«Was für eine Affenhitze! Kann ich ein neues ‹Hemmli› haben?», fragt Baschi mit Blick an den Bühnenrand und tauscht darauf sein nassgeschwitztes Hemd gegen ein trockenes aus. An diesem Samstagnachmittag brennt die Sonne ganz schön auf den Park im Grünen in Münchenstein und bringt dabei nicht nur den Sänger gehörig ins Schwitzen.

Am Freitagabend hat hier noch der deutsche Popsänger Andreas Bourani gespielt. Am Samstag ist die Summerstage dann fast ausschliesslich in Schweizer Hand. Auf die Sängerin Lina Button, die das Festival an diesem Tag eröffnet, folgt Anna Rossinelli. Noch ist das Publikum etwas verhalten, als die Basler Band Hits wie «Let it Go» oder Songs ihres neuen Albums «White Garden», wie die melancholische Ballade «Hold Your Head Up», zum Besten gibt.

Bei Temperaturen weit über dreissig Grad bewegen sich viele Festivalbesucher zu diesem Zeitpunkt lieber noch entlang der wenigen Schattenplätze auf dem Gelände. Auch diejenigen, die es sich auf dem sonnigen Hügel schon mal auf der Picknickdecke gemütlich gemacht haben, sind noch damit beschäftigt, sich irgendwie abzukühlen oder von Kopf bis Fuss mit Sonnencreme einzureiben.

Die orangen Tücher, die am Eingang verteilt werden und die in Wasser getunkt für die nötige Abkühlung sorgen sollen, hat sich hier deshalb auch gefühlt jeder Zweite um den Kopf oder Nacken gebunden. Nach kurzer Zeit sind die «Diechli» auch schon vergriffen. Pech für diejenigen, die erst jetzt den Weg nach Münchenstein gefunden haben. Doch auch mit einer Glace lässt es sich prima abkühlen – die Schlange vor dem McFlurry-Stand wird jedenfalls immer länger.

Baschi heizt Publikum ein

«Mer seit de Baschi isch e Schlampe», dröhnt es dann aus den Boxen, als der Baselbieter Sänger kurz nach 18.30 Uhr auf die Bühne springt. Sofort kommt das Publikum in Fahrt. Ein Hit folgt auf den nächsten. Bei Songs wie «Wenn das Gott wüsst», «Gib mer ä Chance» oder «Irgendwie wunderbar» springen nicht nur die vorderen Reihen auf und singen aus voller Kehle mit.

Auch der Sänger gibt alles: «Jetzt hets mi voll uff d Frässi ghaue», sagt er und rappelt sich wieder auf. Eben eine absolute Rampensau dieser Baschi, der, nachdem er auf der Bühne sein verschwitztes Hemd gewechselt hat, auch noch im Publikum mit seinen Fans auf Tuchfühlung geht. Und spätestens bei der Fussballhymne «Bring en hei» hält es dann auch in den hinteren Reihen fast niemanden mehr auf der Picknickdecke.

Auf das ausgelassene Tanzen und Grölen folgt dann eine kleine Verschnaufpause. Zu den melodischen Klängen des deutschen Popsängers Johannes Oerding genehmigen sich viele noch schnell einen Hot Dog oder eine Portion Älplermagronen. Zu Songs wie «Heimat» oder «Kreise» sitzen sie gemütlich auf der Wiese, wippen mit, als die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwindet und endlich für ein wenig Abkühlung sorgt. Eine malerische Stimmung, die perfekt zu diesem idyllischen Ort passt.

Gänsehaut dank Patent Ochsner

Langsam wird die Schlange vor den Bierständen immer länger, weil jetzt auch noch die letzten Festivalbesucher eintrudeln, die eigentlich nur aus einem Grund nach Münchenstein gereist sind. Denn der Headliner an diesem Abend heisst Patent Ochsner. Die Berner Mundart-Band ist wohl auch dafür verantwortlich, dass der Samstag restlos ausverkauft ist.

Noch bevor die Band, die bald ihr 30-jähriges Jubiläum feiert, den ersten Ton spielt, haben sie das Publikum – Jung und Alt – auch bis zur hintersten Reihe in der Tasche. Als sie kurz vor 22 Uhr die Bühne betreten, ist der Park gestossen voll und spätestens als die ersten Akkorde von «W. Nuss vo Bümpliz» ertönen, gibt es kein Halten mehr. Zu Songs wie «Bälpmoos», «Fischer», «Ludmilla» oder «Ausklaar» wird voller Inbrunst mitgesungen und ausgelassen getanzt, bis die Band nach etwa einer Stunde die Bühne verlässt und unter tosendem Applaus nach nur wenigen Sekunden wieder betritt.

«Es Glas uf d’Liebi und eis uf z’voue Läbe», singt Büne Huber, getragen von den Stimmen des entzückten Publikums, das seine Bierbecher zum Song «Für immer uf di» in die Höhe streckt.
Doch ein Lied fehlt auch nach den Zugaben noch, ohne das die Leute hier nicht nach Hause gehen wollen und das sie deshalb auch lauthals fordern.

«Einen noch, doch den kennt ihr nicht», sagt Huber schmunzelnd und stimmt zum Megahit «Scharlachrot» an. Jetzt brechen alle Dämme. Das Publikum singt so laut mit, dass es zeitweise Hubers Stimme zu übertönen vermag. Was für ein Gänsehautmoment und das bei dieser Hitze – so etwas schaffen in der Schweiz nur Patent Ochsner.