Computerspiele
Gewalt in Videogames verändert die Hirnaktivität der Spieler

Eine Woche Spielen von gewalthaltigen Computergames reicht schon aus, um nachweisbare Spuren im Gehirn zu hinterlassen. Der Effekt ist aber nicht zwingend von Dauer.

Cornelia Dick-Pfaff, WSA
Merken
Drucken
Teilen
Videogamer: Was passiert im Gerhirn?

Videogamer: Was passiert im Gerhirn?

Videospiele mit gewalttätigen Inhalten hinterlassen nach kürzester Zeit merkliche Spuren im Gehirn: Bereits nach einer Woche massvollen Spielens zeigen sich veränderte Reaktionen in Hirnbereichen, die an der Verarbeitung von Denken und Emotionen beteiligt sind.

Die verringerte Aktivität in diesen Arealen ist aber nicht zwingend von Dauer, haben US-Mediziner in einer Studie mit 22 jungen Männern belegt. Nach einer weiteren Woche ohne Gewalt-Spiele vermindern sich die beobachteten Veränderungen wieder, berichteten die Forscher auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America in Chicago.

Langfristiger Effekt

«Die Ergebnisse legen nahe, dass gewalthaltige Videospiele einen langfristigen Effekt auf die Funktionsweise des Gehirns haben», erklärte Yang Wang vom Department of Radiology and Imaging Sciences an der Indiana University School of Medicine in Indianapolis.

«Wir haben erstmals herausgefunden, dass eine Stichprobe zufällig ausgewählter junger Erwachsener geringere Aktivierung in bestimmten Regionen des Frontallappens zeigte, nachdem sie eine Woche lang zu Hause gewalttätige Videospiele gespielt hatte. Diese Hirnregionen sind wichtig für die Kontrolle von Emotion und aggressivem Verhalten.»

22 junge Männer als Versuchskaninchen

Wang und Kollegen hatten 22 junge Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt. Elf Probanden sollten sich innerhalb der ersten Woche der Studie zehn Stunden lang einem Videospiel mit Gewaltinhalt widmen, in der zweiten Woche jedoch keine Zeit damit verbringen.

Die Männer in der anderen Gruppe dienten als Kontrollgruppe und spielten über den gesamten Zeitraum von zwei Wochen kein derartiges Spiel. Alle Teilnehmer hatten zuvor kaum Umgang mit solchen Videospielen gehabt.

Magnetresonanztomographie im Einsatz

Vor Beginn der zwei Wochen sowie nach einer und nach zwei Wochen beobachteten die Forscher die Hirnaktivität der Teilnehmer mithilfe funktioneller Magnetresonanztomographie. Währenddessen lösten die Probanden Aufgaben, bei denen sie sich entweder auf emotionale Begriffe, die zum Teil auch Gewalt andeuteten, oder auf Zahlen konzentrieren mussten.

Die Mediziner stellten fest: Nach der Woche Videospiel zeigten die jungen Männer während des Emotionstests geringere Aktivität im Stirnlappen als zu Beginn der Studie und als die Teilnehmer der Vergleichsgruppe. Während des Zahlentests war die Aktivität im Gyrus cinguli vergleichsweise vermindert. Nach der zweiten Woche, in der sie nicht gespielt hatten, verringerten sich die beobachteten Effekte aber bereits wieder.