im Saft, das Alter sieht man ihm sogar noch weniger an. Der Musiker ist wie Lloyd ein spiritueller Mensch, doch die Musik klingt ganz anders. McLaughlin hat den Rock-Jazz der 1970er-Jahre massgeblich geprägt, in dem die technischen und artistischen Fähigkeiten der Instrumentalisten ein wesentlicher Bestandteil waren.

Schneller, lauter, besser, lautete die Losung. Die Musiker seiner aktuellen Band 4th Dimension erfüllen diese stilistischen Anforderungen vollumfänglich. Umwerfend sind die schnellen Unisono-Themen, atemberaubend die rasenden Soli des Bandleaders und seiner Musiker. Vor allem der britische Multi-Instrumentalist Gary Husband konnte an Schlagzeug und Keyboard seine überragende technische Brillanz beweisen. Natürlich können es diese Alleskönner auch anders. Im Gegensatz zur Musik von Charles Lloyd scheint diese Art des Hochleistungs-Jazz aber seltsam antiquiert.

Jazznojazz. Gessnerallee, Zürich. Bis 2. November.

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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