Gestorben
Seine Mimi wurde Bill Ramsey nie mehr los

Der gebürtige Amerikaner Bill Ramsey ist am 2. Juli in Hamburg 90-jährig gestorben. Bekannt wurde er als bärenhafter Schlagerclown, doch seine Liebe gehörte dem Jazz und Blues.

Stefan Künzli
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Bill Ramsey blickt im Jahr 1999 auf seine Schlagerkarriere zurück.

Bill Ramsey blickt im Jahr 1999 auf seine Schlagerkarriere zurück.

Georg Lopata / dpa

Gassenhauer wie «Pigalle» (1961), «Souvenir» (1959), «Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe» (1961) und «Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett» (1962) werden immer mit seinem Namen verbunden bleiben. Bill Ramsey war der der bärenhafte Schlagerclown, der seine Blödelsongs mit rauer Stimme und amerikanischem Slang vortrug.

Doch seine Liebe gehörte immer dem Jazz und Blues. Der am 17. April 1931 in Cincinnati im Mittleren Westen geborene Sänger, studierte an der Elite-Universität Yale Wirtschaft und Soziologie und verdiente sich in nächtlichen Jazzkonzerten ein Zubrot. Doch dann wurde er mit dem Ausbruch des Koreakrieges in die Army eingezogen, landete 1952 aber bei der Air Force in Deutschland. Hier sang er in den Frankfurter Jazzkellern, wo der singende GI vom berühmten amerikanischen Jazzsender AFN entdeckt wurde und in Deutschland hängenblieb.

Seine Karriere ist exemplarisch für die deutsche Unterhaltungsbranche in der Nachriegszeit. Wie die Jazzmusiker Hazy Osterwald, Paul Kuhn, Kurt Edelhagen, Max Greger und James Last wechselte auch Ramsey aus ökonomischen Gründen vom Jazz ins lukrativere Schlagerfach. Die deutsche Schlagerwelt hatte in den Nachkriegsjahren das Bedürfnis, sich besonders weltläufig und ausländerfreundlich zu zeigen. Interpreten wie die Italienerinnen Caterina Valente und Rita Pavone, der Schweizer Vico Torriani, der Engländer Chris Howland und die Amerikaner Connie Francis und Bill Ramsey erfreuten sich grosser Beliebtheit und sangen deutsche Schlager mit fremdländischen Akzent. Südländisches Fernweh hier, angeröckelte, anglo-amerikanische Popmusik da. Das durfte es durchaus sein, aber ja nicht zu sehr.

Bill Ramsey wurde wie andere Jazzmusiker domestiziert, seine Musik geglättet und massentauglich gemacht. Doch muss auch betont werden, dass die meisten seiner Songs dem swingenden Groove verpflichtet blieben und relativ hohe musikalische Qualitätsstandards erfüllten. Schon Ender der 1960er-Jahre wechselte er wieder zu Jazz und Blues. Doch seine Mimi wurde er nie mehr los.

Seine schönste Zeit erlebte er in der Schweiz

Bill Ramsey hat auch in der Schweiz kräftige Spuren hinterlassen. Das Schweizer Radio und Fernsehen hatte sich mit den neuen Tönen der anglo-amerikanischen Popmusik sehr schwergetan. Bei Radio Beromünster herrschte lange Funkstille. In der Schlagersendung «Bill und Jo» versuchte Bill Ramsey 1960 diese Funkstille auf Radio Beromünster zu durchbrechen. Ohne Erfolg. Nach drei Monaten wurde die Sendung wieder gestrichen. Im Landessender herrschten Ländler und leichte Klassik vom Radioorchester Beromünster wieder uneingeschränkt.

Bill Ramsey, der Jazzsänger.

Trotz dieser negativen Erfahrung blieb er mit der Schweiz verbunden und lebte mit seiner Frau Petra zwanzig Jahre lang in Zürich. Es sei seine schönste Zeit gewesen, wie er immer wieder betonte. In Erinnerung bleibt Bill Ramsey dem Schweizer Publikum in der grandiosen Schlussszene von Rolf Lyssys «Die Schweizermacher». Für diese Szene lernte Ramsey sogar das Saxofon zu spielen: Für den Einbürgerungsbeamten spielt der Amerikaner die Schweizer Nationalhymne. Zuerst ganz brav und gesittet, wechselt dann aber in eine schräge Jazzimprovisation.

Schlusszene in «Die Schweizermacher» von Rolf Lyssy.