Tierische Gesten

Hunde sind auch nur Menschen

Das tänzerische Spiel des Ensembles ist von Hunden inspiriert.

Das tänzerische Spiel des Ensembles ist von Hunden inspiriert.

«Doggy Style» von Joshua Monten kombiniert tänzerisch das Gebaren von Hunden mit Gebärdensprache. Ein faszinierender Versuch, der auf halber Strecke stecken bleibt. Am 6. und 7. März um 20:00 Uhr im Theater Roxy.

Eine Tänzerin in Pelzkappe erscheint unvermittelt auf dem weissen Quadrat der Bühne und zeichnet mit gestreckter Hand Gesten in die Luft. Drei weitere Tänzerinnen und Tänzer kommen hinzu. Die Zeichen erweisen sich als Signale, denen diese wie Hunde folgen. Anlocken, Abweisen, Verführen, ein Ballwurf, schliesslich lautes Klatschen, um die tollenden Tiere zurückzuholen. In steigender Frequenz wird der Ablauf wiederholt, bis die Gesten überflüssig sind und die Bewegungen sich verselbstständigen.

Joshua Monten wurde mit seinem Stück «About strange lands and people» weitherum bekannt, in dem er die Gebärdensprache mit Tanz verband. «Doggy Style» ist die Weiterführung, quasi die Fortsetzung ins Reich der Tiere. Ein Chow-Chow (Derrick Amanatidis), ein Deutscher Schäferhund (Karolina Kraczkowska), ein Labrador Retriever (Ariadna Monfort) und ein Scottish Terrier (Jack Wignall) geben sich ganz dem tierischen Spiel hin.

Die Gruppenchoreografien mit dem Bewegungsrepertoire von Hunden, Zweierszenen verliebter Hunde oder junger Rüden faszinieren. Die Wiedererkennbarkeit zeigt unsere Nähe zu diesen Tieren eindrücklich auf.

Auch die Momente, in denen die Hunde-Menschen ihre Charakterzüge beschreiben, immer begleitet von menschlicher Gebärdensprache, lassen die Grenze zwischen uns und ihnen verschwimmen. So giert der Labrador nach Work-outs. Zweimal täglich. Oder der Scottish Terrier sieht sich von den Kollegen auf den Arm genommen, wenn er versucht zu erklären, dass er klein und lieb ist.

Aus liebem Spiel wird Knurren

Weniger lieb wirkt es, wenn sie ihre Zähne blecken und mit einem verblüffenden Sortiment an Beiss-, Knurr- und Schnappgesten aufeinander losgehen. Übereinandergelegte Ellbogen, Zahnreihen aus gegeneinandergestellten Fingern, die Virtuosität der Ideen ist immens. Leider erschöpft sich der Abend etwas in diesem Spiel mit dem tierischen Gebaren.

Natürlich ist die Grenze von Tier und Mensch omnipräsent, allein durch die Tatsache, dass Menschen Tiere spielen. Was diese Grenze aber bedeutet, findet kaum Beachtung. Einmal macht sich der Chow-Chow rammelnd an den Schäferhund ran. Er beschnuppert sie, dann bespringt er sie. Kurz blitzt hier die Frage auf: Was wäre, wenn das ein Mann täte? Sie reagiert dominant, verweist das Tier auf seinen Platz.

Verblüffend ist die Lesbarkeit der Gesten, auch der Gebärdensprache, die immer wieder ohne Worte eingeführt wird, und erst später Erklärung findet. Hier funktioniert der Versuch, der Brückenschlag, doch ist es eine intellektuelle, keine emotionale Ebene. Dafür verharren die Szenen zu sehr im vagen, verspielten. Man vermisst einen Moment existenzieller Kraft oder Gewalt, wie er zum Tierreich gehört, und sublimiert auch zu den Menschen.

Was bleibt, ist der Eindruck einer raffinierten Spielanlage, grossartiger Gruppenmomente und verblüffender Einfälle, deren Potenzial aber nicht voll ausgeschöpft wurde. Trotzdem lohnt es sich, diesen Abend zu sehen. Er ist anders und für Gehörlose möglicherweise besser verständlich als für den Rest der Menschen.

«Doggy Style» am 6. und 7. März um 20:00 Uhr im Theater Roxy.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1