Machtmissbrauch
Herrscht im Opernhaus Zürich ein Klima der Angst?

Das Opernhaus Zürich fürchtet sich vor der Ausstrahlung eines TV-Interviews, in dem ein Mitarbeiter erzählt, dass im Haus angeblich ein Klima der Angst und der Einschüchterung herrsche. Nun macht man proaktiv eine Umfrage.

Christian Berzins
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Opernhausintendant Andreas Homoki geht in die Offensive.

Opernhausintendant Andreas Homoki geht in die Offensive.

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Das Opernhaus Zürich kommt nicht zur Ruhe. Am Anfang der Wirren standen Recherchen dieser Zeitung: Sie hatten gezeigt, dass hinter dem überraschenden Abgang von Operndirektor Michael Fichtenholz im Januar eine Untersuchung wegen Belästigung und Machtmissbrauch gestanden hatte. Der Prozess wurde einvernehmlich beendet, es wurden von keiner Seite her weitergehende Schritte, insbesondere keine rechtlichen, beantragt. Alle Beteiligten gelobten, darüber zu schweigen. Eine grosse Anzahl Medien nahm die Geschichte auf, machte die sexuelle Gewalt an den Theatern endlich zum Thema.

Fehlt es an Schutz für Mitarbeitende?

In einem dieser Zeitung vorliegenden Schreiben – es ist unterzeichnet von Intendant Andreas Homoki, dem kaufmännischen Direktor Christoph Berner und der Direktorin für Marketing, PR & Sales Sabine Turner - wendet sich die Opernhausleitung erneut an die Mitarbeitenden. Es wird informiert, dass «eine Kollegin oder ein Kollege des Opernhauses» der Redaktion von SRF Kulturplatz letzte Woche ein Interview gegeben habe, das am 7. April in anonymisierter Form ausgestrahlt werden soll.

Im Schreiben heisst es, dass das Opernhaus und auch Regierungsrätin Jacqueline Fehr aufgefordert seien, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Der genaue Inhalt des Interviews ist dem Opernhaus noch nicht bekannt, aber ungemütlich für Intendant Homoki ist er allemal: Gemäss SRF-Redaktion werde in dem Interview nämlich berichtet, dass im Opernhaus ein Klima der Angst und der Einschüchterung herrsche und dass Mitarbeitende nicht genügend vor Machtmissbrauch geschützt würden.

Diese Aussagen würden die Leitung sehr betroffen machen - und sie seien alarmierend. In Abstimmung mit dem Personalrat will das Opernhaus mit einer eigenen Umfrage unter den Mitarbeitenden herausfinden, ob diese Aussagen die Wahrnehmung einer Einzelperson sind oder ob sie von einem grösseren Teil der Belegschaft bestätigt werden: «Wir möchten wissen, wie es in Ihrer Wahrnehmung um unser Betriebsklima bestellt ist und ob es hier möglicherweise Handlungsbedarf oder sogar dringenden Handlungsbedarf gibt», schreibt das Leitungstrio.

Imageschaden soll verhindert werden

Die Ergebnisse dieser Umfrage sollen eine Basis geben, auf Presseanfragen fundiert reagieren zu können, aber auch Indikator dafür sein, ob es am Opernhaus Zürich tatsächlich systematische Missstände gebe. Sollte sich dies bestätigen würde man in Abstimmung mit dem Personalrat geeignete Massnahmen zur Behebung in die Wege leiten.

Es ist der Leitung ein aufrichtiges Anliegen, dass im Opernhaus Zürich eine angstfreie und wertschätzende Arbeitsatmosphäre herrsche und gelebt werde. Und so bittet man alle Mitarbeitenden des Opernhauses inklusive der Mitglieder der Nachwuchs­programme Internationales Opernstudio, Juniorballett und Orchesterakademie, diese absolut anonyme Onlineumfrage bis zum 26. März 2021 auszufüllen. Es gäbe keine richtigen oder falschen Antworten, wichtig sei allein die Sichtweise.

Man hofft nun, dass viele Mitarbeiter mitmachen, denn nur mit einer repräsentativen Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern könnten verlässlich Aussagen über das Betriebsklima vorgenommen werden. Mit der Umfrage will das Opernhaus in die Offensive gehen, sollen die Ergebnisse der Befragung doch im «Sinne der grösstmöglichen Transparenz» der Belegschaft kommuniziert und auch veröffentlicht werden.

Das Ziel ist klar: Den Anklagen des anonymen Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin will man die Kraft nehmen und das Gegenteil beweisen. Es ist für das Haus zu hoffen, dass es Intendant Andreas Homoki gelingt.

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