Hundert Hände schraffieren im Aargauer Kunsthaus

Für eine Kollektivperformance des Basler Schlagzeugers Fritz Hauser treten 50 Menschen im Aargauer Kunsthaus auf - alle sind Laien.

Kelly Spielmann
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Fritz Hauser klatscht in die Hände, ein lautes Echo wandert durch die Alte Kirche in Boswil. Um ihn herum ist noch immer Geflüster zu hören. Er klatscht erneut, diesmal lauter und mit strengem Blick im Gesicht, das Gerede verstummt. «Bei so vielen Leuten muss man manchmal etwas streng sein», wird er später sagen. 50 Menschen sind es, die in der Alten Kirche für das aktuelle Projekt des Schlagzeugers proben, alle sind Laien. Hauptsächlich sind es Frauen, nur drei Männer sind zu finden. Auch neun Kinder sind dabei. Sie alle haben Stäbe in den Händen, die Schlagzeugstöcken ähneln. Einer der beiden Holzstäbe ist jeweils mit Rillen versehen. Mit ihnen werden die 50 Laien am Freitag und Samstag im Aargauer Kunsthaus eine Schraffur-Performance zeigen.

Masken und Mäntel sorgen für Anonymität

Hauser experimentiert regelmässig mit Klang. So hat er beispielsweise im Frühling für eine Performance 16 Musiker im Kunstmuseum Basel verteilt und so versucht, die Architektur akustisch erlebbar zu machen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass der Schlagzeuger und Komponist mit Schraffur arbeitet. Die Geräusche erinnern ihn an seine Kindheit: das repetitive Schaben, Wischen und Kratzen, das beim Zeichnen mit Neocolor-Stiften oder beim Abpausen rauer Oberflächen mit dem Bleistift entsteht. Vergangenes Jahr hat sich Michael Schneider, ehemaliger Geschäftsführer des Künstlerhauses Boswil, bei Hauser gemeldet, nachdem er vergangene Schraffur-Projekte des Baslers gesehen hatte. «Er sagte: So was will ich auch im Aargau», erzählt Hauser. «Das fand ich eine gute Idee, ich habe ja eigentlich nichts gegen den Aargau», fügt er an und lacht.

Schnell sei die Wahl auf das Aargauer Kunsthaus gefallen. Weil ein Auftritt im leeren Kunsthaus nicht möglich war, habe man sich entschieden, die Performance während der aktuellen Ausstellung «Maske. In der Kunst der Gegenwart» zu zeigen. Das sei einer der Gründe, weshalb die Schraffierenden während der Aufführung Masken tragen. «Es geht aber auch um die Vermummung», so Hauser. «Das schafft Anonymität und wirkt abstrakter.»

Die Masken tragen die Schraffierenden nun bei der Probe, während sie in kleinen Gruppen in der und um die Kirche verteilt üben. Magdalena Reisser vom Künstlerhaus hat sie zuvor verteilt, damit sie sich an das Gefühl, die Maske zu tragen, gewöhnen können. Doch während sie jetzt noch in ihren Alltagskleidern an der Sonne proben, könnte es an den Aufführungen etwas unangenehmer werden: «Einige Gruppen werden draussen schraffieren», sagt Hauser. «Es könnte kalt werden und regnen.» Deshalb tragen sie während der Performance Mäntel und Halstücher, die auch der Vermummung dienen.

«Männern fehlt die Courage für Kunstprojekte»

Die Kinder tragen Pelerinen und schraffieren mit grösseren Stöcken. «Eine Lehrerin hat sich gemeldet und erzählt, einige ihrer Schüler hätten Interesse. Das hat mich gefreut», erzählt Hauser. Anfangs habe er 100 Laien gesucht, nun sei er froh, dass es nur 50 sind. «Es wären zu viele gewesen. Nun sind es eben hundert Hände», sagt er. Generell sei er mit der Gruppe zufrieden. Nur etwas mehr Männer hätte er sich gewünscht: «Männer interessieren sich leider weniger für solche Aktionen, ihnen fehlt die Courage», meint Hauser. «Dabei könnten Männer bei einem Projekt wie diesem viel lernen, besonders von den Frauen.»

Schraffur: Freitag, 1. und Samstag, 2. November, 18 Uhr und 19.30 Uhr, Aargauer Kunsthaus.