Tatort-Kolumne

In diesem Tatort sind die Kommissare Links- und Rechtsextremisten auf der Spur

Tatort - «Ein paar Worte nach Mitternacht». SRF1, 20.05 Uhr.

Tatort - «Ein paar Worte nach Mitternacht». SRF1, 20.05 Uhr.

Der Berliner Tatort «Ein paar Worte nach Mitternacht» ist eine sehr deutsche Angelegenheit. Sein Ziel, zu 30 Jahren deutscher Einheit die groben Verwerfungen in der Gesellschaft sichtbar zu machen, hat er nicht verfehlt.

Es geht um angehäufte Kriegsschuld, Verdrängung, Aufarbeitung und Wiedergutmachung. Am Beispiel einer Bauunternehmerfamilie, deren Vertreter sich über drei Generationen an den Verfehlungen der jeweils anderen Generation reiben und in ihren Schicksalen ähnlich gefangen bleiben wie Tschechow-Figuren, zeigt Regisseurin Lena Knauss die Lebensrealität einiger deutscher Familien auf.

Wenn die Berliner Ermittler Karow und Rubin gegen ihren Willen mit «Gummistiefeln» in der braunen Sosse herumwaten müssen, weil ihnen da die jüngere und ältere braune Vergangenheit entgegenschwappt, wenn sie über Links- und Rechtsradikale stolpern, über Abgehängte und Arrivierte, und dabei unfähig zu sein scheinen, den überschaubaren Kreis der Verdächtigen einzukreisen, kann einem schon mal schwindlig werden.

Es blitzt viel Menschlichkeit auf

Trotzdem erstarrt der Fall um den Tod eines 90-jährigen Bauunternehmers, der vom leiblichen Vater von Rubin-Darstellerin Meret Becker gespielt wird, nicht zum leblosen Mahnmal. Es blitzt viel Menschlichkeit hinter den Schicksalen dieser ideologisch verirrten Menschen auf.

In einer Zeit, in der die braunen Ränder der Gesellschaft wieder dicker werden, kommen einem diese mahnenden «Nie mehr»-Botschaften, die am Beispiel von Einzelschicksalen aus der Vergangenheit uns das Grausen lehren, gar nicht mehr so peinlich vor wie noch vor wenigen Jahren, sondern dringend notwendig.

Den Trailer finden Sie hier.

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Autor

Julia Stephan

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