Solothurner Filmtage

In Solothurn wurden die Nominationen für den Schweizer Filmpreis bekannt gegeben – dabei zeigt sich ein Problem besonders deutlich

Diese Filmschaffenden dürfen auf einen Quartz hoffen.

Diese Filmschaffenden dürfen auf einen Quartz hoffen.

Die 55. Solothurner Filmtage und die Macht der Produzenten.

Die Schweizer Filmakademie, 2008 gegründet, setzt sich aus über 500 Mitgliedern aus allen Sparten der Schweizer Filmbranche zusammen, wählt die Nominierten und schliesslich die Gewinner des Schweizer Filmpreises Quartz. Ausgerichtet wird der Preis aber vom Bundesamt für Kultur (BAK) mit dem Ziel, dem Schweizer Film in der Öffentlichkeit zu grösserer Sichtbarkeit zu verhelfen.

Das Verfahren läuft so, dass die Produzenten ihren Film beim BAK anmelden müssen. Dann wird aufgrund vielfältiger Kriterien geprüft, welche Filme das Prädikat «Schweizer Film» bekommen. Zum Beispiel muss ein gewisser Prozentsatz der Finanzierung in der Schweiz liegen; es sind also nicht automatisch alle Koproduktionen eingeschlossen.

Ab Mitte November konnten die Akademiemitglieder diesmal die Bewerber einsehen – etwa 18 Spiel- und 30 Dokumentarfilme – und sich für Vorschläge in einer, mehreren oder allen Kategorien anmelden. Naturgemäss geht man davon aus, dass die Mitglieder insbesondere dort ihre Stimme abgeben, wo sie sich kompetent fühlen: Schauspieler für Schauspieler, Kameraleute für Kameraleute etc.

Während die Nominationen für den Schweizer Filmpreis jeweils am Ende der Solothurner Filmtage bekanntgegeben wurden, hat sich das BAK heuer dazu entschlossen, das Ganze vorzuverlegen. Zugunsten der Akademiemitglieder oder des Publikums?

Für Erstere ist es dann im Grunde schon zu spät, obwohl es eine Illusion ist zu glauben, dass sich jeder schon auf die Nominationen hin alle Filme anschaut. Jedenfalls hat man nun die Gelegenheit, sich die nominierten Werke im Rahmen der Filmtage anzuschauen.

Für die zwölf Kategorien steht ein Nominationsgeld von 442'500 Franken zur Verfügung. Die vom Eidgenössischen Departement des Innern gewählte fünfköpfige Kommission aus Akademiemitgliedern fand sich gestern Morgen ein, um aufgrund der Vorschläge ihrer Kollegen die Nominierten zu bestimmen.

Die Nominierung wird ­ mit Geld belohnt

Das Geld wird mit den Nominationen ausgeschüttet, das bedeutet, der tatsächliche Gewinn eines Quartz am 27. März in Zürich ist «nur noch» Ruhm und Ehre. C-Films, die Produktionsfirma hinter «Platzspitzbaby», hat den Film, der nach seinem Start am 16. Januar gleich auf Platz 1 der Kinocharts landete, nicht beim BAK angemeldet. Noch ist nicht sicher, ob sie das nächstes Jahr, nach der Kinoauswertung, nachholen wollen.

«Jagdzeit» von Sabine Boss hingegen wurde eingereicht. Der Thriller um einen Topmanager feiert erst heute in Solothurn Weltpremiere, Filmstart ist der 20. Februar. Ob es eine Produktion aus diesem oder aus dem letzten Jahr ist, spielt für eine Zulassung keine Rolle. Wieso werden nicht einfach alle (Kino-)filme aus dem jeweils letzten Jahr, welche die BAK-Kriterien erfüllen, fürs Rennen um den Schweizer Filmpreis zugelassen?

Dass die Produzenten über eine Einreichung beim BAK entscheiden, kann sich negativ auf Cast und Crew auswirken und verleiht dem Ganzen den Beigeschmack einer willkürlichen Auswahl. Im Fall von «Platzspitzbaby», einem Film, der bei Publikum und Kritik gleichermassen gut ankommt, zeigt sich das besonders deutlich. Sarah Spale und Co. hätten garantiert abgeräumt. Und das ist schon ­irgendwie absurd.

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