Kultur

Grosse Gefühle und grosse Stimmen: Das Musical «Bodyguard» ist in Zürich zu sehen

Rachel (Mitte, Aisata Blackman) und Frank (Jo Weil) gestehen sich ihre Liebe. Der Stalker (links, Christopher Neris) und Rachels Schwester (rechts, Andrea del Solar) sind stumme Zeugen.

Rachel (Mitte, Aisata Blackman) und Frank (Jo Weil) gestehen sich ihre Liebe. Der Stalker (links, Christopher Neris) und Rachels Schwester (rechts, Andrea del Solar) sind stumme Zeugen.

Das Musical «Bodyguard» nach dem Film mit Whitney Houston macht in den nächsten Wochen Station im Zürcher Theater 11.

Wer wie der Star Rachel Marron im Rampenlicht steht und von einem Stalker mit Mordabsichten verfolgt wird, braucht einen Bodyguard wie Frank Farmer. Er ist ein Profi, der zu den Besten seines Fachs zählt und einer ungeschriebenen Regel folgt: verlieb dich niemals in einen Schützling, selbst wenn dieser noch so attraktiv ist wie Rachel.

Aber dann entwickelt sich zwischen Rachel und Frank eben doch eine bitter-süsse Lovestory, die in einer der schönsten Balladen, «I Will Always Love You», gipfelt. Wer hat diese 1992 im Film «Bodyguard» gesungen? Whitney Houston. Gänsehaut überkommt einen nach wie vor, wenn man sich das «you» am Ende des Songs anhört: ein fast endlos erscheinender Ton, der – immer weiter in die Höhe getrieben – schliesslich verebbt. Grossartig. Für diesen Song liebt man Whitney Houston; liebte ihre exzentrische Rachel und ihren mit Kevin Costner überraschend besetzten Bodyguard Frank.

Lässt sich ein vom Publikum weltweit geliebter Film ohne Verluste in ein Musical verwandeln? Ja, vorausgesetzt man heisst Alexander Dinclaris, ist ein kluger Theaterautor, befasst sich respektvoll mit Lawrence Kasdans Filmdrehbuch – und macht daraus eine Bühnenfassung, die den Stalker (Christopher Neris) und Nicki (Andrea del Solar), Rachels jüngere Schwester, stärker beachtet.

Sechzehn Hits bestimmen die Geschichte

Vor acht Jahren wurde das Musical «Bodyguard» im Londoner Westend uraufgeführt; nun hat es die englische Theater- und Filmregisseurin Thea Sharrock für den deutschsprachigen Raum inszeniert. Also werden die Dialoge auf Deutsch gesprochen, die Songs auf Englisch gesungen. Glücklicherweise. Denn im Musical sind neben Songs des Bodyguard-Soundtracks auch Houston-Hits wie «I Wanna Dance with Somebody», «One Moment in Time» oder «Saving All My Love» vertreten. Und die hat man einfach in der Originalsprache im Ohr.

Sechzehn Hits bestimmen nun eine Geschichte, die in rascher Folge eine Szene auf die andere folgen lässt. So lässt die Spannung nie nach und «Bodyguard» erweist sich als Musical der grossen Gefühle, der grossen Stimmen, der famosen Tänzerinnen und Tänzer, der fantastischen Kostüme und einer Lichtgestaltung, die eine Villa, eine Karaoke-Bar und eine Oscar-Verleihung gleichermassen ins trefflichste Licht rückt. Mal scheint die Bühne förmlich zu glühen; mal leuchten Sterne im Blau des nächtlichen Himmels; mal glitzert es so, dass man die Augen zukneifen muss. Und: es knallt, dass man sich bisweilen die Ohren zuhält – wozu der Veranstalter auch auffordert.

Doch der Knall ist der Dramaturgie geschuldet, zeigt er doch eine dramatische Wende in der Geschichte an. Etwa, wenn der stumm bleibende Stalker auf der Bühne auftaucht oder als übergrosse Figur auf der Leinwand erscheint. Das verfehlt seine bedrohliche Wirkung nicht.

Umso mehr fällt der Kon­trast zu Rachels Glamour-Auftritten ins Gewicht. Aisata Blackman brennt hier ein vokales Feuerwerk ab, das verrät, wie sehr sie Whitney Houston studiert haben muss. Doch Blackman setzt in den Songs sehr wohl eigene Akzente. Vor allem aber verfügt sie über eines: Charisma. Dass diesem Frank Farmer (ausgezeichnet: Jo Weil in einer Sprechrolle) erliegt, ist verständlich. Nicht nur er, auch das Publikum – und dieses wickelt Aisata Blackman am Ende mit «I Wanna Dance With Somebody» nur so um den Finger.

«Bodyguard» ist das Musical für Whitney-Houston-Fans, die grosse Songs hören und eine gute Geschichte toll erzählt erleben wollen.

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