Haarige Geschichten

Haare seien unser feinstes Körperteil, sagt die Filmerin Anka Schmid. Und beweist es auch in Buchform.

Sabine Altorfer
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Ein paar Haare reichenfür ein Gesicht. (Bild: Anka Schmid, RECK Filmproduktion)

Ein paar Haare reichenfür ein Gesicht. (Bild: Anka Schmid, RECK Filmproduktion)

Haare haben wir einfach – oder auch nicht. Doch was machen wir nicht alles mit ihnen? Eine glatte Mähne zu Locken drehen, gekräuseltes Haar strecken, sie rot, grün oder blond färben. Mann trägt Schnauz oder Bart, Frau Schamhaar oder nicht. Absichtslos passiert das nie. Mit unserem Haar verbreiten wir Botschaften, folgen Moden, revoltieren.

Dem eigenen Haarwuchs nach

Anka Schmid hat darüber einen Film gedreht («Haarig», 2017) und im Nachgang ein Buch gestaltet. Sie folgt mit viel Witz und wenig Berührungsängsten ihrer eigenen haarigen Biografie – vom Babyflaum über die ersten Schamhaare und ihre rote Protestmähne bis zum Grau und haarigen Kunstexperimenten. Sie verbindet sie zusammen mit Co-Autor Bernd Müllender zu einer prächtig spriessenden Kulturgeschichte der Haare: Von Samsons Stärke und Karl Marx nicht dokumentierter bartloser Zeit über die Revolte der Pilzköpfe und Punks bis zu Redewendungen in fremden Sprachen und Perückenkunst. Wir lernen darüber hinaus, dass ein einziges Haar alles verderben kann: Wenn es in der Duschwanne schwimmt oder den Kokainkonsum entlarvt.

Anka Schmid, Bernd Müllender: Haarig! Revolte, Magie, Erotik. Edition Zeitblende, 272 Seiten.

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