Statistiker haben einen Zusammenhang zwischen Körpergrösse und Erfolg gefunden. Der Professor für empirische Sozialforschung an der Universität Mannheim, Thomas Gautschi, hat laut «Handelszeitung» diese Relation in seiner Habilitationsschrift gefunden.

Das Fazit: Die Grössenprämie gibt es und sie ist nicht unbedeutend. Offenbar spielt auch die Herkunft eine bedeutende Rolle. Die sozioökonomischen Voraussetzungen sind laut der Zeitung besser bei grösseren Männern. Der deutsche Mathematiker Fabian Spanhel bestätigt: «Grössere Männer verdienen mehr.» Nach Spanhels Berechnungen sind promovierte Männer 4,16 Zentimeter grösser als Männer mit einer Anlern-Ausbildung oder einem beruflichen Praktikum. Grössere hätten auch im Schnitt eine bessere Ausbildung. Grössere Menschen arbeiteten eher in kognitiv anspruchsvollen Positionen als Manager. Kleine(re) Menschen seien mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als «Bediener von Maschinen» anzutreffen.

Aber es gibt auch andere Stimmen, die die These vom grössendeterminierten Erfolg bestreiten. So müssten sich kleiner Männer eher durchkämpfen. Prominente Beispiele gibt es genug. Napoleon (1, 69 Meter), Chrustschow, Putin und Sarkozy gelten als kleine Männer. Auch Berlusconi ist nicht von grosser Statur; er selbst sagt, er messe 1,71 Meter, andere wiederum behaupten, es seine nur 1, 64 Meter. Deswegen trägt der italienische Superpolitiker auch Elevatorschuhe – Spezialschuhe mit verstecktem Absatz.

Napoleon-Effekt

Für diese Männer wurde die Bezeichnung «Napoleon-Effekt» erfunden. Diese kleinen Männer kompensieren ihren geringen Körperwuchs durch ein grösseres Machtbewusstsein, treten aggressiver auf, verfügen über ein grösseres Durchsetzungsvermögen und eine grosse Zielstrebigkeit.

Begründung: Sie müssen ihr «Manko» wettmachen. Grössere Personen haben es da einfacher: Sie können physisch auf andere herabschauen. Und weil alle Welt von ihnen erwartet, sie seien erfolgreich, stark und leistungsstark, glauben sie das auch von sich. Das hat einen psychologischen Effekt. Der internationale Experte für menschliche Anatomie und Evolution an der Universität von Adelaide (Australien), Maciej Henneberg, weiss: Ein kleiner Mann muss sich bewusst sein, dass er für seine geringe Grösse kompensieren muss. Am besten lebt es sich, wenn man ein klein bisschen grösser als der Durchschnitt ist.»

Was im Arbeitsleben möglich sein soll, mag im Privatleben noch nicht so gelten. Dort haben es Männer, die kleiner sind als 1,70 Meter, schwerer. In Internetforen schreiben «kleine» Männer wie Vinzent, der unter 1,70 Meter misst: «Jedoch habe ich so oft Ablehnung erfahren, weil ich so klein bin. Fühle mich als Mann überhaupt nicht wahrgenommen. Es ist ein schreckliches Gefühl.» Und Beat fragt: «ist man wegen seiner Grösse etwa schon ein mensch zweiter Klasse oder nur der Fussabtreter für alle?»

Die Sehnsucht nach dem grösseren Mann ist ein Kulturphänomen. Grösse wird als Zeichen von Dominanz und Zeugungskraft interpretiert. Partnerbörsen wie Elitepartner und Parship sagen: Jede zweite Singlefrau mag Männer zwischen 1,80 und 1,90 Metern. «Die meisten Frauen wünschen sich einen Mann, bei dem sie sich körperlich geborgen fühlen», sagt der Single-Coach Lisa Fischbach von «Elitepartner.de». «Sie geniessen den Grössenunterschied und mögen es, sich bei ihm anlehnen zu können. Das hat sich in der Gesellschaft als Idealbild eines Paares so etabliert.» (cls)